Foto-Schätze: Graffel, Graffiti und Abriss in den wilden 80ern

AZ-Leser Ulrich Handl erinnert sich mit seinen Fotos an den riesigen Flohmarkt an der Dachauer Straße 1985 bis 1988.
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"Ulli’s Handlkammerl": Die Flohmarkt-Bude des AZ-Lesers im Jahr 1986.
Ulrich Handl 11 "Ulli’s Handlkammerl": Die Flohmarkt-Bude des AZ-Lesers im Jahr 1986.
Ganz schön was los 1986: Der Flohmarkt in der Dachauer war der größte in der ganzen Stadt.
Ulrich Handl 11 Ganz schön was los 1986: Der Flohmarkt in der Dachauer war der größte in der ganzen Stadt.
Ein ganz normaler Flohmarkt-Tag an der Dachauer Straße im Jahr 1986.
Ulrich Handl 11 Ein ganz normaler Flohmarkt-Tag an der Dachauer Straße im Jahr 1986.
Richtig gut gelaunt: ein Verkäufer auf dem Flohmarktgelände 1986.
Ulrich Handl 11 Richtig gut gelaunt: ein Verkäufer auf dem Flohmarktgelände 1986.
Der Rest vom Flohmarkt-Fest: Ob hier noch was Brauchbares zu finden ist?
Ulrich Handl 11 Der Rest vom Flohmarkt-Fest: Ob hier noch was Brauchbares zu finden ist?
Ja, das waren die 80er: Zwei New-Wave-Ladys posieren auf dem Flohmarkt für den Fotografen, stilecht in Schwarz und natürlich mit zeitgemäßem Schmuck und der passenden Frisur.
Ulrich Handl 11 Ja, das waren die 80er: Zwei New-Wave-Ladys posieren auf dem Flohmarkt für den Fotografen, stilecht in Schwarz und natürlich mit zeitgemäßem Schmuck und der passenden Frisur.
Verkauf vor dem Auto oder einfach aus dem Auto heraus. Das Sortiment von 1986 ähnelt stark, was man auch heute so auf Flohmärkten finden kann.
Ulrich Handl 11 Verkauf vor dem Auto oder einfach aus dem Auto heraus. Das Sortiment von 1986 ähnelt stark, was man auch heute so auf Flohmärkten finden kann.
Damals brandneu in München: Graffiti! Alle Hallenwände auf dem Flohmarktgelände waren bunt besprüht.
Ulrich Handl 11 Damals brandneu in München: Graffiti! Alle Hallenwände auf dem Flohmarktgelände waren bunt besprüht.
Wahre Kunst: Das Marilyn-Porträt von einem damals noch jungen Künstler namens Loomit.
Ulrich Handl 11 Wahre Kunst: Das Marilyn-Porträt von einem damals noch jungen Künstler namens Loomit.
1988 – das Ende der alten Flohmarkt-Herrlichkeit: Die Speicher-Gebäude werden Schritt für Schritt abgerissen.
Ulrich Handl 11 1988 – das Ende der alten Flohmarkt-Herrlichkeit: Die Speicher-Gebäude werden Schritt für Schritt abgerissen.
Das Gelände 1986 im Überblick: In der Mitte Väterchen Timofej, links davon der FC Teutonia (mit alter Sandbahn-Piste), hinten die alten Hallen.
Ulrich Handl 11 Das Gelände 1986 im Überblick: In der Mitte Väterchen Timofej, links davon der FC Teutonia (mit alter Sandbahn-Piste), hinten die alten Hallen.

München - Manches Wochenende, damals sogar am Sonntag, habe ich auf diversen Flohmärkten verbracht. Einer der ersten war für mich in der Fallmerayerstraße, auf einem Grundstück, das neu bebaut werden sollte, und als Flohmarkt zwischengenutzt wurde, ebenso ein Gelände in Haidhausen an der Kirchenstraße.

Dann gab es ab 1984 das riesige Flohmarktgelände an der Dachauer, Ecke Schwere-Reiter-Straße, also genau das riesige Terrain zwischen Dachauer Straße und Tierklinik. Der Platz war so groß, dass man immer noch einen Platz fand, auch wenn ganze Heerscharen von Händlern aus ganz Bayern angereist waren. Es sprach sich schnell herum, dass hier ein Superplatz war, mit viel Freifläche und riesigen Hallen mit Möbelverkauf, Imbiss und Toiletten. Sogar eine Theaterhalle gab es, wo ich einmal ein Stück des PPP Theaters von Peter Pachl fotografiert habe.

Zuerst stand ich mit meinem Caravan auf der Freifläche. Dann wurde mir von Irene Kiefer die Holzhütte der Malerin Beate Passow vorgestellt. Sie hatte auf dem Flohmarktgelände ein Atelier in eben diesem freistehenden Holzhaus. Durch das Flohmarkttreiben aber konnte sie nicht mehr vernünftig arbeiten – weshalb sie mir diese Hütte zu Miete angeboten hatte. Das war natürlich ein Glücksfall für mich.

1985: Die ersten legalen Graffiti in München

Endlich konnte ich all meine Sachen dort unterbringen. Da kam es gerade recht, dass mein Freund Thomas Beese die Kleidersammlung seiner Exfrau auf dem Speicher anbot, die er unbedingt loswerden musste. So habe ich dann 1986 "Ulli’s Handlkammerl" eröffnet.

Keine 20 Meter entfernt auf den großen fensterlosen Wänden der Hallen entstanden dann 1985 die ersten legalen Graffiti in München, sogar noch vor Berlin! Im März 1985 war in Geltendorf eine S-Bahn vollständig besprayt worden – ein sogenannter "Wholetrain" –, und einer der Täter, der Schüler Matthias Köhler, wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er nannte sich fortan "Loomit" und fand in der Dachauer Straße ein riesiges Betätigungsfeld, das größte damals in Europa. Sein Marilyn-Porträt war schon von weitem ein Hingucker. Loomit hat in der ganzen Welt seine Wandbilder hinterlassen, war stilbildend für alle Graffiti-Sprayer und ist heute noch sehr aktiv und hoch angesehen in der Kunstszene.


Haben Sie auch noch Fotos aus dem Stadt-Alltag, die das München vergangener Jahrzehnte bebildern? Schicken Sie sie uns! Am besten lassen Sie uns die Fotos digital zukommen, an: leserfoto@az-muenchen.de oder – falls es Ihnen postalisch lieber ist – an: Abendzeitung, Garmischer Straße 35, 81373 München. Stichwort: "Foto-Schätze" Herzlichen Dank!

Lesen Sie auch: München in den 60er, 70er und 80er Jahren

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