Friedlich und fröhlich: 250000 Menschen feiern auf den Brücken

München feierte mit dem Isarbrückenfest zum letzten Mal ganz groß Geburtstag: Rund 250000 Menschen kamen übers Wochenende, doch für die Einsatzkräfte blieb es extrem ruhig: Friedlich, fröhlich, gewaltfrei. Die Bilanz der Brückentage.
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Das Brückenfest lockte viele Besucher, vor allem auf die Praterinsel.
Martha Schlüter Das Brückenfest lockte viele Besucher, vor allem auf die Praterinsel.

MÜNCHEN -München feierte mit dem Isarbrückenfest zum letzten Mal ganz groß Geburtstag: Rund 250000 Menschen kamen übers Wochenende, doch für die Einsatzkräfte blieb es extrem ruhig: Friedlich, fröhlich, gewaltfrei. Die Bilanz der Brückentage.

Die Sanitäterin von den Maltesern hatte kaum etwas zu tun am Isarbrückenfest. Also strickte sie Socken im Innenhof des Deutschen Patentamts. 250000 Menschen kamen übers Wochenende, doch für die Einsatzkräfte blieb es extrem ruhig: Friedlich, fröhlich, gewaltfrei.

München feiert zum letzten Mal ganz groß Geburtstag – und das in weltmeisterlicher Manier: „Wir hatten an den drei Tagen des Festes weniger Probleme als an einem Wochenende im Kunstpark“, sagte Polizeisprecher Andreas Ruch. „Das dokumentiert, dass die Münchner wirklich zu feiern verstehen.“ 258 Beamte bewachten das Fest – und hatten praktisch nix zu tun. Zwei Diebe wollten eine Liege klauen, ein paar rauchten Marihuana, zweimal wurden Polizisten beleidigt. Schlägereien: Null. Körperverletzungen: Null. Nötigungen: Null.

Riesenkompliment an die Münchner

„Ein Riesenkompliment an die Münchner“, sagte Einsatzleiter Rudolf Scharf. „Das Fest war ausgelassen, fröhlich und freundlich.“ Selbst in den engeren Stunden am späten Abend, als sich Zehntausende über die 1,5 Kilometer lange Gastromeile oder durch den Zeittunnel auf der Corneliusbrücke drängten, habe es keinen Stress gegeben. „Wir hatten nie das Gefühl, dass die Leute aggressiv wurden“, sagte Rudolf Scharf. Das betraf auch die Anwohner: Im Call-Center der Stadt gingen am gesamten Wochenende 25 Anrufe ein – darunter keine einzige Beschwerde.

Auch die 90 ehrenamtlichen Rettungssanitäter genossen drei schmerzfreie Tage: Nur elf Patienten kamen ins Krankenhaus, darunter ein Kind mit Schädel-Hirn-Trauma und ein Mann mit einer Lungenembolie. Die meisten der 300 Patienten wurden wegen Kopfschmerzen oder Wundblasen an den Füßen behandelt – oder wegen Schnittwunden: Gleich drei Kinder rissen sich an derselben Stelle im Bachbett der Isar unterhalb des Müllerschen Volksbads an Glasscherben die Füße auf.

Durstschlangen überall

Richtig viel Arbeit hatten eigentlich nur die zwölf Straßenarbeiter, die am Samstag- und Sonntagmorgen zu Tagesanbruch ganze zehn Tonnen Müll vom Boden schrubbten – und die Getränkeverkäufer in den umliegenden Vierteln. Denn im Laufe der Nacht wichen immer mehr von den 250000 Besuchern ins Glockenbachviertel aus, der Gärtnerplatz war voll wie sonst nie. Im „Zappeforster“ in der Corneliusstraße standen die Feiernden bis draußen auf der Straße an, um an ihr Tegernseer zu kommen.

Im Getränke- und Weindepot in der Baaderstraße stapelten sich die Menschen zwischen Bierkästen, Weinflaschen und Six-Packs. Das gleiche Bild schräg gegenüber im Shop des Parkhauses Böhringer. Oder in jeder anderen Kneipe rund um den Gärtnerplatz: Durstschlangen überall. Im „Holy Home“ in der Reichenbachstraße war es nicht anders: Ob Studenten, Schüler, Familien oder Junggesellenabschiede – sie waren alle willkommene nächtliche Konsumenten für die derzeit arg gebeutelten Wirte.

Besonders die Mitarbeiter des Kiosks an der Reichenbachbrücke rotierten - aber nicht nur Samstagnacht, auch am Sonntagmorgen ging es munter weiter: Auf den Anruf der AZ fleht ein völlig gestresster Mitarbeiter: „RufenS’ bitte ein anderes Mal an, nur ned jetzt, bitte, hier haben wir echt Land unter!“. Wohlgemerkt: Es war erst 10.30 Uhr. „Da war Höchstkapazität, ein Kunde nach dem anderen, aber wir waren etwas unterbesetzt, einige sind im Urlaub, zwei sind krank“, sagte Kiosk-Besitzer Harald Guzahm. „Pro Schicht haben wir etwa 900 Kunden, das ist die Obergrenze, mehr geht nicht. Aber ich will nicht meckern, das war super, echt positiv. Sollte man öfters machen.“

Strand-Party mit Mamas und Papas

Auch Benjamin David von den Urbanauten, konnte den Andrang an seiner Strand-Bar auf der Corneliusbrücke nicht fassen: „Supergeil, anders kann man’s nicht sagen“, so David. Samstag tagsüber zählte er 200 Kinder mit ihren Mamas und Papas, zur Nacht hin wandelte sich alles in eine große Party. „Es waren bestimmt doppelt so viele da wie sonst“, sagte David. Der Strand durfte sogar eine Stunde länger auf haben als sonst – bis ein Uhr. Zur Feier des Tages.

Thomas Gautier

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