Gentrifizierung im Gärtnerplatzviertel: Wirt schließt sein Lokal nach 18 Jahren

Das Café Paulo e Pini in der Klenzestraße schließt Ende des Monats endgültig. Wirt Paulo Batista blickt mit Wehmut auf sein Viertel.
von  Niclas Vaccalluzzo
Paulo Batista muss sein Café Pini bald für immer zusperren.
Paulo Batista muss sein Café Pini bald für immer zusperren.

Die Menschen im Viertel und die treuen Stammgäste wussten es längst, doch der Abschied zog sich über Jahre hin. Nun steht endgültig fest: Das Café Paulo e Pini – früher Café Pini – schließt noch in dieser Woche nach 18 Jahren seine Türen.

Wirt Paulo Batista ist enttäuscht. Seine frühere Vermieterin habe das Haus in der Klenzestraße 45 irgendwann Anfang der 2020er einfach an den Höchstbietenden verkauft, erzählt er der AZ.

Dabei habe es durchaus Interessenten gegeben, die sowohl das Café als auch die Pension im ersten Obergeschoss erhalten wollten. "Das hat mich eigentlich am meisten gestört", sagt Batista.

Café Pini schließt: Vertrag läuft Ende des Monats aus

2023 lief dann der Mietvertrag aus. Der neue Eigentümer verlängerte ihn seitdem nur noch quartalsweise. Und nun gar nicht mehr. Das Haus soll umgebaut werden. Am kommenden Samstag wird Batista zum letzten Mal Kaffee ausschenken und seine Gäste empfangen.

"Viele sind traurig", sagt Batista. Vor allem die Menschen im Viertel tun ihm leid. "Danach sieht es hier aus wie im Lehel", sagt der langjährige Wirt – eine Anspielung auf das aus seiner Sicht schwindende Angebot an klassischen Nachbarschaftslokalen.

"Die Partymeile vom Gärtnerplatz reicht inzwischen bis zur Fraunhoferstraße", sagt Paulo Batista. Er muss sein Café Pini bald für immer zusperren.
"Die Partymeile vom Gärtnerplatz reicht inzwischen bis zur Fraunhoferstraße", sagt Paulo Batista. Er muss sein Café Pini bald für immer zusperren. © Daniel von Loeper

Sorge um das Gärtnerplatzviertel: "Partymeile"

Auch die Entwicklung des Gärtnerplatzviertels beobachtet Batista seit Jahren. Neue Lokale wie die Kneipe 80 oder der Giesinger Stehausschank hätten sein eigenes Café zwar nicht direkt beeinflusst, das Publikum im Viertel aber deutlich verändert. "Die Partymeile vom Gärtnerplatz reicht inzwischen bis zur Fraunhoferstraße", sagt er.

Hoffnung auf eine Zukunft des Café Pini an einem anderen Ort hat der Wirt kaum. Er sucht schon seit drei Jahren – bisher ohne Erfolg.

Weitere Viertel-Institution geht verloren

Am meisten wird ihm der Kontakt zu seinen Stammgästen fehlen. "Es wird fehlen, die Leute wachsen zu sehen", sagt er. Manche seiner Gäste seien einst schwanger ins Café gekommen. Heute kämen deren Kinder selbst vorbei.

Sollte Batista doch noch einmal einen geeigneten Standort finden – in Schwabing oder einem anderen Viertel – würde er vermutlich neu anfangen. Dann allerdings mit einem anderen Namen. Die Viertel-Institution Café Pini ist damit Geschichte.

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