Erzdiözese will Gebäude verkaufen: Zwei Münchner Kirchen auf dem Prüfstand

Sinkende Kirchensteuern, steigende Kosten: Die Erzdiözese München und Freising muss sparen und will sich von sakralen Gebäuden trennen. In München wird der Verkauf der baufälligen Kirche St. Mauritius in Moosach geprüft.
von  Nina Job
St. Mauritius (gebaut 1966/67) in Moosach ist ein Baudenkmal.
St. Mauritius (gebaut 1966/67) in Moosach ist ein Baudenkmal. © Pfarrverband Moosach-Olypmpiadorf

Die Kirchensteuern sprudeln nicht mehr so, die Instandhaltung der Kirchen und sakralen Gebäude ist teuer, die Personalkosten steigen – und überhaupt: Alles wird teurer. Das hat sich im vergangenen Jahr auch spürbar auf die Finanzen der Erzdiözese München-Freising ausgewirkt.
Die Erträge sind 2025 mit rund 920 Millionen Euro zwar so gut wie gleich geblieben, doch inflationsbedingt sind die Ausgaben gestiegen: auf 897 Millionen Euro. Unterm Strich stand 2025 nur noch ein Plus von 74 Millionen Euro, im Jahr davor waren es noch 146 Millionen Euro.

Generalvikar Christoph Klingan.
Generalvikar Christoph Klingan. © Erzdözese München und Freising

Da die Erzdiözese damit rechnet, dass die Einnahmen durch Kirchensteuern weiter sinken werden, sieht der Haushalt für 2026 nun sogar ein Jahresergebnis von minus zwölf Millionen Euro vor. Das geht aus dem Jahresabschluss 2025 und dem Haushalt 2026 hervor, den der Erzbischöfliche Finanzdirektor Markus Reif am Donnerstag vorgestellt hat.

Das Minus kann durch Rücklagen ausgeglichen werden, aber die Devise für die Zukunft heißt ganz klar: Sparen!
Hilfe für Menschen in Not, Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren, Obdachlosenhilfe, Prävention und Beratungsstellen – die Kirche betreibt und unterstützt unzählige soziale Projekte. Das soll auch so bleiben.

Die Zukunft von St. Mauritius in Moosach ist ungewiss.
Die Zukunft von St. Mauritius in Moosach ist ungewiss. © Pfarrverband Moosach-Olypmpiadorf

Generalvikar Christoph Klingan betont, dass die Erzdiözese trotz rückläufiger Ressourcen "selbstverständlich den Anspruch hat, in der Gesellschaft mit unserem kirchlichen Handeln präsent und wirksam zu bleiben, vor allem dort, wo Menschen Gott suchen oder Hilfe brauchen". Doch er sagt auch: "Wir können nicht alles weiterführen wie bisher, Konzentration und Schwerpunktsetzung sind ein Gebot der Stunde."

Das bedeutet auch, dass sich die Erzdiözese von Gebäuden trennen wird. Vorrangig sollen Pfarrheime und Pfarrhäuser verkauft werden.
Ein Kahlschlag wie in Nordrhein-Westfalen ist in der Erzdiözese München und Freising nicht zu befürchten: Im Westen Deutschlands wurden seit der Jahrtausendwende bereits weit über 450 Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser aufgegeben oder geschlossen.
Doch auch in Bayern sind Kirchen für die katholische Kirche nicht mehr unantastbar, wie Christoph Klingan der AZ bestätigte. Allein in München sind demnach laut Generalvikar Klingan "ein bis zwei Kirchen" auf dem Prüfstand. Eine von ihnen sei baufällig und im Münchner Norden.

Ist schon keine Kirche mehr: St. Benedikt in Schäftlarn wurde Ende 2025 profaniert (entweiht).
Ist schon keine Kirche mehr: St. Benedikt in Schäftlarn wurde Ende 2025 profaniert (entweiht). © Uwe Lein/dpa

Welche Gemeinden konkret betroffen sind, dazu wollte er sich zunächst nicht äußern. Er wolle den Gremien vor Ort nicht vorgreifen, sagte er, eine Entscheidung sei im kommenden Jahr geplant. Später bestätigte ein Ordinariatssprecher der AZ aber, dass es sich bei der Kirche im Münchner Norden um St. Mauritius in der Hugo-Troendle-Straße in Moosach handelt.

Die 1966/67 gebaute Kirche im Brutalismus-Stil (von frz.: béton brut – roher oder unbearbeiteter Beton) ist baufällig. "Die Glocken im Turm dürfen wegen der fragilen Statik nicht mehr geläutet werden. Daher musste der Strom in der Pfarrkirche wegen der eintretenden Nässe abgeschaltet werden", heißt es auf der Homepage des Pfarrverbandes Moosach-Olympiadorf über St. Mauritius.
Die Gemeindemitglieder werden auch weniger. Waren es vor 15 Jahren noch 3700, seien es nun nur noch knapp 2900, schrieb die „SZ“ vor einem Jahr. Den zuständigen Pfarrer Tobias Hartmann konnte die AZ am Donnerstag nicht erreichen.

St. Benedikt in Schäftlarn war die erste Kirche, die das Erzbistum München und Freising aufgegeben hat.
St. Benedikt in Schäftlarn war die erste Kirche, die das Erzbistum München und Freising aufgegeben hat. © Uwe Lein/dpa

Eine andere katholische Kirche außerhalb Münchens im Gebiet der Erzdiözese ist bereits 2023 aufgegeben worden: St. Benedikt in Schäftlarn (Ortsteil Ebenhausen) galt als zu groß, die notwendige Dachsanierung als zu teuer. Obwohl das baufällige Gotteshaus unter Denkmalschutz steht, soll sie nun sogar abgerissen werden.

Die Erzdiözese will nun, dass alle 18 Dekanate im Rahmen des Projekts „Immobilien und Pastoral“ überprüfen, welche Gebäude sie zwingend benötigen, welche gemeinsam genutzt und welche verkauft werden können. Jedes Jahr sollen sich je drei Dekanate mit diesen Fragen befassen, bis 2031 soll die Streichliste der Erzdiözese dann komplett sein.


Derzeit sind 3600 pastoral genutzte Gebäude wie Kirchen oder Pfarrhäuser im Besitz der Kirchenstiftungen, sie bekommen dafür jedes Jahr Zuschüsse von der Erzdiözese von rund 50 Millionen Euro. Die Erzdiözese besitzt bebaute und unbebaute Grundstücke, die insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro wert sind.

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