Fans der Finsternis: Wie die Münchner sich auf die Sonnenfinsternis vorbereiten

Am Mittwochabend um19.22 Uhr geht die Sonnenfinsternis in München los. In der Stadt ist die Vorfreude groß – und eine Schutzbrille zu finden wird schwierig. Die AZ hat noch Tipps.
Jan Krattiger
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Daniel von Loeper
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Mit solchen Schutzbrillen kann man die Sonnenfinsternis gefahrlos beobachten.
Mit solchen Schutzbrillen kann man die Sonnenfinsternis gefahrlos beobachten. © picture alliance/dpa

Der Münchner ist manchmal ein Herdentier – und er hat offenbar auch ein ausgeprägtes Kurzzeitgedächtnis: Nur so ist es wahrscheinlich zu erklären, dass sich heuer kurz vor der Sonnenfinsternis am Mittwochabend ein riesiger Hype rund um die Sonnenfinsternis-Schutzbrillen entwickelt hat.

Viele Geschäfte in der Innenstadt signalisieren schon in den Schaufenstern, dass bei ihnen keine der heiß begehrten Brillen mehr erhältlich ist. Vor den Shops des Deutschen Museums am Rindermarkt und auf der Museumsinsel bildeten sich lange Schlangen und die Bestände wurden vollends leergekauft. Immerhin: Für zwischen 11 und 12 Uhr am Mittwoch ist noch einmal eine Lieferung von 2500 Brillen angekündigt.

Schon am Montag Riesenandrang beim Shop des Deutschen Museums am Rindermarkt.
Schon am Montag Riesenandrang beim Shop des Deutschen Museums am Rindermarkt. © Imago

Ein Optiker in der Maxvorstadt, bei dem die Brillen vergangene Woche noch für 5 Euro angepriesen wurden, versicherte am Dienstag, er könne noch für Mittwoch Reservierungen entgegennehmen, er könne noch welche in Augsburg besorgen. Kosten jetzt allerdings 10 Euro. Auch auf den einschlägigen Internetportalen tauchen erste Wucherangebote für 15 bis 20 Euro pro Stück auf, die dürften sich auch noch in die Höhe schrauben.

"Extrem seltenes Ereignis"

Familie Ganz freut sich schon sehr auf den Abend und möchte die Sonnenfinsternis von einer Dachterrasse bestaunen. Die Eltern Julia (li.) und Steffen mit Kindern Sienna und Lennon sind auch noch auf der Suche nach Brillen.
Familie Ganz freut sich schon sehr auf den Abend und möchte die Sonnenfinsternis von einer Dachterrasse bestaunen. Die Eltern Julia (li.) und Steffen mit Kindern Sienna und Lennon sind auch noch auf der Suche nach Brillen. © Daniel von Loeper

Warum freuen sich die Münchner so sehr auf die Finsternis? Die Industriedesigner Steffen und Julia Ganz mit Kindern Sienna und Lennon sind voller Vorfreude. „Wir wissen natürlich, dass das ein extrem seltenes Ereignis ist und sind begeistert, dass wir es sehen können“, sagt Steffen Ganz. Jetzt müssten sie nur noch das entsprechende Equipment finden. „Wir planen, die Sonnenfinsternis von einem der Rooftops anzuschauen“, so Ganz.

"War halt ein bisschen dunkler"

V.l. Studentin Kerstin Siebert (24) und Personalberaterin Stephanie C. Schorp (54) sind geteilter Meinung zur Sonnenfinsternis.
V.l. Studentin Kerstin Siebert (24) und Personalberaterin Stephanie C. Schorp (54) sind geteilter Meinung zur Sonnenfinsternis.

Etwas nüchterner blickt Studentin Kerstin Siebert auf die Finsternis: „Ich richte meine Woche nicht darauf aus – ich werde zu der Zeit mit der Ausarbeitung meiner Masterarbeit beschäftigt sein“, sagt sie der AZ. Sie erinnere sich noch an die letzte Sonnenfinsternis, als sie in der Grundschule war. „Das war jedoch relativ unspektakulär für mich. Es war halt einfach ein bisschen dunkler.“

Etwas mehr Vorfreude herrscht bei Tischnachbarin Stephanie C. Schorp. Sie habe erst jetzt durch die AZ davon erfahren. „Ich werde viel mit dem Fahrrad an dem Abend im Englischen Garten radeln und ich schaue noch, wo ich eine Brille herbekomme. Ich feiere dann die Sonnenfinsternis.“

"Angetan und begeistert"

Malte Wiedemeyer, Direktor des Hotels Opera im Lehel
Malte Wiedemeyer, Direktor des Hotels Opera im Lehel © Daniel von Loeper

Malte Wiedemeyer, Direktor des Hotels Opera im Lehel, ist „angetan und begeistert“, verrät er der AZ. „Ich wohne so ein bisschen in der östlichen Richtung Münchens in Denning und fahre gerne mit dem Fahrrad Richtung Feringasee – da sieht man abends auch immer wunderschöne Sonnenuntergänge. Ich werde daher entweder vom Feringasee aus die Sonnenfinsternis erleben oder ich fahre nach Riem und dort auf die Aussichtsplattform“.

Camera obscura: So kann man sich eine basteln

Keine Sofi-Brille mehr ergattert? Das Sicherste, um die Sonne zu beobachten, ist laut Bundesamt für Strahlenschutz die indirekte Betrachtung durch eine Camera obscura (Lochkamera). Die kann man sich leicht selbst basteln. Alles, was man dafür braucht, ist: eine Chipsrolle, Schere, Messer, Butterbrotpapier, breites Klebeband, Stift, Stecknadel, Nagel.

So geht’s: Chipsrolle leeren, Deckel behalten. Am unteren Ende der Rolle ein ca. 5 cm breites Stück mit dem Messer abschneiden, sodass man die Teile später wieder zusammensetzen kann. Die Rolle auf Butterbrotpapier stellen, kreisrunde Öffnung nachzeichnen, Kreis ausschneiden. Den Papierkreis über die Öffnung des längeren Stücks der Rolle legen und mit dem durchsichtigen Deckel der Chipsrolle befestigen. Das kurze, offene Rollenteil draufsetzen, beide Rollenteile mit Klebeband zusammenkleben. In das Blech des Chipsrollenbodens in der Mitte mit der Nadel, dann mit dem Nagel ein kleines Loch bohren. Umdrehen, das Ende mit dem Nagelloch grob in Richtung Sonne (nicht direkt!) halten. Zweites Auge schließen. Videoanleitung hier.   

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