"Es fehlt an Wertschätzung": Tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst demonstrieren in München

Am Dienstag tummeln sich erneut Tausende Demonstranten in gelben Warnwesten vor der Feldherrnhalle. Zuletzt war das am Samstag bei der Mieten-Demo der Fall. Diesmal geht es den Münchnerinnen und Münchnern aber um etwas anderes.
Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor zum erneuten Streik aufgerufen. Kurz vor der dritten Verhandlungsrunde in der Tarif- und Besoldungsrunde im öffentlichen Dienst wollen die Angestellten noch einmal ein Zeichen setzen und legen bayernweit ihre Arbeit nieder – darunter Mitarbeiter von Museen, Opern, Universitäten, Hochschulen, Unikliniken und Ämtern.
Die AZ hat sich bei der Demo am Odeonsplatz umgehört, was die Münchner bewegt und welche Forderungen sie stellen.
Tausende demonstrieren am Odeonsplatz für höhere Löhne und Sicherheit in der Zukunft
Eine von ihnen ist Sophie Renard. Die 27-Jährige ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der LMU und wünscht sich mehr Sicherheit in ihrem Beruf. "Ich bin hier, weil es an der Uni gerade so viele befristete Verträge gibt – viele sind deshalb wahnsinnig unglücklich. Das bedeutet nicht nur Ungewissheit und Stress für die Psyche, sondern es fehlt damit auch an Wertschätzung für unsere Arbeit. Es braucht dringend unbefristete Verträge für uns."

Verdi fordert Verbesserungen für Beschäftigte in vier Punkten
Das sieht auch Verdi so. Schon im Vorfeld teilte sie ihre Forderungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit: Erstens fordert die Gewerkschaft sieben Prozent mehr Gehalt im Monat. Zweitens sollen Nachwuchskräfte profitieren – zum einen durch eine monatliche Erhöhung der Vergütung um 200 Euro, zum anderen durch eine unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Drittens sollen Werkstudierende einen tariflich garantierten Mindeststundenlohn erhalten. Viertens fordert Verdi eine Erhöhung aller Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.
Um diese Forderungen Wirklichkeit werden zu lassen, kommen am Dienstag rund 5100 Teilnehmer zur Demonstration am Odeonsplatz. Diese Zahl teilt die Polizei der AZ mit.

Unter ihnen sind auch zwei Mitarbeiterinnen der Bayerischen Staatsoper: Requisitenmeisterin Paula Smejcbiord (47) und Plastikerin Julia Henningfeld (29). Paula Smejcbiord sagt: "Es bestärkt, hier zusammen zu stehen – besonders in Zeiten, in denen die Politik Errungenschaften kaputtmachen möchte." Auch ihre Kollegin spürt eine Einheit: "Es fühlt sich sehr gut an, dass so viele bei der Kundgebung sind – wir setzen damit ein Zeichen."