"War mein Verkaufsschlager vom ersten Tag": München hat eine neue Feinkostadresse

"Bonjour", sagt Pierre Martin, sobald man seinen neuen Laden in der Klenzestraße betritt und schon ist man mittendrin im französischen Paradies am Gärtnerplatz. Der gebürtige Franzose kam zwar schon als Vierjähriger nach München, aber die Leidenschaft für Essen und Trinken liegt ihm in den Genen.
Seine Mutter kommt aus der Bretagne, sein Vater aus der Provence. Martin hat zwar BWL studiert und war zehn Jahre lang olympischer Schwimmtrainer, aber nun will er mit seiner anderen Leidenschaft hoch hinaus. "Die gute Küche war in meiner Familie immer ein großes Thema", erzählt er der AZ.
Viele französische Kleinst-Produzenten
Und da es in München zwar jede Menge italienischer Feinkostläden gibt, aber keinen einzigen rein französischen, hat er sich auf die Suche nach einem passenden Lokal für sein "Chez Pierre" gemacht. Der Gärtnerplatz ist zwar nicht das Franzosenviertel, aber er hat einen Vorteil: Jenseits großer Supermarktketten gibt es hier keine familiengeführten Lebensmittelgeschäfte mehr.

Ein Jahr lang hat Martin sich Zeit genommen, ist durch ganz Frankreich gereist und hat viele, zum Teil sehr kleine Produzenten aufgetan. Bis auf eine Ausnahme kommt er komplett ohne Großhändler aus. Zum Teil verkauft er Produkte von französischen Produzenten, die zum ersten Mal überhaupt exportieren.
"Alle Produkte hier haben Charakter"
Entstanden ist eine "Feinkost-Welt", wie Martin es nennt. Er möchte nicht nur die Kulinarik Frankreichs vermitteln, sondern auch das entsprechende Ambiente mit passender Musik. Wer eine kleine Auszeit sucht, der setzt sich mittags an einen der paar Tische, isst ein Stück Quiche oder lässt sich ein Baguette "à la minute" mit Wurst und/oder Käse aus der Theke belegen. Auch Croissants (3,10 Euro) und verschiedene Tartes stehen zur Auswahl. Ein Cappuccino dazu kostet 3,80 Euro.
Gerade veranstaltet er jeden Mittwochabend Käse-Tastings, "eine kulinarische Reise mit Weinbegleitung" für 30 Euro pro Person. Martin verkauft nicht nur die französischen Käse-Klassiker, sondern auch solche, die man nicht so oft findet. Morbier-Käse zum Beispiel mit einer Ascheschicht in der Mitte.
Der Käse wird aus der Morgen- und der Abendmilch der Kuh hergestellt. Die Ascheschicht trennt die beiden. Solche und viele weitere Geschichten erzählt Martin seinen Kunden gerne – und davon gibt's eine Menge. "Alle Produkte hier haben Charakter", sagt Martin.

Keiner verlässt den Laden ohne einen guten Geschmack im Mund
Hier finden Franzosen und Fans der französischen Küche auch Produkte, die in München nur schwer zu bekommen sind. "Mein Verkaufsschlager war vom ersten Tag an Enten-Confit", erzählt Martin stolz. Aber auch französische Marmeladen mit vielen Fruchtstücken sind bei der Kundschaft beliebt.
Ebenfalls im Sortiment: die Lebkuchen aus dem Burgund "Pain d`épices" in verschiedenen Sorten oder Gewürze und verschiedene Pfeffer von Max Doumin. Martins Kundschaft besteht etwa zu 20 Prozent aus Franzosen und zu 80 Prozent aus Deutschen. Letztere haben schon die Jahrgangs-Sardinen aus der Bretagne für sich entdeckt.

Seine Saucissons, die getrockneten Würste, bietet Chez Pierre in unterschiedlichen Trockunungs-Graden an. Auf Wunsch dürfen die Kunden diese und viele andere Produkte probieren. "Mein Ziel: Keiner soll den Laden verlassen ohne einen guten Geschmack im Mund", sagt Martin und lacht.
Natürlich hat Feinkost ihren Preis. Gerade französische Weine sind in den letzten Jahren sehr teuer geworden. Aber Martin hat sich auf die Suche begeben und bietet eine große Auswahl an Tropfen zwischen zehn und 20 Euro pro Flasche an. "Besonders stolz bin ich auf meinen Champagner. Der schmeckt wunderbar und kostet weniger als 30 Euro".
Wer einmal anfängt, durch Martins Sortiment zu stöbern, kann nicht mehr aufhören. Aber das muss man zum Glück ja nicht. Die Geschichte des ersten französischen Feinkostladens der Stadt hat gerade erst angefangen.
Chez Pierre
Klenzestr. 41
Mo-Sa: 10 bis 19 Uhr