Für knapp 1800 Wohnungen: Fällt jetzt das Naturidyll im Eggarten?

Wird alles abgeholzt? Knapp 1900 Wohnungen möchte die Büschl Unternehmensgruppe auf das Gelände des Naturidylls mit heute 950 Bäumen bauen.
Eva von Steinburg
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Ein grünes Idyll: Der Eggarten gilt als Herz zweier Biotopverbundsachsen in München.
Ein grünes Idyll: Der Eggarten gilt als Herz zweier Biotopverbundsachsen in München. © Bürgerinitiative Eggarten

Was ist auf Münchner Stadtgebiet wichtiger: neue Wohnungen oder Naturschutz? Der Eggarten ist halb so groß wie die Theresienwiese – und eine grüne Oase. Die Büschl Unternehmensgruppe hat das Gelände der historischen Gartenkolonie gekauft, um 1850 Wohnungen zu errichten. Seit neun Jahren gibt es dagegen den Protest: "Rettet den Eggarten".

Am Mittwoch ist der Tag der Entscheidung: Die 22 Mitglieder des Planungsausschusses des Stadtrats diskutieren – und stimmen dann für oder gegen eine Flächennutzungsplanänderung für den "Lost Place", ein Naturidyll im Münchner Norden.

Ein Waldkauz brütet gerade, haben Vogelschützer entdeckt

Bis zu 40 Vogelarten zwitschern im Eggarten, das ist intensiv zu hören. In einer Baumhöhle haben Naturfreunde gerade eine Eulenmutter entdeckt, einen mittelgroßen Waldkauz. Füchse, Fledermäuse, Zauneidechsen und Frösche haben hier ein Habitat.

Eine Waldkauz-Mutter brütet in der Baumhöhle im Eggarten.
Eine Waldkauz-Mutter brütet in der Baumhöhle im Eggarten. © Landesbund für Vogelschutz

950 Bäume sind im Eggarten erfasst

"Der Eggarten ist einzigartig. 950 Bäume sind im Kataster erfasst. Politik und Gesellschaft unterschätzen noch, wie wichtig so eine Baumkronenabdeckung und die Ökosystemleistung grüner Oasen sind. Ich befürchte, wir werden eine Hitzeinsel, wenn hier alles abgeholzt wird. Jungbäume brauchen 30 Jahre, eine ganze Generation, bis sie diesen Nutzen haben", sagt Martin Schreck von der Bürgerinitiative Eggarten.

Persönlich hat er die Fraktionsvorsitzenden aller Rathausparteien angeschrieben, die 22 Mitglieder vom Planungsausschuss und die Bürgermeister Dominik Krause und Verena Dietl.

Drohnenbilder sagen mehr als Worte

Martin Schreck hat allen neue Drohnenaufnahmen gesendet: "Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Der Eggarten sieht von oben aus wie ein Urwald. Wer heute für die Bebauung abstimmt, ist also gut informiert, was er damit zerstört."

Kämpferisch zieht seine Initiative heute, von 8.30 bis 9.30 Uhr auf den Marienplatz vor das Rathaus. Die "Rettet den Eggarten"-Demonstration hat der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) angemeldet, auch um die Politiker vor der Abstimmung wachzurütteln. "Es ist schon verrückt, dort hineinzubauen. Wenn ich ins Herz von zwei Biotopwanderachsen einen Betonklotz baue, dann ist das schlecht", sagt Heinz Sedlmeier (64), Chef der LBV-Kreisgruppe München.

Der Eggarten: Kreuzungspunkt mehrerer Biotope

Der Eggarten gilt als grüner Kreuzungspunkt von zwei Biotopen. Von der Allacher Heide im Westen über den Eggarten bis zu den Bahnbiotopen am Virginia Depot. Und: Von den Freiflächen um die drei Seen im Norden, Lerchenauer-, Fasanerie- und Feldmochinger See, runter zum Olympiapark.

Der grüne Eggarten in der Lerchenau.
Der grüne Eggarten in der Lerchenau. © Bürgerinitiative Eggarten

Der Naturschützer meint: "Ich habe kein Verständnis. Die Politik hat versprochen, zuerst Parkplätze zu überbauen und Gebäude aufzustocken. In München stehen eine Million Quadratmeter Gewerbefläche leer, die in Wohnungen umgewandelt werden kann. Das sollte angegangen werden, bevor man ins Grün reinbetoniert."

Der Eggarten ist einzigartig

Die Problematik Naturschutz gegen Wohnungsbau sei bekannt: "Ich sage Lage, Lage, Lage. Diese eingewachsene Kleingartenanlage genau am Kreuzungspunkt von Biotopen ist einzigartig", so Heinz Sedlmeier. Auf der Demo spricht der Naturschützer: "Ich hoffe, dass ich bei den Stadträten noch einen Stimmungsumschwung bewirken kann!"

Der sich neu konstituierende Stadtrat soll abstimmen!

Den LBV-Geschäftsführer ärgert, dass die Politiker vom alten Stadtrat heute das wichtige Thema diskutieren und am 29. April die Vollversammlung den Billigungsbeschluss fassen soll. "Diese Entscheidung ist eine entscheidende Weiche für die Zukunft der Stadt. Ich hoffe, dass der noch nicht offiziell, aber für den erkrankten Dieter Reiter agierende, OB Dominik Krause, heute ein Machtwort spricht und die Eggarten-Entscheidung verlagert. Der sich neu konstituierende Stadtrat soll abstimmen!"

Holzhaus der historischen Gartensiedlung Eggarten.
Holzhaus der historischen Gartensiedlung Eggarten. © Bürgerinitiative Eggarten

Die BI will sozialen Wohnungsbau nicht verhindern

Auch Martin Schreck von der Bürgerinitiative baut darauf: "Der Eggarten ist nicht nur mein Paradies. Er ist als Attraktion im Kulturgeschichtspfad Feldmoching-Hasenbergl aufgelistet. Wir wollen sozialen Wohnungsbau nicht verhindern. Doch bitte nicht an dieser Stelle."

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  • Boandl_kramer vor einer Stunde / Bewertung:

    Heute wird sich über die Bebauung freier Flächen in München beklagt. Morgen dann wieder über Wohnungsknappheit und damit einhergehend sehr hohe Mieten.

    Leute entscheidet euch doch endlich mal was ihr wollt. Den Kuchen aufessen und ihn gleichzeitig behalten geht halt nicht. Erst recht nicht während ständig weitere Leute ins Land reinkommen und auch wohnen wollen.

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  • BingoMuc vor einer Stunde / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Boandl_kramer

    Am besten wieder EG+2.. einfach mal höher bauen auf weniger Fläche… oder auf den riesigen Parkplätzen von Aldi Lidl dm etc

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  • Newi83 vor einer Stunde / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Boandl_kramer

    Wir brauchen dringend Sozialwohnungen. Aber bitte nicht hier. Hochhäuser wollen wir auch nicht. Bebauung sehen wir generell kritisch. Aber Bäume undGrün wollen wir auch nicht.

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