"Faire Bedingungen für Taxibranche": München beschließt Mindestpreise für Uber und Co.

Lange schwelte der Streit zwischen der Stadt München und der Taxi-Konkurrenz von Bolt oder Uber. Jetzt spricht der Stadtrat ein Machtwort.
von  AZ/dpa
Auch die Tarifstruktur der Taxis sollte Thema im Kreisverwaltungsausschuss sein. (Symbolbild)
Auch die Tarifstruktur der Taxis sollte Thema im Kreisverwaltungsausschuss sein. (Symbolbild) © Felix Hörhager/dpa

In München sollen künftig Mindestpreise für Fahrten mit Anbietern wie Uber oder Bolt gelten. Das hat der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrates beschlossen. Die Preise für Fahrten im Münchner Stadtgebiet müssen sich demnach nun am "Grund- und Kilometerpreis des Taxitarifs" orientieren. Dieser Grundpreis liegt derzeit bei 5,90, der Kilometerpreis bei 2,70 Euro. 

5,13 Euro Grundpreis, 2,43 Euro pro Kilometer

Für Uber, Bolt und Co. sollen die "für Taxen obligatorischen Zuschläge nicht berechnet" werden. Nach Angaben der Grünen ergibt sich für diese dadurch ein Grundpreis von künftig 5,13 Euro. Bis einschließlich sieben Kilometern beträgt der Kilometerpreis 2,43 Euro, für Strecken darüber hinaus 2,25 Euro. 

Die Taxipreise sollen in Zukunft außerdem flexibler werden und beispielsweise mit zunehmender Fahrdistanz weniger stark steigen. Eine Fahrt vom Münchner Hauptbahnhof zum Münchner Flughafen kostet dann zehn Euro weniger als bislang. In Kraft treten sollen die Regelungen am 1. Juli. 

Grüne: Stadt schafft Bedingungen für fairen Wettbewerb

Die Grünen begrüßen die Entscheidung des Kreisverwaltungsausschusses des Stadtrats. Das sei ein wichtiger Schritt, um das Taxigewerbe vor Dumpingpreisen zu schützen. Gleichzeitig werde der Taxitarif flexibler – und einige Fahrten sogar günstiger.

"Es ist gut, dass wir nach einer langwierigen Debatte nun faire Bedingungen für die Taxibranche schaffen. Der Mindestpreis ist notwendig. Billig fahren darf nicht diejenigen teuer zu stehen kommen, die am Steuer sitzen", sagte Sibylle Stöhr, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt und Vorsitzende der Taxikommission.

Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr.
Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr. © Andreas Gregor

Das Beförderungsentgelt sei daher auch ein Mittel gegen Dumpinglöhne: "Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Taxibranche fit für die Zukunft zu machen: mit besseren Preiskorridoren und günstigeren Festpreisen. Beides muss Hand in Hand gehen."

IHK: "Mindestpreise sorgen für mehr Fairness"

Wenn Behörden feststellten, dass es flächendeckende Verstöße gegen arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Vorschriften gebe, dürfe man nicht zuschauen, sondern müsse handeln: "Das haben wir heute getan – sonst zahlen langfristig wir alle."

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern begrüßt die Entscheidung zur Preisregulierung bei Fahrten mit taxiähnlichen Fahrangeboten und fordert vom Stadtrat, in der Vollversammlung (29. April, d. Red.) grünes Licht für die neue Regelung zu geben. "Mindestpreise sorgen für mehr Fairness im Wettbewerb der Fahrdienste auf Münchens Straßen", wird IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl in einer Mitteilung zitiert.

Streit schwelte seit langem

Schon seit längerem schwelt in München der Streit über Geschäftspraktiken der Fahrdienste, deren Fahrer die Passagiere nach Angaben der Stadt im Schnitt rund 40 Prozent günstiger transportieren als herkömmliche Taxen. 

Allerdings verstoßen sie nach Erkenntnissen des Hauptzollamtes München "fast flächendeckend gegen arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften". Auch das Mindestlohngesetz werde regelmäßig missachtet.

Taxifahrer hatten deshalb demonstriert, einen fairen Wettbewerb und Mindestpreise verlangt. Versuche, sich mit den Betreibern von Plattformen wie Uber und Bolt zu einigen und sie dazu zu bewegen, einen Mindest- und Maximalpreis für das Münchner Stadtgebiet und den Flughafen festzulegen, der sich an den gültigen Taxitarifen orientiert, waren nach Angaben der Stadt gescheitert. Das Gleiche gilt für die Einführung von Mindesthonoraren.

Anbieter stressen Münchner Stadträte mit zahlreichen E-Mails 

Wie mehrere Stadträte mitteilten, waren sie von den Anbietern zuletzt regelrecht mit E-Mails bombardiert worden, in denen gefordert wurde, die Entscheidung zu vertagen und weiterzuverhandeln. Dazu kommt es nun nicht. 

Im Kreisverwaltungsausschuss ging es um Mindestpreise für Fahrdienstanbieter wie Uber oder Bolt. (Archivbild)
Im Kreisverwaltungsausschuss ging es um Mindestpreise für Fahrdienstanbieter wie Uber oder Bolt. (Archivbild) © Leonie Asendorpf/dpa

Der Anbieter Bolt hatte die jetzt beschlossene Regelung als faktische "Taxi-Steuer" kritisiert. Es handle sich um eine "eine politisch verordnete Preiserhöhung für alltägliche Mobilität, die vor allem Verbraucher trifft und eine einzelne Branche vor Wettbewerb schützen soll". 

Das sagen die Anbieter Bolt und Free Now zu der Entscheidung

Aus Sicht von Bolt waren die Gespräche mit der Stadt nicht gescheitert. Man habe darin mehrere konkrete Vorschläge eingebracht, die geeignet gewesen wären, die Interessen von Fahrgästen, Fahrern und der Stadt in Einklang zu bringen. "Aus unserer Sicht ist daher wichtig festzuhalten, dass die Gespräche aus unserer Perspektive nicht gescheitert sind, sondern noch Teil eines laufenden Prozesses waren."

Auch der Freenow-Chef äußerte sich. "Dass München im zweiten Anlauf bereit ist, Mindestpreise einzuführen, ist ein wichtiges Signal für einen fairen Wettbewerb im Gelegenheitsverkehr. Nachdem das Vorhaben im vergangenen Jahr noch kurzfristig gescheitert war, zeigt sich jetzt: Der Handlungsdruck ist enorm", sagte Alexander Mönch.

 Am Ende gehe es darum, dass ein auskömmliches und legales Geschäftsmodell auf Basis eines fairen Wettbewerbs möglich sei. Aber: "Ein funktionierender Mobilitätsmarkt darf nicht darauf basieren, dass Preise immer weiter gedrückt werden – oft auf Kosten derjenigen, die die Fahrten durchführen."

Die geplanten Mindestpreise in München seien ein wichtiger Schritt hin zu mehr Fairness: "Um Wettbewerbsverzerrungen und Missstände wie systematische Regelverstöße aber wirksam zu bekämpfen, braucht es klare gesetzliche Leitplanken auf Bundesebene."

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