Flüchtlinge: Über 4000 Plätze fehlen

Ein Schnellprogramm sieht deshalb Quartiere mit bis zu 500 Betten vor. Auch die Umwandlung von Gewerberäume ist kein Tabu mehr.
| Florian Zick
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Die Stadt muss schnellstens Platz für weitere Flüchtlinge schaffen.
dpa Die Stadt muss schnellstens Platz für weitere Flüchtlinge schaffen.

Ein Schnellprogramm sieht deshalb Quartiere mit bis zu 500 Betten vor. Auch die Umwandlung von Gewerberäume ist kein Tabu mehr.

München - Schon zwei Mal hat der Stadtrat in den vergangenen Monaten neue Standorte für zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte beschlossen. Gestern kam nun ein drittes Standortpaket hinzu. Doch voraussichtlich wird auch dieses nicht ausreichen, um alle Flüchtlinge unterbringen zu können.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geht davon, dass 2015 in Deutschland bis zu 250 000 Asylanträge gestellt werden. Das bayerische Sozialministerium rechnet sogar mit bis zu 400 000 Flüchtlingen. Sollte dieser Fall eintreten, wäre München verpflichtet, bis Ende des Jahres knapp 12 350 Flüchtlinge aufzunehmen – etwa 2500 mehr, als mit denen die Stadt bisher gerechnet hat.

Als Reaktion auf die neue Konstellation hat der Stadtrat gestern ein Programm zur schnellen Realisierung von Übergangsplätzen verabschiedet. Bei über 4000 Flüchtlingen weiß die Stadt nämlich noch nicht, wie sie sie unterbringen soll. Die Übergangseinrichtungen sollen deshalb größer sein als normale Quartiere und Platz für bis zu 500 Betten bieten. Bisher hatte es der Stadtrat abgelehnt, mehr als 200 Flüchtlinge an einem Standort unterzubringen.

Es sei eine Ausnahmesituation, sagte Sozialreferentin Brigitte Meier. Die Flüchtlingsströme seien mittlerweile wieder fast so stark wie Mitte der neunziger Jahre. Damals habe München aber anders noch freie Flächen gehabt. Heute, mit dem Zuzug, dem massiven Schul- und Kita-Bau: „Da tun wir uns sehr schwer, noch neue Standorte zu finden“, sagte Meier.

Weil es schnell gehen muss, sollen die Übergangsunterkünfte mit Containern hochgezogen werden. Allerdings gibt es nur zwei Firmen, die Containerbauten in der erforderlichen Größe erstellen können – und die sind derzeit gut ausgelastet.

Ergänzend will sich die Stadt deshalb auch nach Gewerbeimmobilien umsehen, die sich womöglich zu Flüchtlingsunterkünften umbauen lassen. „Das wäre eine Chance, um aus dem Stress-Modus wieder herauszukommen“, sagte Alexander Reissl, der Chef der Rathaus-SPD.

Gänzlich tabu war diese Idee auch bisher nicht. Allerdings hat die Stadt bei Verhandlungen mit Gewerbetreibenden offenbar keine gute Erfahrung gemacht. „Die versuchen stets“, so Sozialreferentin Meier, „sich ihre Immobilie vergolden zu lassen“.

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