Freibadsaison eröffnet: München schwimmt sich wieder frei

Die Freibadsaison hat begonnen. Vor allem Sportler und Familien zieht es am ersten Tag ins Nass. Maßnahmen wegen Corona werden gelassen angenommen.
| Thilo Schröder
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Schwimmer ziehen Bahn um Bahn im Dantebad.
Daniel von Loeper 4 Schwimmer ziehen Bahn um Bahn im Dantebad.
Geht es nach CSU-Stadtrat Manuel Pretzl, werden die Münchner Freibäder dieses Jahr allesamt bis Ende September geöffnet haben. (Symbolbild)
Daniel von Loeper 4 Geht es nach CSU-Stadtrat Manuel Pretzl, werden die Münchner Freibäder dieses Jahr allesamt bis Ende September geöffnet haben. (Symbolbild)
Im Prinzregentenbad: Edith Keller (59) sonnt sich.
Daniel von Loeper 4 Im Prinzregentenbad: Edith Keller (59) sonnt sich.
Iris Rüdel (47) ist gerade drei Kilometer geschwommen.
Daniel von Loeper 4 Iris Rüdel (47) ist gerade drei Kilometer geschwommen.

München - Ein Schwall Wasser schwappt in den Überlauf, jedes Mal, wenn einer der drei Schwimmer beim Reden gestikuliert. Ihre Gesichter unter den Badekappen und Schwimmbrillen glänzen, nicht nur vom Wasser, das von der Haut abperlt. "Endlich wieder", sagt Igor Brncic (47), und hält sich mit den Händen am Beckenrand fest. "Das ist wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen", schwärmt Sabine Felten (43), die links neben ihm im Wasser planscht. Bert Elliot (54) an ihrer anderen Seite nickt eifrig. Die drei sind am Donnerstagvormittag zum Saisonstart ins Dantebad in Neuhausen gekommen, um ihre Bahnen zu ziehen.

Erste Freibäder seit Fronleichnam geöffnet

Bedingt durch das Coronavirus mussten nicht nur die Münchner Hallenbäder seit dem 17. März schließen, auch der Start der Freibadsaison hat sich verschoben. Zu Fronleichnam nun die von Baderatten ersehnte erste Öffnungswelle mit Schyrenbad, Bad Georgenschwaige, Prinzregentenbad und Dantebad. Morgen folgen Michaelibad, Westbad und Ungererbad.

Zum Eingewöhnen nach der langen Zwangspause seien sie heute mal nur 2.000 Meter geschwommen, "ansonsten gerne mal das doppelte oder mehr", sagt Brncic und grinst. Er ist früher im Verein geschwommen, Elliot war Rettungsschwimmer. Inzwischen würden sie sich als "ambitionierte Hobbyschwimmer" bezeichnen, sagt Brncic. "Das Schwimmen ist ein Elixier für mich, eine Leidenschaft für uns alle", sagt er. "Heute ist aber erst mal Sozialisierung angesagt", sagt Elliot, "wir treffen uns wieder".

Gegen 10 Uhr hat sich vor dem Eingang des Dantebads eine Schlange gebildet. Etwa ein Dutzend Leute wartet geduldig mit Mund-Nasen-Schutz und zeigt den Mitarbeitern seine Online-Tickets vor, die seit Mittwoch zum Verkauf standen. Ohne Buchung kein Eintritt, denn es gibt ein festes Kontingent.

Probleme bei Ticket-Reservierung

Am ersten Tag sind die Stadtwerke-Mitarbeiter aber noch kulant. Mutmaßlich, weil wegen des großen Ticketansturms zeitweise das Buchungssystem zusammengebrochen war. Mehrere Gäste berichten von Schwierigkeiten, manche bekommen vor Ort ein Ticket, das Kontingent ist noch nicht erschöpft.

Bis 12 Uhr mittags haben 340 Personen den Eingang passiert, 150 von ihnen haben das Bad bis dahin wieder verlassen. Insgesamt gab es für den ersten Tag über 1.000 Reservierungen, wie die Stadtwerke mitteilen. Überall im Schwimmbad hängen rot-weiße Absperrbänder: vor Sauna- und Umkleidebereich, die gesperrt sind, um die Becken herum, damit nicht zu viele auf einmal hineinspringen (an jedem Becken hängen Schilder mit der Maximalzahl erlaubter Schwimmer), sowie im Eingangs- und Ausgangsbereich.

Schwimmer ziehen Bahn um Bahn im Dantebad.
Schwimmer ziehen Bahn um Bahn im Dantebad. © Daniel von Loeper

Viele Gäste kommen wegen der Einschränkungen bereits in Badekleidung, unter Jeans oder Jogginghose verborgen, oder ziehen sich in den Toiletten um. Ein Mann verlässt das Bad in Bademantel und Latschen, nicht jeder will offenbar ohne zu duschen wieder in seine Kleidung steigen.

Zufrieden mit dem Angebot, trotz aller Umstände, sind Holger Zerbs (49) und Tochter Antonia (12). "Wir sind froh, dass wir ins Freibad dürfen", sagen sie. "Aber wir würden auch gerne als Schwimmverein Sport machen", sagt Holger. "Das geht sonst überall, außer in München. Auch die Schulbäder haben ja alle geschlossen." Antonia schwimmt, seit sie fünf ist. So oft wie möglich wollen sie und ihr Vater jetzt wieder ins Freibad gehen: drei, vier, fünf Mal die Woche, und am Wochenende dann an einen See. "Um fit zu bleiben", wie Antonia betont, denn "das Wassergefühl ist weg".

Geht es nach CSU-Stadtrat Manuel Pretzl, werden die Münchner Freibäder dieses Jahr allesamt bis Ende September geöffnet haben. (Symbolbild)
Geht es nach CSU-Stadtrat Manuel Pretzl, werden die Münchner Freibäder dieses Jahr allesamt bis Ende September geöffnet haben. (Symbolbild) © Daniel von Loeper

Oliver Heber (55) und Tochter Emma (12) lassen es hingegen entspannt angehen, spielen Ping Pong auf der Wiese. Auch Oliver sagt: "Endlich mal wieder schwimmen." Emma war mal im Schwimmverein, derzeit pausiere sie, "weil ich viel für die Schule machen muss", erklärt sie. Wenn sie im Juli Geburtstag habe, komme ihre beste Freundin aus Heilbronn zu Besuch. "Dann gehen wir ins Freibad."

Neben einem etwas abseits gelegenen Becken sitzt Jutta (33) auf einer Bank. Ihre Frau Silvia (32) zieht gerade die letzte von 36 Bahnen, wie sie anschließend erzählt. "Ein super Gefühl." Künftig wollten sie zwei, drei Mal die Woche herkommen. "Wir haben heute extra eine Babysitterin kommen lassen für die Kleine daheim, die ist zweieinhalb."

Überschaubare Lage im Prinzregentenbad

Ortswechsel, 13.30 Uhr im Prinzregentenbad in Bogenhausen. Das Freibad ist kleiner, überschaubarer. Ein paar Schwimmer ziehen gelassen ihre Bahnen. Im Spielbereich ist die Wasseroberfläche dagegen glatt, Strudel und Wasserpilz sind abgeschaltet. Im Prinzregentenbad sind nicht nur Duschen und Umkleiden geschlossen, auch die Sitzbänke fehlen.

Den Besuchern macht das offenbar wenig aus. Edith Keller (59) sitzt im Neopren-, später im Badeanzug auf den sonnengewärmten Pflastersteinen. "Ich bin hier regelmäßig", erzählt sie. "So oft's halt geht." Zwei Mal sei sie während des Lockdowns im See geschwommen. Man merkt ihr an, dass sie froh ist, wieder hier zu sein.

Im Prinzregentenbad: Edith Keller (59) sonnt sich.
Im Prinzregentenbad: Edith Keller (59) sonnt sich. © Daniel von Loeper

Iris Rüdel (47) ist gerade drei Kilometer geschwommen. "Normal", sagt sie, zuckt die Achseln und lacht. "Wenn ich schon mal da bin." Früher war sie Triathletin, hat zweimal den Ironman gemacht. "Ohne Sport geht bei mir gar nichts. Die Triathlon-Sportarten hab ich jetzt wieder für mich entdeckt, weil man das alles draußen machen kann: rennen, laufen, schwimmen."

Iris Rüdel (47) ist gerade drei Kilometer geschwommen.
Iris Rüdel (47) ist gerade drei Kilometer geschwommen. © Daniel von Loeper

Wettkampferfahren ist auch Emma, die Neunjährige ist oberbayerische Schwimmmeisterin ihres Jahrgangs in der 50-Meter-Distanz; am 7. März habe sie sich den Titel zum zweiten Mal geholt, im letzten Wettkampf vor dem Lockdown, wie Vater Nenad und Mutter Dragana stolz berichten. Ihre kleine Schwester Maya (5) macht gerade das Seepferdchen.

Schwimmen sei für Emma "der Himmel auf Erden", sagt Dragana. Emma freut sich sichtlich, dass sie statt wie zuletzt in Seen bei fröstelnden 16 Grad Wassertemperatur nun wieder im auf 24 Grad wohltemperierten Prinzregentenbad schwimmen darf. "Fast jeden Tag" wolle sie mit ihrer Familie künftig kommen, sagt Emma. "Besser als gar nix."

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