Festivalstimmung in der FC-Bayern-Heimat: So war das Konzert der Foo Fighters in der Allianz Arena
Ein bisschen Festivalstimmung kommt da auf: U-Bahnstation Fröttmaning. Menschen mit Bierflaschen, ein Bandshirt nach dem anderen und Trinkwasserspendern auf dem Weg zur Allianz Arena. Schon ab Nachmittag fließt ein steter Strom aus Rockfans diesen Weg entlang, holt sich eine Bratwurst und verzieht sich Richtung Schatten. Schließlich ist am Mittwoch schon ab 15 Uhr Einlass. Inhaler und Otoboke Beaver als Vorbands sollen die Menge anheizen, bevor schließlich die Foo Fighters drei Stunden die Arena rocken.
Eröffnung mit den ganz großen Hits
Um 20.04 steigt schließlich rosa (oder FCB-roter?) Rauch auf. Und mit "All my life" läutet die sechsköpfige Band rund um Frontmann und ehemaligen Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl ihre Show ein. Kein Schischi, kein Feuer, nur ein bisschen Licht und Videowände. Hier wird auf den Rock gesetzt, das ist die Show. Nicht mehr, nicht weniger. Braucht es auch nicht.
Ein Kracher ("Pretender", "Times like these") jagt den nächsten. Keine Zeit, um warmzuwerden, die Musiker geben ab Minute eins Vollgas. Beim Publikum dauert es ein paar Momente länger, trotz der Kracher. Immerhin, nach fünf Minuten bildet sich der erste zarte Moshpit.

Viel mit dem Publikum gespaßt wird erst mal nicht, Grohl erklärt warum: "Uns gibt es seit 30 Jahren. Wir haben 180 Songs. Wir wollen so viele spielen wie möglich." Sie wollen ihren Fans gefallen, und sich selbst. Auch über die Videowände wird klar: Hier hat jemand richtig Spaß bei der Arbeit.
Grohl grinst immer wieder in die Kamera, Zahnpasta-Werbungs-würdig. So sympathisch, so freundlich, man möchte ihn gerne zum Grillen einladen.
Kurz wird es emotional
Dieser Mann, viel gesehen, viel erlebt, und davon auch ganz viel Schreckliches. Freund und Nirvana-Frontmann Kurt Cobain starb 1994 mit nur 27 Jahren. 2022 starb wiederum Foo-Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins mit nur 50 Jahren. Kurz darauf musste Grohl noch seine Mutter beerdigen. Was ein Sumpf. Etwas gezeichnet sieht er aus. Trotzdem wirkt jedes Lächeln ehrlich; herzlich.
Mit dem fast zehnminütigen Song Aurora schickt die Band ein unter wabernden blau-grünen Farben einen Gruß an ihren verstorbenen Drummer – ein emotionaler Moment.

Die Fußstapfen, die Schlagzeuger Ilan Rubin da füllen muss, sind gigantisch. Und doch schafft er es bei seinem Solo die Menge ganz für sich zu gewinnen.
Die Show stiehlt ihm dann eben doch nur der FF-Chef persönlich, als er sich ans Schlagzeug setzt. Jeder aus der Band darf an dem Abend mal ran und aus seiner Vergangenheit vorspielen. Von Punk bis Immobilienmakler ist alles dabei – und die Hoffnung auf ein Nirvana-Tribute groß. Von Grohl gibt es dazu zumindest die ersten Takte von "Smells like Teen Spirit" an den Drums. Auch hier: Nicht mehr, nicht weniger.

Eigentlich sei man ja immer noch eine Garagenrockband. Da ist es auch nicht schlimm, wenn ein Ton in den Höhen ("Learn to fly") mal ein bisserl zu schnell versiegt. Was diese sechs gar nicht mehr so jungen Burschen drei Stunden lang treiben, ist Sport und Handwerk – wenn auch eher Maurer als Uhrmacher – und das macht beim Zuschauen einfach Spaß, eben auch, weil die Band eine so große Freude ausstrahlt.
Nach dem Closer "Everlong" wirft Grohl noch Küsschen in die Menge, winkt, verbeugt sich, scheint ehrlich dankbar. Und zack, sind drei Stunden vorbei.
Teures Bier, verlässliche U-Bahn
Was bleibt von diesem Abend? Die Allianz Arena ist optisch eine recht coole Konzert-Location, akustisch ist noch Luft nach oben. Die MVG hat die Mengen wirklich schnell und sicher nach Hause gebracht und eine Halbe Paulaner aus dem Plastikbecher ist mit 6,90 Euro schon ganz schön teuer!
Und sonst? Ein herrlich rockiger Konzertabend voller Spielfreude mit dieser super sympathischen Stadion-Garagenband.
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