"Fußballfans statt Pendler": Riesen-Wut über U-Bahnen zur Allianz Arena trotz Streik

Dieser Mittwoch ist Verdi-Streiktag bei Tram, Bus und U-Bahn. Heißt: Die Münchner können sich auf das Szenario einstellen, das sie erst vergangene Woche mitgemacht haben. Bei den U-Bahnen geht wieder gar nichts. Zumindest bis um 17.30 Uhr. Denn dann fährt die MVG für die Fußballfans groß auf. Zwischen Marienplatz und Fröttmaning soll die U6 in engem Takt fahren (aber nur für die Fußballfans, wie betont wird).
Der Gewerkschafter ist sauer: "Keine Priorität für Pendler"
Für diese Taktik hat nicht jeder Verständnis. Wie sich in den sozialen Medien zeigt. Und nicht nur da. "Die MVG zeigt klar, wo für sie die Prioritäten liegen", sagte Haris Softic von Verdi im Gespräch mit der AZ. "Priorität haben nicht etwa die Pendler – sondern die Fußballfans." So setze die MVG "ein Zeichen", sagt er.
In Verdi-Kreisen war am Dienstag die Rede davon, dass die MVG alles in Gang gesetzt habe, um das Fußballspiel zu ermöglichen. Auch Mitarbeiter mit Fahrerlaubnis, die sonst gar nicht U-Bahn fahren, würden eingesetzt. Für Softic ist klar: Mit derselben Kraftanstrengung wäre auch ein teilweiser Betrieb im Berufsverkehr möglich gewesen – sowohl letzte Woche, als auch an diesem Mittwoch.
Dazu aber müsste man auch wollen. Diesen Willen spricht der MVG auch mancher im Rathaus ab. Linken-OB-Kandidat Stefan Jagel ist unterdessen nicht nur sauer auf die MVG. "Der FC Bayern bietet nicht einmal ein Kombiticket zur Nutzung der Öffentlichen an", schimpfte er am Dienstag. "Und dann erwartet er, dass die öffentliche Infrastruktur funktioniert, sogar wenn Beschäftigte zurecht für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten streiken." Und die Stadt-Spitze "deckt das auch noch", sagt Jagel.
So rechtfertigt die MVG den Fußball-Verkehr im Streik
Wie berichtet, hatte es seit dem Wochenende Absprachen zwischen MVG, Polizei und FC Bayern gegeben, auch eine Absage des Spiels stand im Raum. Nun also hat man eine Lösung gefunden, die allen direkt Beteiligten machbar erscheint. Außer der U6 fahren auch mehr Busse von der Donnersbergerbrücke (und zusätzlich vom Stachus, vom Kieferngarten und vom Bayern-Campus).
Anfrage bei der MVG. Hätte sie nicht mit demselben Personaleinsatz auch einen ausgedünnten Takt auf allen U-Bahn-Linien den ganzen Tag anbieten können? Nein, antwortet ein Sprecher. "Im Fahrdienst und in der Leitstelle stehen wegen des Streiks nur sehr wenige Mitarbeiter zur Verfügung", argumentiert er. "Damit kann nur ein kurzer Abschnitt für einen begrenzten Zeitraum sicher betrieben werden. Für den sicheren Betrieb einer oder mehrerer Linien reicht die Anzahl der Mitarbeiter nicht aus."
Die U-Bahn könne "nur in Betrieb gehen, wenn gesichert ist, dass der Betrieb auch wieder geregelt eingestellt werden kann oder bis Betriebsende weiterläuft." So sei leider "nur Sonderverkehr am Abend möglich". Die Fußballfans wird es freuen. Viele andere eher ärgern.