Die Gewürze bringt sie regelmäßig aus Marokko mit: Münchner Restaurant-Neueröffnung überrascht

Wo früher bayerische Küche serviert wurde, ist ein marokkanisches Restaurant eingezogen. Das El Nador will mit authentischen Gerichten und orientalischem Flair überzeugen.
von  Niclas Vaccalluzzo
Christian Gebauer und Naima El Helali haben in Sendling das marokkanische Restaurant El Nador eröffnet.
Christian Gebauer und Naima El Helali haben in Sendling das marokkanische Restaurant El Nador eröffnet. © Daniel von Loeper

Es gibt Gastro-Neueröffnungen, deren Konzept und Interieur bewusst unspektakulär gehalten sind und die sich gezielt an die breite Masse richten. Das El Nador an der Ecke Brudermühl-/Schäftlarnstraße gehört nicht dazu. Viel Liebe zum Detail, ein hoher Anspruch an Authentizität und herzliche Gastfreundschaft sorgen dafür, dass der Trubel an der viel befahrenen Kreuzung schnell vergessen ist, sobald man das neue Restaurant gegenüber dem Gasteig-HP8 betritt.

An der Wand hängt ein Bild des aktuellen marokkanischen Königs Mohammed VI., drumherum Holzornamente und an den Decken orientalische Laternen. "In Marokko hängt der in jedem Restaurant an der Wand, deshalb auch hier", sagt Christian Gebauer, Wirt des Lokals, der AZ. Sein Ziel: ein möglichst authentisches marokkanisches Erlebnis nach München zu bringen.

Dabei ist die marokkanische Küche für den erfahrenen Gastronomen eigentlich Neuland. Zehn Jahre lang führte Gebauer das mexikanische Restaurant La Cucaracha am Münchner Hauptbahnhof, zuletzt das Leonhard Diner in Karlsfeld. Hier kommt Naima El Helali ins Spiel: Die gebürtige Marokkanerin ist die Seele des El Nador – und zugleich der Grund für das gastronomische Wagnis in Sendling.

Kennengelernt haben sich Gebauer und El Helali im Diner in Karlsfeld, das sie gemeinsam betrieben. "Das war ein Lokal, das irgendwann viel zu groß wurde", sagt Gebauer mit Blick auf Probleme wie den Personalmangel. Also wollten sich die beiden verkleinern und machten sich auf die Suche nach einem neuen Konzept.

Marokkanische Küche in Sendling: importierte Gewürze und Familienrezepte

Überzeugt von der marokkanischen Küche wurde Gebauer, als er zum ersten Mal das Lamm von El Helali probierte. Lammfleisch mochte der Gastronom eigentlich nie sonderlich, sagt er. "Ich habe dann gesagt: Wenn du mein Lamm probierst, wirst du es lieben", erinnert sich El Helali. Und so kam es auch. Die Idee für das gemeinsame Restaurant war damit geboren.

Die Innenräume des Lokals wurden aufwendig saniert und bis ins kleinste Detail geplant.
Die Innenräume des Lokals wurden aufwendig saniert und bis ins kleinste Detail geplant. © Daniel von Loeper

El Helali ist in Marokko, in der Provinz Nador, geboren. Von klein auf habe sie von ihrer Großmutter und Mutter den Umgang mit den vielfältigen Aromen gelernt, erzählt sie. In der Küche sei es mitunter auch mal streng zugegangen, aber das habe sich gelohnt. Die Gewürze bringt sie regelmäßig aus Marokko mit. "Die gibt es hier nicht, deshalb schmeckt das auch einzigartig", ergänzt Gebauer.

Der Detailreichtum und das von A bis Z durchdachte Konzept brauchten allerdings Zeit. Im November vergangenen Jahres übernahmen die beiden das Lokal, in dem zuvor das "Ludwigs Wirtshaus" bayerische Küche serviert hatte, und sanierten es komplett. Geduld war gefragt: Erst im April dieses Jahres konnte das El Nador schließlich eröffnen.

Mit der Hand essen? "Wir überlassen das den Gästen"

Herzstück der Karte sind die Tajines (ab 21,90 Euro). Die traditionellen marokkanischen Schmorgerichte werden in dem gleichnamigen, zweigeteilten Tongefäß zubereitet. Fleisch oder Gemüse schmoren darin langsam vor sich hin, während der Dampf im kegelförmigen Deckel aufsteigt, kondensiert und wieder in das Gericht zurückläuft. So bleiben die Aromen im Topf. Serviert wird die Tajine direkt im Tongefäß.

Dazu gibt es etwa marokkanischen Minztee oder sogar aus Marokko importierten Wein. Ob die Gäste zu Messer und Gabel greifen oder traditionell mit den Händen essen, bleibt ihnen überlassen, sagt El Helali.

Serviert werden im El Nador auch traditionelle Tajine, die im gleichnamigen Tontopf gekocht und zusammen mit marokkanische Bratkartoffeln serviert werden.
Serviert werden im El Nador auch traditionelle Tajine, die im gleichnamigen Tontopf gekocht und zusammen mit marokkanische Bratkartoffeln serviert werden. © Daniel von Loeper

Im Sommer merken die Betreiber, dass rund um das HP8 weniger Betrieb herrscht. Wenn das HP8 nach der Sommerpause wieder voll bespielt wird, dürfte das Restaurant allerdings einen neuen Anlaufpunkt für Besucher bieten, die den Theaterabend noch ausklingen lassen wollen.

Ein Erlebnis nach dem Theaterabend

Gekocht wird frisch, und ein schnelles Essen ist nicht unbedingt das Ziel des Konzepts. Die Wirte wünschen sich, dass ihre Gäste den Abend nicht einfach zwischen zwei Terminen einschieben, sondern sich Zeit für das Essen und die Atmosphäre nehmen. Wer es eilig hat, kann sich die Speisen freilich auch nach Hause liefern lassen, sagt Gebauer. Dann bleibt allerdings etwas auf der Strecke: die Reise nach Marokko, die hier nicht nur auf dem Teller stattfindet.

El Nador, Schäftlarnstraße 62, Mi. bis So. ab 17.30 Uhr, Tel.: 089 90 93 95 95

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