Kommentar

Fußgängerzone in der Weißenburger Straße: Warum Anwohnerjubel nicht alles ist

Die Weißenburger Straße in Haidhausen wurde heiß diskutiert. Nun liegen Ergebnisse zu der einjährigen Testphase (fast) ohne Autoverkehr vor: Eine deutliche Mehrheit ist für eine Umgestaltung. Der AZ-Vizechefredakteur Thomas Müller fordert mehr Mut – von allen.
von  Thomas Müller
Im Sommer 2024 ging die Fußgängerzone in der Weißenburger Straße in die Testphase.
Im Sommer 2024 ging die Fußgängerzone in der Weißenburger Straße in die Testphase. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Das Münchner (Im-)mobilitätsreferat lässt schon mal die Korken knallen. Die Testphase habe "gezeigt, dass die Fußgängerzone funktioniert", heißt es euphorisch. Schon ist klar: Bahn frei für eine endgültige Fußgängerzone. Verkehrspolitik kann so einfach sein! Ist sie leider aber nicht.

"Offenbar wurscht"

Dass Anwohner für eine Fußgängerzone votieren, ist klar. Hier greift das St.-Florians-Prinzip: Fließender Autoverkehr ja – aber bitte nicht vor der eigenen Haustüre. Dass das mit den Schritttempo fahrenden Radlern (wie so oft) in der temporären Fußgängerzone so gar nicht klappen wollte? Offenbar wurscht. Dass die Gewerbetreibenden mehrheitlich gegen die "Fuzo" sind? Wird von der Stadt ignoriert.

Und stattdessen "mehr Mut" bei der Mobilitätswende eingefordert. Dass es auch um Existenzen der Ladenbesitzer geht, ist den Verkehrsplanern wieder mal durchgerutscht.

Entschieden ist noch nichts. Und so bliebe Zeit, alternative Lösungen seriös in Betracht zu ziehen – eine urban umgestaltete Einbahnstraße mit mehr Aufenthaltsqualität wäre ja durchaus mehrheitsfähig. Mehr Mut und Fantasie in der Verkehrspolitik? Gerne! Das gilt übrigens auch fürs Mobilitätsreferat.

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