Galeria am Rotkreuzplatz: Das Ende naht 

Nach über vier Jahrzehnten steht das Aus für Galeria am Rotkreuzplatz bevor: Der Mietvertrag läuft Anfang 2027 aus, der Abriss ist geplant, ein höherer Neubau mit Büros, Handel, Hotel und Wohnungen soll entstehen – während 120 Beschäftigte wieder um ihre Zukunft bangen müssen
Nina Job
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Seit 1981 steht ein Kaufhaus am Rotkreuzplatz. Nächstes Jahr soll damit Schluss sein. Nur die roten Backsteinziegel werden voraussichtlich wiederverwendet.
Seit 1981 steht ein Kaufhaus am Rotkreuzplatz. Nächstes Jahr soll damit Schluss sein. Nur die roten Backsteinziegel werden voraussichtlich wiederverwendet. © Daniel Loeper

Ob Kugelschreiber oder Schuhbürste, Parfüm oder Ballkleid – seit 1981 gibt es bei Galeria (ehemals Kaufhof) am Rotkreuzplatz auf 10.000 Quadratmetern in vier Etagen eine riesige Auswahl an Waren. Doch nun steht das Ende fest – zumindest für mehrere Jahre und auf dieser riesigen Fläche.
Nach AZ-Informationen läuft der Mietvertrag von Galeria mit dem Eigentümer OFB bereits am 31. Januar 2027 aus – also in zehn Monaten. Die OFB, eine Tochter der Helaba, hatte das Gebäude aus der Insolvenzmasse der Signa gekauft. Und nun hat die Projektentwicklungsgesellschaft große Pläne auf dem Grundstück. An eine Verlängerung des Mietvertrags ist derzeit offenbar nicht gedacht.

Anstelle des Kaufhauses ist ein großer Neubau (weiß) vorgesehen. Vorne rechts auf dem Modell: das Schwesternhochhaus des Rotkreuzklinikums.
Anstelle des Kaufhauses ist ein großer Neubau (weiß) vorgesehen. Vorne rechts auf dem Modell: das Schwesternhochhaus des Rotkreuzklinikums. © OSA

 

Denn bereits im Frühjahr 2027 will der Projektentwickler mit dem "Rückbau" der oberirdischen Geschosse beginnen. Das teilte ein mit dem Projekt befasster leitender OFB-Mitarbeiter der AZ mit. Voraussetzung für den Abriss ist freilich, dass bis dahin die erforderlichen Genehmigungen der Stadt vorliegen.

Am Dienstag (24. März) war das Bauvorhaben erstmals öffentlich Thema im Rathaus. Fabian Ochs, Gründer und Geschäftsführer des beauftragten Architekturbüros OSA, stellte der Stadtgestaltungskommission erste Entwürfe vor. Das Gremium aus 27 Architekten, Bauexperten, Heimatpfleger und Naturschutzbeirat berät über die Gestaltung bedeutender Bauvorhaben und gibt Empfehlungen für den Stadtrat und die Behörden ab.

Die Zukunft des Kaufhauses in Neuhausen stand schon mehrmals auf der Kippe.
Die Zukunft des Kaufhauses in Neuhausen stand schon mehrmals auf der Kippe. © Daniel von Loeper

Die OFB plant einen großen Neubau mit grünem Innenhof an dem zentralen Platz in Neuhausen. Nach jetzigen Plänen werden von dem Kaufhausgebäude aus den 80ern nur der Rohbau vom Erdgeschoss und die beiden Untergeschosse erhalten bleiben.
Im ersten und zweiten Obergeschoss sollen neue Büroflächen entstehen. Einzelhandelsflächen – also für Geschäfte – sind künftig nur noch ebenerdig sowie im ersten und zweiten Untergeschoss vorgesehen.

Der massive Bau soll im Erdgeschoss durch Arkaden aufgelockert werden. Dadurch würde das Gebäude optisch etwas zurückweichen im Vergleich zu heute. Dafür soll der Gebäudekomplex aber höher werden – vor allem an einer Ecke: Hier steht heute schon ein turmartiges Fluchttreppenhaus.

Die Grüne Leonie Lobinger ist Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg.
Die Grüne Leonie Lobinger ist Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. © Grüne

Bis zur Sitzung der Stadtgestaltungskommission sahen die Planer in diesem Bereich einen "Hochpunkt" vor, also ein kleineres Hochhaus oder ein turmartiges Gebäude. Es würde die denkmalgeschützten Häuser in der unmittelbaren Umgebung allerdings um einiges überragen.
30, 33 oder 36 Meter hoch stellten sich die Planer den neuen "Hochpunkt" vor. Ein Hotel soll hier mal einziehen. Ganz oben, im siebten Stock, ist ein öffentliches Restaurant und eine Bar mit tollem Ausblick geplant. Die Dachfläche soll begrünt werden.

40 Wohnungen sollen neu gebaut werden

Auch Wohnungen sollen auf dem Kaufhofgrund neu entstehen: Der Ladehof an der Pötschnerstraße, wo aktuell noch Lkw ein- und ausfahren, soll überbaut werden. Etwa 40 Wohnungen sind geplant, 40 Prozent von ihnen sollen geförderte werden.

Die Pläne müssen nun aber noch mal überarbeitet werden. Die Höhe des Neubaus stieß auf Kritik in der Stadtgestaltungskommission. Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht stellte zwei Bedingungen: Die Sichtachse von der Nymphenburger Straße müsse erhalten bleiben. Und der Neubau dürfe dem 55 Meter hohen Schwesternwohnheim vom Rotkreuzklinikum keine Konkurrenz machen. "Aus meiner Sicht ist das eines der besten Hochhäuser, die wir haben", sagte Landbrecht. "Neben einem solchen Hochhaus gibt es keine weiteren Götter."

Sechs Monate nach dem Auszug könnte der Kaufhof schon verschwunden sein

Der Zeitplan der OFB ist straff. Läuft alles nach Plan, soll bereits im Frühjahr 2027 mit dem Abriss begonnen werden. Nur rund ein halbes Jahr später könnte von dem heutigen Kaufhof schon nichts mehr zu sehen sein. Er wäre verschwunden.

Rund 120 Menschen arbeiten derzeit noch bei Galeria und in der Lebensmittelabteilung am Rotkreuzplatz. Sie alle wussten bis jetzt nicht, wie konkret die Zukunft schon ohne sie geplant war. "Es ist sehr tragisch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Filiale", sagt Leonie Lobinger, die Vorsitzende vom Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg zur AZ. "Wir hoffen sehr, dass für sie schonende Lösungen gefunden werden", sagt die Grüne.
Die Neubaupläne an sich stimmen sie zuversichtlich. "Ich kann mir vorstellen, dass es eine schöne Lösung wird. Für uns ist wichtig, dass der Platz belebt bleibt", sagt die BA-Vorsitzende.

Im Neubau ist deutlich weniger Fläche für Einzelhandel vorgesehen

Laut OFB wolle man Galeria fragen, ob sie wieder einziehen wollen, wenn der Neubau steht. Das Kaufhaus hätte dann allerdings nur noch maximal die Hälfte der bisherigen Fläche zur Verfügung. Und für die Galeria-Angestellten von heute stellt sich nun erst mal die Frage: Was wird aus uns, wenn Galeria 2027 ausziehen muss?

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  • Radl Rainer vor 17 Minuten / Bewertung:

    Niemand mit etwas Sachverstand kann bezweifeln, dass der Betrieb eines Kaufhauses in der Lage auf der Fläche wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Bleibt zu hoffen, dass der Neubau den Platz aufwertet. Besonders schön ist er sowieso nicht.

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  • kartoffelsalat vor 2 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Radl Rainer

    Wäre dem so würde die Betreiberin den Betrieb nicht weiter betreiben wollen.

    Die Investoren wollen aber halt mehr Rendite.

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