Friseur Falk Royss: Große Freude, dass es losgeht – doch alles wird anders

Falk Royss darf endlich seinen Friseur-Salon wiedereröffnen – ohne Kaffee und Zeitschriften. In der AZ-Serie erzählt er von seinem neuen Corona-Alltag.
| Falk Royss, Protokoll: Annette Baronikians
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Falk Royss in seinem Salon.
Daniel von Loeper Falk Royss in seinem Salon.

Ich bin voller Vorfreude. Seit ich weiß, dass ich meinen Salon wieder aufsperren darf, habe ich gefühlt ständig ein Lächeln im Gesicht. Wie gut, dass die bisherige Unsicherheit vorbei ist. Man wusste ja nicht, wann es weitergehen kann und hat nur hoffen können.

Die ersten beiden Wochen der Ladenschließung habe ich damit verbracht, in meinem Salon alles auf Vordermann zu bringen, alles das zu tun, für das man im Berufsalltag sonst oft keine Zeit hat. Unter anderem habe ich auch gemalert und Türrahmen ausgebessert. Das selbst zu machen, hat Spaß gemacht – wenngleich die gegenwärtige Situation mit all ihren Unwägbarkeiten meist präsent war.

Stammgäste haben Vorab-Zahlung angeboten

Ich musste ja auch all meine Kundinnen und Kunden über die Schließung informieren, habe unzählige Telefonate geführt und E-Mails geschrieben. Dass ich viele liebe Kunden habe, wusste ich schon vor der Corona-Krise, doch jetzt hatte ich einige Erlebnisse, die geradezu anrührend waren.

So haben mir etliche Stammgäste zum Beispiel angeboten, ihre nächsten Friseurtermine schon vorab zu zahlen, weil sie mir in diesen Null-Euro-Umsatz-Zeiten helfen wollten. Finanziell ist es selbstverständlich derzeit schwierig, doch ich habe in guten Zeiten für die schlechten Rücklagen gebildet. Natürlich habe ich nicht im Entferntesten an eine Pandemie gedacht.

Meine liebe Kollegin Susan Lindner hat Familie in Italien, wo die Lage besonders dramatisch ist. Sie macht sich Sorgen und telefoniert täglich mit ihren Angehörigen. Für Susi sind die täglichen Haar-Hilferufe, die uns erreichen, geradezu eine willkommene Abwechslung.

Wiedereröffnung? Telefon stand nicht mehr still

Da geht es um verknotete Extensions, rausgewachsene Ponys oder graue Ansätze. Wir versuchen unseren Kunden Tipps zu geben und sie auch vor so manchen Selbstversuchen zu warnen.

Seit Bekanntwerden des Wiedereröffnungsdatums kamen wegen Terminen sofort E-Mails in Massen. Das Telefon stand nicht mehr still. Wir arbeiten jetzt im Salon am Stephansplatz in der Anfangszeit auch am sonst geschlossenen Montag und auch samstags ganztags.

Glücklicherweise zeigen unsere Kunden Verständnis, dass nicht alle sofort drankommen können. Bei ihnen und bei uns herrscht große Freude, dass es wieder losgehen kann. Masken, leere Stühle und kein Getränk: Dafür musste ich im Salon erstmal für die verpflichtenden Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen sorgen.

Friseur: Keine Getränke dürfen angeboten werden

Der Zeit geschuldet dürfen Friseure nur unter Einhaltung diverser Auflagen wieder öffnen. So gilt es beispielsweise Wartezonen zu sperren, einen Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kunden einzuhalten, also auch Friseurstühle freizuhalten. Einen Mundschutz müssen Friseure und Kunden tragen. Die Zeit der Geschäftsschließung habe ich genutzt und schon mal fleißig Masken genäht.

Unter anderem dürfen wir unseren Kunden jetzt auch keine Getränke mehr servieren oder Zeitungen anbieten. Das verstehe ich, doch ich empfinde es als schwierig. Das gehört ja zum Service, zum Wohlfühlen. Nicht selten dauert ein Termin bei uns auch drei Stunden. Es ist wunderbar, wieder aufmachen zu dürfen, doch es wird ein ganz anderes Arbeiten sein, als man es bisher gewohnt war.

Lesen Sie auch: Mein neuer Corona-Alltag - Ich bin beweglicher geworden

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