Ein Restaurant, das man fast nicht findet: Dieser Geheimtipp versteckt sich mitten in München

Das ist mal ein wirklicher Geheimtipp: so versteckt, dass die AZ ihn beinahe selbst nicht gefunden hätte. In der Luisenstraße am Königsplatz gibt es hoch über den Dächern der Stadt ein Mittagessen, das nur wenige kennen. Das Openhouse im fünften Stock in der Luisenstraße 14 kann man für Tagungen und Events mieten. Seit einiger Zeit hat es unter der Woche tagsüber geöffnet. Nicht nur für die Menschen, die in dem Haus arbeiten, sondern für alle. "Klingeln Sie einfach und fahren Sie mit dem Aufzug hoch", sagt uns Mitarbeiterin Nina Brauroth.
Das ist gar nicht so einfach. Statt altmodischer Klingelschilder sehen wir nur ein Display mit ein paar Firmennamen. Openhouse steht nicht dabei. "Sie müssen nach unten scrollen", klärt uns ein Büromensch auf, der gerade ins Haus geht. Wir sind kurz peinlich berührt, scrollen dann nach unten und klingeln. Im fünften Stock angekommen, begeistert uns direkt der Ausblick. Auf der einen Seite schauen wir Büromenschen durchs Fenster bei der Arbeit zu, auf der anderen sehen wir über die Mauern in den herbstlichen Garten der katholischen Hochschulgemeinde und dahinter die Bauten des Königsplatzes.

Zweites Highlight neben dem Essen: das Ambiente
Das Restaurant wirkt elegant, im Hintergrund läuft dezent Musik. Viele Gäste seien unsicher, ob sie wirklich kommen dürfen, erzählt uns Bene Fleischmann, Betriebsleiter des Openhouse. Er empfängt die Gäste aber so freundlich, dass sie sich direkt wohlfühlen. Im Sommer sei die Dachterrasse sehr begehrt gewesen, erzählt uns seine Kollegin Nina Brauroth. Dafür ist es jetzt zu kalt. Aber der herbstliche Ausblick von drinnen ist ebenfalls eine Schau. Betreiber ist Matthias Schlick, der unter anderem auch die Räume des ehemaligen Sendlinger-Tor-Filmtheaters bespielt.
Wer am Vormittag oder Nachmittag kommt, setzt sich auf eines der Sofas und genießt einen Cappuccino (3,50 Euro). Mittags nehmen die Gäste an einem der Tische Platz. Zwischen 12 und 14 Uhr steht Marlon Möltgen in der Küche und kocht wenige, aber ausgesuchte Gerichte für jeden Geschmack. Er hat in München schon in renommierten Restaurants gekocht.
Die Openhouse-Tageskarte wechselt jede Woche und bietet ein Gericht mit Fleisch, Fisch, eine Suppe, einen Salat, ein vegetarisches Gericht und ein Dessert. „Immer möglichst saisonal“, betont Brauroth. Nachhaltigkeit sei wichtig. Es könne gut sein, dass am Freitag auch mal ein Gericht aus ist. Aber das nehme man lieber in Kauf, als am Ende Lebensmittel wegzuwerfen.

Der Koch bereitet täglich alles frisch zu
Die AZ kann sich lange nicht entscheiden, wählt dann aber nicht die Tagliatelle al Ragù Bolognese (16,50 Euro), sondern die Buchweizen-Bowl (14,50 Euro) mit geröstetem Kohlrabi und Pilzen – und hat es nicht bereut. Möltgen richtet sie kunstvoll auf einem großen Teller mit Meerrettichrahm, eingelegten roten Zwiebeln und Haselnüssen an. Das schmeckt ausgewogen und rund, ohne zu beschweren.

Die Dorade mit Garnelen, Kartoffel-Meerrettich-Püree und gebratenem Rosenkohl (21,50 Euro) ist fast zu fein für so einen schnöden Wochentag.
Während des Essens schauen die Gäste dem Koch durch eine kleine Durchreiche dabei zu, wie er wirklich alles frisch zubereitet. Seine Art, jeden einzelnen Teller liebevoll anzurichten, steigert das Vergnügen zusätzlich.
Luisenstraße 14, 5. Stock
Mo-Fr: 10 bis 16 Uhr, Mittagstisch 12 bis 14 Uhr
Nur Kartenzahlung