Festival im Olympiapark: 10.000 Tickets bleiben wohl übrig

Die Münchner Open-Air-Konzert-Saison endet in einer lauten, lauen Sommernacht. Inzwischen schon fast traditionell schließt das Superbloom Festival die Saison unter freiem Himmel ab. Diesmal mit Stars wie Nico Santos, Ikkimel oder Kygo. Zum fünfjährigen Bestehen verpassten die Veranstalter dem Spektakel eine Fünf-Tage-Sause.
Weil das Olympiastadion weiterhin saniert wird, musste allerdings komplett auf die Freiflächen im Olympiapark ausgewichen werden. Das Areal um den Hans-Jochen-Vogel-Platz bis weit hinunter zum Olympiaturm verwandelte sich für ein Wochenende in einen bunten Lifestyle-Spielplatz aus Lichtinstallationen, Lounges und Erlebniszonen mit zehntausenden Fans. Schön gemacht statt Festival-Schlamm, mit Fokus auf Sehen und Gesehen werden.
SDP haben einen Song "lieber umgeschrieben"
Musikalisch kam vorwiegend das sehr junge TikTok-Publikum auf seine Kosten. Den Auftakt am Samstag machten zwei Acts, die schon fast zum Inventar der deutschen Musikszene gehören. Nico Santos, der mit eingängigem Pop und Hits wie "Rooftop" seit fast zehn Jahren die Radiostationen bespielt, zog die Massen vor die Bühne und ging sofort auf Tuchfühlung mit den ersten Reihen. Zusammen mit SDP gehörte er schon fast zum "alten Eisen".

Die Spandauer (seit 25 Jahren im Geschäft) brachten Party-Abriss mit. Samt Riesen-Gummitieren wie auf einer Poolparty und einer fahrbaren Krone. Bei einem Track wurde es besonders amüsant: "Deine Freundin" stand im Mai noch auf einer Liste von zwölf Liedern, deren Wiedergabe die Erlanger Gleichstellungsstelle den Festwirten auf der Bergkirchweih lieber nicht empfehlen wollte. SDPs pragmatische Lösung auf der Superbloom Bühne: "Wir haben den Song ein bisschen umgeschrieben, damit wir ihn hier in Bayern spielen können. Hoffentlich kommen keine Polizisten aus Erlangen."
Als die beiden diesen Hit 2015 veröffentlichten, saß Sänger Zartmann ("Tau mich auf") noch im Kinderzimmer. Der Berliner Newcomer, füllt jetzt aber die Hallen der Republik und nutzt das Festival, um seinen Hit "Meinen die uns" gleich zweimal zu spielen. Einmal zum Start alleine und ganz am Ende mit seinen Duettpartnern Kasi und Antonius, die am Nachmittag schon ihr eigenes Set gespielt hatten.

Etwas abseits vom ganz großen Trubel gab es noch das heimliche Highlight: Der kanadische Rapper bbno$ (ausgesprochen: Baby No Money). Er ist gegenwärtig das Paradebeispiel dafür, wie man mit intelligentem Quatsch-Rap, Humor und TikTok-Viralität weltberühmt wird. "Ich könnte mir gut vorstellen, nach Deutschland zu ziehen", rief er beim Blick auf den Olympiaturm.
20.000 Fans passen auf das Gelände, nur die Hälfte waren da
So flüssig wie Shows, Rahmenprogramm und Einlass dieses Mal funktionierten, so knirschend lief es im Vorfeld. Ursprünglich waren Donnerstag und Freitag als volle Festivaltage geplant. Doch Acts wie Paul Kalkbrenner, Monolink und Ayliva wurden Wochen vorher gestrichen. Die offizielle Begründung gegenüber der AZ: "produktionstechnische Gründe". Ein dehnbarer Begriff, der von schleppendem Ticketvorverkauf bis zu unlösbaren Bühnenanforderungen alles bedeuten kann. 20.000 Fans passen auf das neue Gelände. Am Samstag waren rund 10.000 da. Sonntag meldeten die Veranstalter ausverkauft. Kurz vor Showbeginn erwischte es dann auch noch die britische Pop-Sängerin Asha Banks: Ihr Flug an die Isar fiel aus, sie strandete am Flughafen.

Die Zelte werden im Olympiapark nach dem Wochenende nicht abgebaut. Die riesige Hauptbühne bleibt stehen. Bis Mittwoch geht das Festival-Konzept mit Einzelkonzerten in die Verlängerung. Dann setzen unter anderem Lewis Capaldi, der Münchner Ennio und Lorde den Schlussstrich. Ob es im nächsten Jahr eine Fortsetzung gibt, ließen die Veranstalter auf AZ-Anfrage noch offen.