Facebook und Co.: Das müssen Eltern wissen

Was müssen Eltern und Ältere wissen über Facebook und Co? Elke Reichart gibt dazu ein Buch heraus. Hier schildert sie Erlebnisse
| Jasmin Menrad
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18 Millionen Deutsche sind bei Facebook. 900 000 Konten führen allein die Münchner - darunter sind viele Kinder und Jugendliche. Soziale Netzwerke sind für sie längst eine Selbstverständlichkeit.
Armin Weigel 18 Millionen Deutsche sind bei Facebook. 900 000 Konten führen allein die Münchner - darunter sind viele Kinder und Jugendliche. Soziale Netzwerke sind für sie längst eine Selbstverständlichkeit.

Die „Digital Natives“ – digitale Eingeborene: So nennt man inzwischen jene, die nach 1980 zur Welt gekommen sind – und die ein Leben ohne Internet nicht kennen. 89 Prozent der 14- bis 29-Jährigen gehören einem sozialen Netzwerk an. Facebook, SchülerVZ, wie sie alle heißen.

Für die Eltern-Generation ist das mitunter schwer überschaubar. Das will – im Alter – erst einmal erlernt sein.

Die Münchner Autorin Elke Reichart etwa ist Jahrgang 1951. Sie sagt: „Ich habe mich bewusst von Facebook fern gehalten – aus Angst, ich würde dort zu viel Zeit verbringen.“

Das ist nun anders. Jetzt hat sie sogar ein Buch darüber herausgegeben. „gute-freunde-boese-freunde-leben im web“, heißt es. Darin erklären Experten, wie man sich im Netz(-werk) bewegt – so wie auf dieser AZ-Seite. Elke Reichart ist seit Mitte 2009 bei Facebook. Wie 18 Millionen Deutsche, davon rund 900000 Münchner. Über 200 „Freunde“ hat sie. Einer von denen ist ihr Sohn (24), der freilich schon vor ihr dabei gewesen ist. Mit dem spricht sie aber lieber bei einer Tasse Tee oder am Telefon als im Chat.

Ja, sie gibt zu, manchmal vergesse sie die Zeit über dem Geplauder und Geklicke im Netz. „Ich habe meine Ansprüche zurückgeschraubt und genieße jetzt das Kontakthalten an der Oberfläche. Ich drücke ,Gefällt mir’, wenn jemand an der Münchner Freiheit in der Sonne sitzt. Und ich gratuliere südafrikanischen Freunden über Facebook zum Geburtstag.“

In die Tiefe geht Reicharts eigener Facebook-Auftritt nicht. Nur einmal, da musste etwas raus. Und sie hat es bald bereut: Ein Freund aus Palästina – sie hatten vorwiegend über Facebook Kontakt gehalten – war plötzlich verstorben. Elke Reichart erfuhr (natürlich) über Facebook davon. Und schrieb an ihre Pinnwand, dass sie um den lieben Freund trauert. Ihr Facebook-Freundeskreis schwieg betreten. Keine Reaktion. Elke Reichart sagt: „Was hatte ich erwartet? Sollen meine Kontakte dann ,Gefällt mir’ klicken?“

Und doch: Ohne Netzwerk droht einem jungen Menschen heute ein Außenseiter-Dasein, sagt Reichart, die schon vor Schulklassen gelesen hat: „Wer nicht drin, ist out.“ In einer 7. Klasse war ein Bub der einzige, der nicht bei Facebook war. „Der war out. Nicht nur bei meiner Lesung.“

Deshalb rät Reichart, Kindern den Zugang zu sozialen Netzwerken nicht zu verwehren. Eltern müssen halt schauen, dass und wie sie hinterherkommen. Auf dieser Seite finden sich Anregungen und Tipps. 

Im Buch „gute-freunde-boese-freunde-leben im web“ (dtv, 224 Seiten, 9,95 Euro) lässt Elke Reichart Experten zu Wort kommen, etwa den Münchner „Digital Guide“ Lukas Adda

 

In der Mittwochsausgabe der Abendzeitung finden Sie Tipps von Experten zu den Themen Sicherheit im Netz, Internetsucht und Cybermobbing. Außerdem gibt es zahlreiche Links zur Datensicherheit bei Facebook und Co, Kindersuchmaschinen und kritische Nutzung von PC und Internet.

 

 


Fünf Netzregeln nach Johannes Boie, Redakteur bei der SZ

1. Hören Sie nicht auf zu denken

Der Computer nimmt uns eine Menge ab. Aber: Computer können nicht denken! Deshalb sollten Sie auch im Internet Ihren gesunden Menschenverstand einschalten: Warum sollte die Bank nach meiner Pin-Nummer fragen? Kenne ich den Absender einer E-Mail, oder handelt es sich womöglich um Spam? Ist der erste Treffer bei Google der beste?

2. Schauen Sie in den Spiegel

Unwissende bezeichnen es als „Ego-Googling“, den eigenen Namen in eine Suchmaschine einzugeben. Kontrollieren Sie, was über Sie im Netz steht und schreiten notfalls ein. Wer auf etwas Beleidigendes über sich stößt, soll Kontakt zum Betreiber der Webseite aufnehmen. Halten Sie sich nicht aus der digitalen Welt heraus: Auch wenn Sie keine Homepage haben und nicht bei einem sozialen Netzwerk sind, finden sich Spuren von Ihnen im Internet. Besser, sie bestimmen selbst, was man zu Ihrem Namen im Netz findet.

3. Entwickeln Sie sich mit

Verfolgen Sie technische Weiterentwicklungen und neue Funktionen im Handy und Computer und setzen Sie sich damit auseinander. Nicht alles, was möglich ist, ist auch sinnvoll. Deshalb sollten Sie hinterfragen und sich bewusst entscheiden: Möchte ich jederzeit meinen Aufenthaltsort mitteilen? Möchte ich über Twitter intime Details verbreiten?

4. Halten Sie sich an die Gesetze

Wer illegal Musik oder Filme herunterlädt, macht sich strafbar. Es ist die Verantwortung jedes einzelnen, im Netz nicht zum Plünderer zu werden.

5. Zerstreuung

Um Datensammeln von einzelnen Unternehmen zu verhindern, sollten Sie ihre Internetnutzung dezentralisieren. Wechseln Sie öfter mal den Browser, speichern Sie Ihre E-Mails bei einem Provider und kaufen Sie Ihren Internetzugang bei einem anderen. Und laden Sie vertrauliche Dokumente nicht ins Netz, auch nicht auf passwortgeschütze Seiten. Glauben Sie, dass eine „Gelöscht“-Anzeige bedeutet, dass Ihre Daten wirklich verschwunden sind?

In der Mittwochsausgabe der Abendzeitung finden Sie Tipps von Experten zu den Themen Sicherheit im Netz, Internetsucht und Cybermobbing. Außerdem gibt es zahlreiche Links zur Datensicherheit bei Facebook und Co, Kindersuchmaschinen und kritische Nutzung von PC und Internet.

 

 

 

 

 

 

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