"Was nicht niet- und nagelfest ist": Kuchentratsch-Omas machen alles zu Marmelade

Marmelade und Oma, das passt einfach zusammen. Logisch, dass sich der Callwey-Verlag für sein neues Marmeladen-Kochbuch mit dem Café Kuchentratsch zusammengetan hat. Dort backen rund 50 Omas täglich nicht nur Kuchen und Torten, sondern kochen auch Marmelade. Die kommt zum Teil in die Kuchen, steht aber auch im Café auf der Theresienhöhe zum Verkauf.
Eine Umfrage unter den Kuchentratsch-Bäckerinnen und -Bäckern hat schnell ergeben: An Marmeladen-Rezepten mangelt es nicht. Da ist zum Beispiel Sonja Solz. Ihre Eltern hatten einen Schrebergarten und schon ihr Vater hat Marmelade gekocht. Wer es ganz genau nimmt: Marmelade darf laut EU-Richtlinie nur aus Zitrusfrüchten bestehen. Der Begriff Konfitüre ist da schon flexibler: Sie enthält ganze oder zerkleinerte Früchte und mindestens 50 Prozent Zucker.

Wer sich also wundert, warum die Marmelade im Supermarkt oft Fruchtaufstrich heißt: Dann liegt ihr Zuckergehalt vermutlich unter dem gesetzlichen Standard oder sie ist mit anderen Mitteln wie Honig oder Agavendicksaft gesüßt. Gelee wird nur aus Fruchtsaft hergestellt, ohne Kerne oder Stücke.
"Was nicht niet- und nagelfest ist, wird von mir verarbeitet"
Den Schrebergarten hat Sonja Solz immer noch. Was sie dort erntet, kocht sie zu Konfitüren. Und wenn gerade nichts Saison hat, dann kauft sie Retter-Tüten mit Obst in Supermärkten, "und was nicht niet- und nagelfest ist, wird von mir verarbeitet". Am liebsten mixt sie verschiedene Obstsorten. Ihre Lieblingsmischung? Holunder-Multivitaminsaft-Gelee. Ihr Standard-Rezept: Zwei Teile Frucht, ein Teil Zucker und noch ein Löffel Zitronensäure. Da könne nicht viel schiefgehen, versichert die Kuchentratsch-Oma.

Ihre Kuchentratsch-Kollegin Conny Ebert hat zwar keinen Schrebergarten, aber auch sie ist begeisterte Konfitüren-Köchin. Im Sommer sammelt sie Früchte auf Feldern. "Ich mag am liebsten die sortenreinen Marmeladen", erzählt sie der AZ.
Marmeladen-Königinnen verraten auch Rezepte für Chutneys und mehr
Im Buch "Die Marmeladen-Königinnen" (22 Euro) findet sich von allem ein bisschen, auch Chutneys oder Kompositionen mit Whiskey, Portwein oder Schokolade. Fruchtaufstriche passen nämlich nicht nur auf die Semmel zum Frühstück, sondern harmonieren auch perfekt mit Käse. "Viele mischen sich mit Marmeladen auch ihren eigenen Fruchtjoghurt oder machen sie sich ins Müsli", erzählt Solz.

Die Verwendungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Rezepte. Von den Klassikern über Kirschkonfitüre mit Kaffee, Weintraubengelee mit Lavendel oder einem Salatdressing mit Erdbeer-Basilikum-Konfitüre: Wer Lust auf Experimentieren hat, bekommt hier viel Inspiration. Aber die Omas geben auch viele praktische Tipps. "Das A und O sind das Abwiegen und die Sauberkeit", erklärt Ebert.
Nettes Detail: Jedem Buch liegen ein paar Bögen mit hübschen Aufklebern bei, die man beschriften und auf seine selbst gekochten Marmeladengläser kleben kann.

Zeit, ein paar leere Gläser zu sammeln. Denn bald schon wartet der erste Rhabarber darauf, geerntet zu werden. Vielleicht wird das der Beginn einer neuen Leidenschaft. Denn wer einmal anfängt, kann nicht mehr aufhören, seine Marmelade selbst zu kochen – so ist es zumindest bei den Kuchentratsch-Omas.
Kuchentratsch: Die Marmeladen-Königinnen, Callwey, 22 Euro