Frauen eingeschleust: Münchner Wohnungen durchsucht
Es geht um Menschenhandel, illegale Schleusungen und die sexuelle Ausbeutung von mindestens zehn Frauen. Ein 72-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft, gegen seine Bekannte (64) und zwei weitere Männer wird ermittelt. Alle vier Verdächtigen sind polizeibekannt und bereits früher wegen Aktivitäten im Rotlichtmilieu aufgefallen. Ein anonymer Tipp brachte die Ermittler des Kommissariats 24 auf die Spur des Quartetts.
Fahnder schlagen zeitgleich in zehn Wohnungen zu
Es folgen monatelange, teils verdeckt geführte Ermittlungen. Bis die Fahnder jetzt zuschlugen: Am Dienstagmittag durchsuchten rund 90 Beamte zehn Wohnungen im gesamten Münchner Stadtgebiet. Allesamt liegen sie im Sperrbezirk, in dem Prostitution generell verboten ist. In den Apartments lebten und arbeiteten die Frauen: Sechs stammen aus Vietnam, eine aus China, sowie zwei aus Deutschland und eine aus Tschechien. Vier der Sexarbeiterinnen hatten gerade Besuch von Freiern, als die Polizisten anklopften.
Sexarbeiterinnen schweigen aus Angst
Wie die Sexarbeiterinnen nach Deutschland gelockt und ins Land geschleust wurden, ist noch nicht geklärt, sagt Kriminaldirektor Falk von Usslar vom Kriminalfachdezernat 4. Die vier festgenommenen Verdächtigen schweigen. Die zehn Frauen machen ebenfalls keinerlei Angaben. Sie haben Angst vor Abschiebung, zudem fürchten sie Repressalien gegen Verwandte in ihren Heimatländern. Dazu kommt die Scham. Prostitution gilt in Vietnam, aber auch in China als große Schande. Gegen alle zehn Frauen wurden Anzeigen wegen verbotener Prostitution erstattet. Gegen die sieben Asiatinnen wird zudem wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht ermittelt. Die Frauen aus Asien werden Deutschland vermutlich schon bald wieder verlassen müssen, ihnen droht die Ausweisung.
72-Jähriger in Untersuchungshaft
Hinter den illegalen Geschäften sollen vier Verdächtige stecken: drei Männer im Alter zwischen 42 und 72 Jahren sowie eine 64-Jährige. Sie sollen die Frauen nach Bayern gebracht und ihnen in München und in Passau Wohnungen vermietet haben. In den Apartments gingen die zwischen 30 und 60 Jahre alten Frauen dann laut Polizei der illegalen Prostitution nach. Ob die vier Tatverdächtigen auch bei diesen Geschäften abkassiert haben, ist unklar. Bisher können die Ermittler den drei Männern und der Frau illegale Rotlichtgeschäfte oder gar dirigistische Zuhälterei nicht nachweisen.
Über eine halbe Million Euro sichergestellt
Bis auf den 72-jährigen Verdächtigen befinden sich derzeit alle auf freiem Fuß. Die Wohnungen der vier Verdächtigen wurden ebenfalls durchsucht: zwei in München, zwei weitere im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dabei wurden in einer Wohnung mehr als eine halbe Million Euro in bar sichergestellt. Bei einer weiteren Person waren es über 30.000 Euro. Zudem wurden ein Auto und ein Motorroller beschlagnahmt.
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