Fahrradtrends 2026: Radtasche für den Getränkekasten und Radl-Blinker

Neugierig blicken die Besucher des Verkehrszentrums des Deutschen Museums hinüber zu einer Tribüne am Ende der Halle. Zwischen glänzenden Klassikern wie dem BMW 507, einem Porsche 911 mit Edelstahlkarosserie und einer mächtigen schwarzen Dampflokomotive hallt eine Stimme durch die Lautsprecher.
Es ist Gunnar Fehlau (52), der mit spürbarer Begeisterung vor etwa 50 Zuhörern die neuesten Trends rund ums Fahrrad präsentiert – während um ihn herum der normale Museumsbetrieb weiterläuft.
Mehr als 200 Jahre sind seit der Erfindung des ersten Fahrrads vergangen. Und doch erfindet es sich immer wieder neu: Es wird leichter, wendiger, schneller – und fährt längst nicht mehr nur mit Muskelkraft. Elektromotoren werden seit Jahren verbaut.
Hunderte Jahre Fahrradgeschichte – und die Innovationen halten an
Auch einige E-Bikes hat Gunnar Fehlau auf der Bühne stehen. Der Gründer und Geschäftsführer des "Pressedienst Fahrrad" durchkämmt mit seinem Team Jahr für Jahr den Radlmarkt – stets auf der Suche nach den neuesten und herausragenden Trends. Zur AZ sagt er nach seinem Vortrag, es sei ein gutes Jahr für Innovation. Das sei nicht immer so.

Eine der Neuheiten in diesem Jahr ist etwa der Radlblinker. Bislang war er an herkömmlichen Zweirädern nicht erlaubt. Nun ist er zugelassen – und die Industrie hat rasch reagiert.
Abbiegen per Handzeichen? Jetzt bekommen Radler einen Blinker
Die Firma "Busch & Müller" aus NRW, die sich auf Fahrradbeleuchtung spezialisiert hat, hat den Akku-Blinker namens "Turntec T2" entwickelt. Er lässt sich am Lenkerende verbauen und mit dem Handballen auslösen. Der Preis liegt bei 124,90 Euro.
Gunnar Fehlau sieht darin einen wichtigen Entwicklungsschritt: "Wir emanzipieren uns immer mehr." Radlfahrer seien bislang die Letzten gewesen, die ihre Abbiegemanöver noch per Handzeichen anzeigen mussten.

Dann zeigt der Radexperte auf ein violettes E-Bike. Für Laien wirkt es auf den ersten Blick wie jedes andere. Doch dieses Modell ist quasi der Wolpertinger der E-Bike-Industrie. Oder, wie Fehlau es formuliert: "Einmal Fahrradtechnik komplett durchgeschüttelt und zu einem neuen Drink kombiniert."
Das City-Bike "Sinus FS R5f Pro" von Winora soll Komfort mit Sportlichkeit verbinden. Etwa durch ein Vollfederungsprinzip und breite Reifen. Kostenpunkt: 6299 Euro. So viel wie ein Gebrauchtwagen.
Getränkekasten mit dem Lastenrad transportieren
Und meist sei bei den Modellen noch Luft nach oben – je nachdem, welche zusätzlichen Ausstattungsoptionen Käufer wählen. "Man kann sich mit wenigen Kreuzen dem Herzinfarkt nähern – das geht bei Sportgeräten recht schnell", meint Fehlau scherzhaft. Für den kleinen Geldbeutel ist unter den Neuheiten wahrlich wenig dabei, stellt die AZ fest.

Etwas günstiger, aber immer noch mehrere Tausend Euro teuer, ist eine andere Konstruktion: das Trike "Scorpion fx 26" von HP Velotechnik (4790 Euro). Es hat zwar keinen E-Motor, dafür aber drei Räder und einen autositzähnlichen Stuhl. Hinzu kommt eine Scheibe, die vor Nässe und Schmutz schützt.
Ebenso gut geschützt ist der Getränkekasten, der in die neue Fahrradtasche "Expandable Center Bag" passt. Die Tasche für stolze 249,95 Euro ist für das Cargobike "CS" gedacht, das schon seit mehreren Jahren auf dem Markt ist.
Model Jenny Ziolkowski führt der AZ die Tasche vor dem Museumsgebäude noch einmal vor. Mit Schwung schiebt die 30-Jährige den Kasten mit zehn Flaschen Johannisbeerschorle in die Öffnung und zieht den Reißverschluss zu.
Dann setzt sie sich auf das Lastenrad, tritt los und zieht ein paar Runden auf dem Vorplatz. Und zeigt dabei noch einmal, wie viel Zeit seit dem ersten laufradähnlichen Radl von 1817 vergangen ist.