Unter der Erde, zwischen riesigen Fässern: Neues italienisches Restaurant in Giesing

Im alltäglichen Treiben der Deisenhofener Straße bleibt es leicht unbemerkt – und genau darin liegt sein Reiz. Hinter der Hausnummer 80 verbirgt sich ein Ort mit Geschichte – das wohl letzte noch erhaltene Weinkeller-Restaurant der Stadt. Das Gewölbe unter dem Haus blickt auf mehr als ein Jahrhundert Vergangenheit zurück und hat nun ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Mit dem Sironi & Mezzani zieht frischer kulinarischer Geist nach Obergiesing ein – getragen von klassisch-italienischer Küche und einer tiefen Verbundenheit zum Wein.
Wein fließt hier seit fast 100 Jahren. 1924 ist der Keller der erste Standort des Münchner Weinimporteurs Saffer. Hier befand sich die erste Abfüllanlage des Traditionsunternehmens, hier lagerten kostbare Tropfen in großen Holzfässern.
Historischer Weinkeller mitten in Giesing
Über Jahrzehnte hinweg war das Gewölbe auch gastronomisch belebt: Restaurants servierten ihre Gerichte zwischen Fassdauben und Kerzenschein. In den vergangenen Jahren jedoch verlor der Ort an Strahlkraft, zuletzt scheiterte ein türkisch-mediterranes Konzept.
Zeit also für einen Neuanfang – und zugleich für eine Rückbesinnung zu den Wurzeln. Eine Gelegenheit, die zwei junge Italiener ergriffen: „Ein eigenes Restaurant war schon immer ein Traum von uns“, sagt Jon Mezzani, während er sorgfältig rote Bänder um die Servietten bindet. Details seien ihm wichtig, erklärt er, sie würden vom Gast wahrgenommen und geschätzt.

Schnell wird klar: Der 26-Jährige weiß, was er tut. „Ich bin Gastgeber mit Herz“, sagt Mezzani. Mit 18 Jahren kam er von Verona nach München, arbeitete sich vom Spüler bis zum Betriebsleiter hoch.
Italienisches Restaurant eröffnet neu
Seinen heutigen Geschäftspartner Federico Sironi lernte Mezzani während ihrer gemeinsamen Zeit in der Talstation in der Hochbrückenstraße kennen. Sironi, der Küchenchef des Hauses, stammt aus einem kleinen Ort am Comer See. Seine Laufbahn führte ihn durch renommierte Küchen in Utrecht, Taormina und München, unter anderem ins Acquarello.
Welche Besonderheit sie in Giesing übernehmen würden, sei ihnen anfangs nicht bewusst gewesen, erzählt Mezzani. Erst bei der Besichtigung habe man sich sofort in den Weinkeller verliebt. Er deutet auf die riesigen, schwarz-rot bemalten Holzfässer, in denen einst Wein lagerte – und noch heute reift: Saffer nutzt einzelne Fässer weiterhin für Spezialabfüllungen – derzeit mit 20.000 Litern Gardasee-Wein, sagt Mezzani.
Das eigentliche Restaurant befindet sich oberhalb des Kellers, doch durch eine Glasscheibe eröffnet sich der Blick hinab ins beeindruckende historische Gewölbe. Künftig soll der Keller für besondere Anlässe genutzt werden. Einmal im Monat planen die Gastgeber Events wie Weintastings oder Livemusik-Abende.
Weinkeller wird für Events genutzt
In der Küche setzt Federico Sironi auf eine klassische italienische Handschrift. „Ich liebe es, Nudeln vorzubereiten“, sagt der 35-Jährige. Die Pasta entsteht täglich frisch, je nachdem, was ihm gerade in den Sinn kommt. Oder, wie er es selbst formuliert: „Ich mache einfach, was mein Kopf mir sagt“. Er genieße die neu gewonnene Freiheit, die er mit einem eigenen Lokal nun hat.

Neben einer festen Speisekarte mit Klassikern wie Vitello Tonnato (18 Euro), Artischockenrisotto (24 Euro) oder Doradenfilet (33 Euro) ergänzt eine regelmäßig wechselnde Tageskarte das Angebot. Beim Besuch der AZ stand etwa das „Surf & Turf“ (26 Euro) auf dem Menü, das Sironi eines seiner Lieblingsgerichte nennt.
Die Lage, räumt Mezzani ein, sei nicht die einfachste. „Aber der einfachste Weg ist nicht immer der beste.“ Letztlich zähle, einen guten Job zu machen. So hoffen die beiden, selbst ein großer Teil der langen Geschichte dieses besonderen Ortes zu werden.