Flüchtlingsheim: 57-Jähriger droht mit Brandstiftung

Ein 57-Jähriger kündigt an, eine Unterkunft anzuzünden. Dafür verurteilt ihn das Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe.
| John Schneider
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Entschuldigte sich: Karl F. mit seinem Anwalt Florian Alte.
jot Entschuldigte sich: Karl F. mit seinem Anwalt Florian Alte.

München  Juli 2015: Im ganzen Land brennen immer wieder geplante Unterkünfte für Flüchtlinge. Bauunternehmer Heinz W. (63) nahm deshalb den Mann sehr ernst, der ihn am 21. Juli auf seiner Baustelle an der Schleißheimer Straße ansprach. Der Mann wollte wissen, ob denn in dem Neubau Asylbewerber untergebracht werden sollen.

Das wisse er nicht, log der misstrauische Unternehmer. Tatsächlich sollte an dieser Stelle in Milbertshofen eine Unterkunft für 160 Flüchtlinge entstehen. Der unbekannte Mann ließ nicht locker, fragte laut Anklage nach, ob das Haus denn aus Holz gebaut wird. Heinz W. bejahte das. „Dann brennt es ja gut. Und wenn da Asylanten reinkommen, dann zünde ich es an.“

Bei Heinz W. schrillten die Alarmglocken. Er verständigte seinen Bauleiter. Beide versuchten mit ihren Handys Fotos von dem Mann zu machen.

Tatsächlich gelang später auf Grund der auffälligen Kleidung die Identifizierung. Es handelte sich um Karl F. (57, Name geändert), der sich für die Tat am Dienstag vor dem Amtsgericht gleich mehrmals entschuldigte. „Das tut mir alles leid“, erklärte er der Richterin und: „Das mache ich nimmer.“

Allerdings: Eine Erinnerung an den Wortlaut seiner Drohung hatte er nicht. Oder gab das jedenfalls vor. Die Amtsrichterin hatte da so ihre Zweifel. Sie wertete seine Aussage, dann auch nur als Teilgeständnis und verurteilte den gelernten Schlosser für eine Störung des öffentlichen Friedens durch Ankündigung einer Straftat und für zehn Fälle des Schwarzfahrens.

Das Strafmaß? Eher milde. Sieben Monate Haft, die von der Richterin zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dass der 57-Jährige ein fanatischer Neonazi ist, und das Motiv für die Drohung in diesem Gedankengut zu suchen ist, war ihm jedenfalls nicht nachzuweisen.

Vielleicht, so die Vermutung der Richterin, hatte der Mann einfach nur aus Neid gehandelt. Der Österreicher war zu dem Zeitpunkt der Drohung ohne festen Wohnsitz und ohne Arbeit.

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