"Fels in der Brandung": Ganz kurz hatte München eine neue Sehenswürdigkeit

Immer wieder kracht es in Ramersdorf am Mittleren Ring. Oft mittendrin ein großer, grauer Findling im Grünstreifen, der in den Sozialen Medien mittlerweile zu einer Berühmtheit geworden ist.
von  André Wagner
Ist dies der berühmteste Stein Deutschlands?
Ist dies der berühmteste Stein Deutschlands? © André Wagner

Die Sache mit den Sozialen Medien ist, dass man oftmals nicht viel tun oder können muss, um es im Internet zu mehr oder weniger großer Berühmtheit zu schaffen. Bestes Beispiel für diese These ist ein Findling, ein einfacher, grauer Steinbrocken von der Größe eines Golden Retrievers, der sich zum Schlafen in seinen Hundekorb zusammengerollt hat.

Und nichts anderes macht dieser Findling: Er liegt einfach rum, seit vielen Jahren an derselben Stelle in der Chiemgaustraße, so wie es viele andere große Steine am Straßenrand tun. Dennoch hat es dieser Findling mittlerweile im Internet zu einer gewissen Berühmtheit in München oder vielleicht sogar in Deutschland gebracht. 

Grünstreifen-Predator am Mittleren Ring

Denn so harmlos dieser schwarz-graue Brocken auch aussehen mag, ist er ein wahrer Autokiller, quasi ein Grünstreifen-Predator neben dem Mittleren Ring vor der Allguth-Tankstelle.

Immer wieder findet der "Allguth"-Stein, so wurde er mittlerweile getauft, Erwähnung in Unfallberichten der Polizei, denn seit Jahren kracht es mehrmals im Jahr an dieser Stelle. 

Allein in diesem Jahr bereits sechsmal. In den Jahren zuvor soll der Findling ungefähr zehnmal jährlich die Fahrten verschiedenster Pkw unsanft und spontan gestoppt haben.

Zwei Unfälle binnen zweier Tage

Allein im Oktober hat es dort binnen zweier Tage zweimal gescheppert. Am 16. Oktober fand die Fahrt eines BMW am "Allguth"-Stein ihr jähes Ende. Einen Tag später hat sich ein Elektro-Taxi dort aufgebockt.

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Bei einem Ortsbesuch einige Tage später sind immer noch die Spuren der beiden jüngsten Unfälle zu erkennen. Um den Stein herum liegen Plastiktrümmer, auf dem Asphalt sind Ölspuren zu sehen. Auch der Findling zeigt deutlich Kratzer an seiner schwarz-grauen Oberfläche.

Plastiktrümmer und Ölflecken zeugen von den jüngsten Unfällen am "Allguth"-Stein.
Plastiktrümmer und Ölflecken zeugen von den jüngsten Unfällen am "Allguth"-Stein. © André Wagner

Die allermeisten Unfälle passieren nachts, wenn der Brocken im Grünstreifen nicht besonders gut zu erkennen ist. Hauptsächlich rauschen Linksabbieger in den Findling, die verkehrswidrig über die durchgezogene Linie fahren, um der Allguth-Tankstelle einen Besuch abzustatten. Dabei übersehen die meisten den großen Brocken, was dann häufig damit endet, dass Polizei und Abschleppwagen gerufen werden müssen.

Und mittlerweile landen Bilder und Videos von diesen Unfällen schnell in den Sozialen Medien. Bei Instagram hat der "Allguth"-Stein sogar schon einen eigenen Account mit einem "Best-of" der jüngsten Unfälle. Über 450 Follower hat er schon.

"Allguth"-Stein war Sehenswürdigkeit bei Google Maps

Bei Google Maps war er auch schon offiziell als Sehenswürdigkeit markiert. Bis vor Kurzem waren dort zahlreiche Rezensionen zu lesen, die einem ein Lächeln entlockt haben.

Für eine kurze Zeit war der Allguth-Stein sogar eine Sehenswürdigkeit bei Google Maps.
Für eine kurze Zeit war der Allguth-Stein sogar eine Sehenswürdigkeit bei Google Maps. © Screenshot: Google Maps

"Ein echter Fels in der Brandung des Münchner Straßenverkehrs. Rund um die Uhr geöffnet, Parkplätze direkt obendrauf. Wer ihn einmal besucht, bleibt gerne etwas länger. 5 Sterne – der Stein gibt nicht nach", "Ein wunderschöner, großer Stein, mit einer beeindruckenden Präsenz. Er ist stabil, robust und überzeugt durch seine natürliche Ausstrahlung. Die Verarbeitung der Natur ist einfach hervorragend. Er erfüllt seinen Zweck zu 100 % und lässt sich auch von Wind und Wetter nicht so leicht beeindrucken", oder "Ein bemerkenswerter Stein, ein seltenes Naturwunder. Hat seit Jahren viele Zweikämpfe für sich entschieden. Absolut sehenswert".

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Trotz der zahlreichen gewonnenen Zweikämpfe bzw. Unfälle, in die der "Allguth"-Stein bereits verwickelt war und wohl auch weiterhin sein wird, hat die Stadt nicht vor, ihn zu entfernen. "Die Findlinge im Grünstreifen sind dort abgelegt, um ein verkehrsgefährdendes, illegales Linksabbiegen und Befahren des Straßenbegleitgrüns zu unterbinden", schreibt eine Sprecherin des Baureferats auf Anfrage des Münchner Merkurs.

Der Weg zur Tankstelle endete für manche Autofahrer schon am Allguth-Stein.
Der Weg zur Tankstelle endete für manche Autofahrer schon am Allguth-Stein. © André Wagner

Baureferat will "Allguth"-Stein nicht entfernen

Wer nicht selbst Bekanntschaft der unfeinen Art mit dem Findling machen möchte, muss sich einfach nur an die Verkehrsregeln halten. "Die im Grünstreifen platzierten Findlinge stellen bei Einhaltung der geltenden Verkehrsregeln keine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit dar. Kollisionen außerhalb der Fahrbahnfläche lassen sich, wie bei Verkehrszeichen oder Beleuchtungseinrichtungen auch, nur durch ein regelkonformes Fahrverhalten vermeiden", so die Sprecherin weiter.

Der "Allguth"-Stein dürfte also auch künftig noch in dem ein oder anderen Unfallbericht zu lesen sein.

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