Fridays for future in München: Verständnis und Verweise

Für besseres Klima: Auch heute wollen Jugendliche Unterricht schwämnzen. Wie Schulleiter reagieren.
| N. Job, M. Neumair
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Bei "Fridays for future" demonstrieren Jugendliche für ein besseres Klima.
dpa/Peter Kneffel Bei "Fridays for future" demonstrieren Jugendliche für ein besseres Klima.

Für besseres Klima: Auch am Freitag wollen Jugendliche Unterricht schwänzen. Wie Schulleiter reagieren.

München - Es ist Freitag. Und wieder wollen heute Münchner Schüler nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg den Unterricht schwänzen und unter dem Motto "Fridays for future" für ein besseres Klima demonstrieren. Vor einer Woche erreichte der Schülerprotest weltweit seinen bisherigen Höhepunkt. Vor der Feldherrnhalle in München protestierten etwa 10 000 junge Menschen.

Weltweit sollen es mindestens 1,5 Millionen gewesen sein. "Lasst uns daran anknüpfen und zeigen, dass wir weiter machen! Wir sind noch lange nicht am Ende!! Wir fangen gerad erst an!", heißt es in dem Whatsapp-Aufruf der Organisatoren. Die Schüler wollen sich um 11 Uhr am Marienplatz treffen und dann an der Staatskanzlei vorbei zum Geschwister-Scholl-Platz ziehen.

Obwohl viele Schulleiter Verständnis für die Sache äußern, reagieren viele zunehmend ungehalten. "Dass die Demos während der Schulzeit stattfinden, können wir nicht billigen", sagt zum Beispiel der Leiter des Karlsgymnasiums, Thomas Franz (61). In einen Brief an die Eltern eines anderen Münchner Gymnasiums schreiben die Rektoren: "Nachdem Schuleschwänzen eine Ordnungsmaßnahme nach sich zieht, kommt es damit unweigerlich zu Konflikten und Belastungen, deren Bewältigung den Schulleitungen überlassen wird."

Schulen hoffen auf Demonstrationen außerhalb der Unterrichtszeit

An anderen Schulen wurden bereits Verweise erteilt. Marianne Achatz (63), Rektorin im Gisela-Gymnasium, bestätigt: "Zwei Schüler haben einen Verweis erhalten, weil sie unangemeldet zur Demonstration gegangen sind." Schüler, die vergangenen Freitag angekündigt zur Demo gingen, mussten in der Regel ersatzweise nachmittags nachsitzen oder am Wochenende an Umwelt-Projekten teilnehmen – wie 49 Schüler des Gymnasiums Puchheim, die beim Ramadama mit anpackten.

Allgemein gilt: Wer unentschuldigt eine Klausur schwänzt, bekommt null Punkte (eine 6). Das Kultusministerium gibt nach wie vor keine Richtlinie vor, wie die Schulen mit den demonstrierenden Schulschwänzern umgehen sollen. An Münchens ältestem Gymnasium, dem Wilhelmsgymnasium im Lehel, wurden die Schülerproteste bislang "prinzipiell unterstützt".

45 Schüler waren vergangene Woche dabei. Sie mussten sich abmelden und am darauffolgenden Montag an einer 90-minütigen "Reflexionszeit" teilnehmen. Verweise gab es bislang keine, sagte Vize-Schulleiterin Brigitte Waltenberger zur AZ: "Das Anliegen, das Klima zu schützen ist richtig und wichtig. Aber es kann niemandes Interesse sein, dass dafür der Unterricht geschwänzt wird. Wir hoffen auf die Einsicht aller, dass die Demos künftig außerhalb der Unterrichtszeiten stattfinden."

Waldorfschule unterstützt engagierte Schüler

Auch die Schüler des Karlsgymnasiums "werden immer schriftlich zur Nacharbeit eingeladen", sagte Schulleiter Thomas Franz zur AZ. Vergangene Woche nahmen 55 Schüler an dem Protest teil. Unbesorgt können offenbar die Schüler der Waldorfschule in der Züricher Straße sein.

Ihnen drohen auch künftig keine Ordnungsmaßnahmen. Geschäftsführer Oliver Altehage (55): "Die Kinder melden sich beim Klassenbetreuer an, werden in eine Liste eingetragen und gehen alle gemeinsam zu der Demo. Sie berichten dann, was gewesen ist und schreiben darüber." Klausuren würden verschoben. Für Altehage ist Freitag sowieso kein guter Prüfungstag.

Lesen Sie hier: Steinmeier lobt Schülerdemos für Klimaschutz

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