Falscher Millionär aus München legt falsche Polizisten rein

Der 61 Jahre alte Handwerker aus Harlaching hatte bestimmt einen Heidenspaß bei der Umsetzung seines Plans. Denn dem Familienvater war sofort klar, dass er es mit Betrügern zu tun hat. Am Montagmittag klingelte bei dem 61-Jährigen das Telefon. Der Anrufer behauptete, er sei von der Kriminalpolizei.
Betrügerische Abbuchungen am Konto
Routiniert spulte der falsche Kommissar seine übliche Schauergeschichte ab: Bei dem Münchner sei es zu Unregelmäßigkeiten auf dessen Konto gekommen. Jemand habe illegal Geld abgehoben. Der 61-Jährige kannte die Masche mit dem Schockanruf und ließ sich zum Schein darauf ein. Der falsche Polizist schlug vor, dass der Mann seine gesamten Wertsachen an einen Kollegen übergibt, der bei ihm in Harlaching vorbeikommen werde. Vorsichtig erkundigte sich der Betrüger nach eventuellen Vermögenswerten.
Das Märchen von der Million
Um den Trickbetrügern die Sache so richtig schmackhaft zu machen, trug der Handwerker richtig dick auf: Er sei reich, er verfüge über ein stattliches Vermögen, daher habe er eine Million Euro zu Hause. Das hörte der falsche Kommissar natürlich gerne und vereinbarte mit dem Münchner die Details zur Übergabe der Summe. Was der Gauner nicht ahnte: Die Tochter des 61-Jährigen hatte über ihr Handy bereits den Polizeinotruf im Präsidium verständigt. Vor dem Haus der Familie legten sich Fahnder auf die Lauer.
Mutmaßliche Täter drücken aufs Tempo
Noch während der 61-Jährige mit dem falschen Polizisten telefonierte, klingelte es an der Türe. Es war der angekündigte Abholer. Der sah aber nicht unbedingt wie ein gestandener Kripobeamter aus, "sondern eher vom Erscheinungsbild wie ein Jugendlicher", wie eine Polizeisprecherin sagte. Anstelle der Million bekam es der Verdächtige mit echten Polizisten zu tun. Die Zivilfahnder nahmen ihn fest. Es handelt sich nach Angaben des Präsidiums um einen 16-jährigen Deutschen aus Niedersachsen.
Drei Verdächtige aus der Nähe von Bremen
Vor dem Haus im Auto warteten zwei Komplizen, ein 22-jähriger Serbe und ein 21-jähriger Afghane. Sie wurden ebenfalls festgenommen. Das Trio wird dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der darüber entscheidet, ob die Männer in Untersuchungshaft kommen. Die Männer sind bereits bei der Polizei aktenkundig.
Gegen sie wurde früher wegen Eigentumskriminalität, Betrugs und Beschaffungskriminalität ermittelt. Alle drei Verdächtigen sind in Delmenhorst in der Nähe von Bremen mit Wohnadressen gemeldet. Den Verdächtigen drohen im Fall einer Verurteilung langjährige Haftstrafen.
Die miese Masche mit dem Jugendstrafrecht
Lediglich der 16-Jährige wird sich voraussichtlich in einigen Monaten vor einem Jugendgericht verantworten müssen. Jugendgerichte sprechen üblicherweise mildere Strafen aus, wie im Erwachsenenstrafrecht.
Die beiden mutmaßlichen Komplizen dürften das bei ihrem Plan einkalkuliert haben, für den Fall, dass sie auffliegen. Erfahrungsgemäß schicken manche Banden vor allem Jugendliche als Abholer los, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das größte Risiko tragen, von der Polizei erwischt und festgenommen zu werden.