Von Lego bis Vinyl: Diese Flohmarkt-Funde bringen richtig Geld

Riesenflohmarkt auf der Theresienwiese: Trödel-Influencer Jonas Steinbeißer verrät, wie man mit System nach Schätzen sucht, clever feilscht – und welche Funde von Retro-Konsolen über Lego bis Vinyl und Kuscheltiere am Samstag richtig Geld bringen können.
von  Irene Kleber
Jonas Steinbeißer in seinem Büro, aus dem er Youtube-Videos postet – mit Tipps fürs Schnäppchenjagen auf Flohmärkten. Die Spiele und Konsolen in seinen Regalen hat er auf seinen Streifzügen gefunden.
Jonas Steinbeißer in seinem Büro, aus dem er Youtube-Videos postet – mit Tipps fürs Schnäppchenjagen auf Flohmärkten. Die Spiele und Konsolen in seinen Regalen hat er auf seinen Streifzügen gefunden. © privat

Für diesen Samstag steht bei vielen Münchnerinnen und Münchnern der riesige Flohmarkt auf der Theresienwiese im Kalender. Den veranstaltet das Münchner Rote Kreuz nur ein Mal im Jahr, traditionell am ersten Frühlingsfestsamstag. Rund 2500 Flohmarktstandl breiten sich dann spätestens ab 7 Uhr früh unter der Bavaria aus. Zehntausende Besucherinnen und Besucher kommen und stöbern nach schönen Funden.

Darunter wird auch der Trödel-Influencer Jonas Steinbeißer (30) alias "Fustler" sein, er hat fast 35.000 Follower auf der Plattform Youtube. Jedes Wochenende stöbert er auf Flohmärkten in ganz Bayern nach tollen Schätzen – allein heuer schon 51 Mal. Und verkauft vieles davon am eigenen Flohmarktstandl oder im Internet als Gebrauchtstücke weiter an Fans und Sammler. Seit vier Jahren macht der gelernte Versicherungskaufmann das hauptberuflich.

Was sind seine besten Tipps, Tricks und Erfahrungen zum Stöbern, Finden und Feilschen? Das erklärt er der AZ.


AZ: Herr Steinbeißer, wen man ungenutzte Dinge auf dem Flohmarkt verkaufen will, was sollte man da beachten?
JONAS STEINBEISSER: Erst mal früh aufstehen! Und sich einen Stand nah am Flohmarkt-Eingang sichern, da lässt sich am besten verkaufen. Dann: Strukturiert und übersichtlich aufbauen. Bücher zu Büchern dekorieren, Spiele zu Spielen. Und Besonderheiten gesondert aufstellen, damit sie schön ins Auge fallen. Wenn da lauter Wirrwarr auf dem Tisch liegt, verwirrt das die Kundschaft und die Leute ziehen lieber weiter an den nächsten Stand. Ich stelle gern auch eine gut sortierte Wühlkiste vor den Stand, das lockt auch Interessierte an. Und man sollte sich vorher Gedanken über den Preis seiner Sachen machen.

Welche Preise empfehlen sich denn?
Ich prüfe das bei meinen Artikeln vorher im Internet bei Ebay. Das macht Sinn, damit man nicht ein Harry-Potter-Buch, das acht Euro wert wäre, für einen Euro weggibt. Ich bleibe am Flohmarkt 20 bis 30 Prozent unter dem Ebay-Preis. Wer den Artikel weiterverkaufen will, hat dann auch noch was davon.

Sind denn so viele Weiterverkäufer unter Flohmarkt-Schnäppchenjägern?
Viele, das unterschätzt man total. Ich mache das ja auch. Denn für vieles, was am Flohmarkt landet, gibt es echte Fans oder verrückte Sammler, die richtig Geld dafür ausgeben.

Was lässt sich gerade gut verkaufen?
Der Klassiker sind alte Videospiele und Konsolen wie von Nintendo, Playstation oder Xbox. Je älter, desto besser. Für ein Rule-of-Rose-Spiel für die Playstation2 aus dem Jahr 2006 kann man zum Beispiel noch 200 Euro bekommen. Wäre also blöd, das in die Wühlkiste zu den 1-Euro-Teilen zu legen.

Wie schaut’s bei Brettspielen aus?
Sehr gut! Bloß nicht zu billig weggeben, die Brettspiel-Sammlercommunity ist riesig. Manche Leute stellen sich eine komplette Reihe eines Spiels aus allen Herstellungsjahren ins Regal. Für Monopolyspiele bekommt man auf Ebay auch schon mal 20 Euro. Auch gut verkaufen kann man Coca-Cola-Gläser oder Pumuckltassen.

Jonas Steinbeißer unterwegs beim Schnäppchejagen. Oft streamt er seine Videos direkt vom Flohmarkt.
Jonas Steinbeißer unterwegs beim Schnäppchejagen. Oft streamt er seine Videos direkt vom Flohmarkt. © privat

Und Schallplatten?
Vinyls gehen gut, wenn es Rock-, Metal- oder Jazzplatten sind. Auf Klassik oder Schlager bleibt man eher sitzen.

Sie kaufen auch Plüschtiere aus Wühlkisten, warum denn das?
Weil bestimmte Marken richtig viel Wert haben, das haben Flohmarktverkäufer gar nicht auf dem Schirm. Sigikid ist der Mercedes unter den Kuscheltierherstellern. Kleine, sehr gebraucht aussehende Sigikid-Bären für Babys kann man für 30 bis 50 Euro verkaufen. Manche Menschen kaufen sich das als Erinnerung an die eigene Kindheit, weil sie genau so einen mal hatten. Ich habe mal eine Pumucklfigur für fünf Euro gefunden, ein Stoffkörper mit Plastikkopf. Die habe ich für 60 Euro an einen Liebhaber verkauft.

Wie schaut’s bei Lego aus?
Lego geht immer, am besten, wenn man noch ganze Sets mit Verpackung und Bauanleitung hat, die heute vergriffen sind. Die können heute mehr bringen, als sie mal neu gekostet haben. Lego geht aber auch als Wühlkiste mit Kilopreis. Nur sollte man unbedingt vorher die Minifiguren rausnehmen. Eine spezielle Figur würde ich ja gerne mal finden, nämlich Boba Fett aus dem Star-Wars-Set 10123 Cloud City von 2003. Was glauben Sie, zahlt ein Sammler?

Minifiguren bringen üblicherweise um die zehn Euro, oder?
Für diese eine besondere kriegen Sie bis zu 3000 Euro.

Verrückt. Haben Sie einen guten Tipp zum genialen Feilschen?
Wenn ich ein gutes Teil entdecke, schaue ich immer, ob ich noch zwei, drei andere Dinge am Stand entdecke und dann Mengenrabatt heraushandeln kann. Außerdem fällt dem Verkäufer dann nicht so auf, dass ich unbedingt ein bestimmtes Stück haben möchte. Ich frag dann natürlich nicht: Was kostet dieses phänomenale Buch, das es nur zehn Mal auf der Welt gibt. Sondern: Was kosten die drei Bücher? Oder: Was kostet so ein Teil hier?

Bayerns größter Flohmarkt mit bis zu 2500 Ständen findet ein Mal im Jahr im April auf der Theresienwiese statt.
Bayerns größter Flohmarkt mit bis zu 2500 Ständen findet ein Mal im Jahr im April auf der Theresienwiese statt. © Andreas Gebert/Archivbild

Mal umgekehrt: Was kriegt man nicht mehr gut los?
VHS-Kassetten – ihre Zeit ist vorbei. Zum einen gibt es zu viele davon, zum anderen lösen sich die Bänder oft nach einer Zeit auf, dann kann man sie nicht mehr abspielen. Auch die Zeit der Überraschungsei-Figuren ist vorbei.

Das war ein Hype in den frühen 1990er Jahren . . .
. . . die wurden extrem stark gesammelt, als ich ein Kind war. Genauso vorbei ist übrigens die Zeit der Bierkasten-Sammler-Minitrucks, die will heute auch kaum noch jemand haben.

Was ist der tollste Fund, den Sie zuletzt am Flohmarkt entdeckt haben?
Die Nintendo-64-Konsole Pokemon Pikachu in der Edition blau-gelb aus meiner Kindheit! Die hatte ich als Zehnjähriger. Leider habe ich die später am Flohmarkt verkauft, das macht mich heute noch traurig. Ich hab sie aktiv gesucht und in Coburg auf einem Flohmarkt gefunden.

Was haben Sie bezahlt?
Der Händler wollte 60 Euro. Das hab ich ohne Feilschen gezahlt, einfach weil ich so glücklich war. Die gebe ich nicht wieder her. Aber einen anderen Superfund habe ich hergegeben.

Erzählen Sie.
Ich habe kürzlich eine Bibel mit Illustrationen von Marc Chagall gefunden, 1990 erschienen. Ich fand die sehr schön, wusste aber nicht, was sie wert ist. Aber mein Bauchgefühl hat mir gesagt, nimm das mit. Ich hab sie für fünf Euro gekauft.

Und wie viel dafür bekommen?
400 Euro. Von einem Sammler.

Sie haben offenbar ein gutes Bauchgefühl
Es gibt Leute, die googeln direkt am Stand, was ein Gegenstand wert ist und kaufen erst dann. Ich finde, das gehört sich nicht. Sowas macht das Flohmarktgefühl kaputt.

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