Nach verheerender Umfrage: Neues Sicherheitskonzept für Hauptbahnhof

Vier Institutionen, ein Ziel: Mit der neuen Quattro-Streife wollen Polizei, Bundespolizei, Bahn-Sicherheit und U-Bahn-Wache am Münchner Hauptbahnhof Präsenz zeigen, schneller eingreifen und vor allem das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste stärken – besonders in den Abendstunden. Eine Umfrage aus 2025 zeigte, dass sich vor allem Frauen oft unwohl fühlen und negative Erlebnisse haben.
Hüseyin Ince
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So sah die Quattro-Streife bei der Vorstellung am Dienstagvormittag aus, von links: ein Beamter der Münchner Polizei, eine Mitarbeiterin der Bahn-Sicherheit, eine Bundespolizistin sowie ein Mitarbeiter der U-Bahn-Wache.
So sah die Quattro-Streife bei der Vorstellung am Dienstagvormittag aus, von links: ein Beamter der Münchner Polizei, eine Mitarbeiterin der Bahn-Sicherheit, eine Bundespolizistin sowie ein Mitarbeiter der U-Bahn-Wache. © Daniel von Loeper

Es gibt immer die subjektive und eine objektive Sicherheit, betont der Münchner Polizei-Vizepräsident Christian Huber bei der Pressevorstellung der sogenannten Quattro-Streife am Dienstagvormittag zwischen Gleis 10 und 11 des Hauptbahnhofs. Und: "Die subjektive Sicherheit ist uns sehr wichtig", sagte Huber. Erstmals werden in Bayern daher vier verschiedene Institutionen Streife laufen, um Reisenden und Besuchern ein besseres Gefühl zu geben und um es nachhaltig zu stärken, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Polizei und der Bahnsicherheit.

Das Sicherheitsgefühl ist sehr wichtig, betonen Bahn, U-Bahn, Polizei und Bundespolizei

Die Quattro-Streife, die ab Freitagabend ihren Dienst antritt, soll für beides da sein, für die gefühlte und die tatsächliche Sicherheit, sichtbar und ansprechbar. Huber hebt auch hervor: "München und der Hauptbahnhof sind im bundesweiten Vergleich seit Jahren ohnehin am sichersten". 

Eine in München gerne selbstbewusst vertretene These – die jedoch nicht durch alle Statistiken gedeckt wird. So gab es am Münchner Hauptbahnhof laut offiziellen Statistiken der Bundespolizei im Jahr 2025 zum Beispiel mehr Gewaltdelikte als am Frankfurter Hauptbahnhof – obwohl in Frankfurt mehr Reisende ein- und aussteigen.

In München steht man trotzdem zu der These. Der leitende Polizeidirektor der Bundespolizei München, Steffen Quaas, sagte am Dienstag: "Nicht nur sicher sein, auch sicher fühlen, das ist wirklich wichtig", weswegen nun die Quattro-Streife komme.

Den Kooperationsvertrag in der Hand: der Münchner Polizeivizepräsident Christian Huber, der Geschäftsführer der Münchner U-Bahnbewachungsgesellschaft Rainer Cohrs, der Leiter der Regionalbereichs Süd bei der DB Sicherheit Torsten Malt sowie Steffen Quaas, der leitende Polizeidirektor der Bundespolizei.
Den Kooperationsvertrag in der Hand: der Münchner Polizeivizepräsident Christian Huber, der Geschäftsführer der Münchner U-Bahnbewachungsgesellschaft Rainer Cohrs, der Leiter der Regionalbereichs Süd bei der DB Sicherheit Torsten Malt sowie Steffen Quaas, der leitende Polizeidirektor der Bundespolizei. © Daniel von Loeper

Sicherheitsleute der Bahn, Bundespolizei, U-Bahn-Wache und Polizei: Vier Institutionen tun sich ab sofort zusammen, um im und rund um den Hauptbahnhof München ansprechbarer und präsenter zu sein. Die Gegend war in letzter Zeit schließlich immer wieder ins Gerede gekommen, nicht nur wegen der Lage im Alten Botanischen Garten, wo die Polizei massiv Sicherheitskameras aufgestellt hat.

Vereinzelt Gewalt rund um den Hauptbahnhof

Auch nahe der Schillerstraße kam es vereinzelt zu Gewalttaten. Zuletzt traf es einen 43-Jährigen an der Ecke Bayer- und Schillerstraße. Er war Anfang Mai mit einer Stichwaffe verletzt worden und musste in der Klinik behandelt werden. Der mutmaßliche Täter stellte sich später der Polizei.

Wohl nicht nur deshalb werden ab kommendem Freitag die Mitarbeiter und Beamten der vier verschiedenen Institutionen gemeinsam durch den Hauptbahnhof Streife laufen. Vorerst an zwei Tagen die Woche. Immer freitags und samstags, jeweils abends. Genaue Uhrzeiten wurden dabei nicht genannt. Nur so viel: Schneller und effektiver wolle man bei Bedarf einschreiten.

Verheerende Ergebnisse nach einer Umfrage unter Frauen 2025

So in etwa wird das künftig aussehen, wenn die Vierfach-Streife am Hauptbahnhof freitags und samstags unterwegs ist.
So in etwa wird das künftig aussehen, wenn die Vierfach-Streife am Hauptbahnhof freitags und samstags unterwegs ist. © Daniel von Loeper

Mit der gefühlten Sicherheit ist es schließlich so eine Sache in München. Bei einer Umfrage des Kreisjugendrings 2025 hatten ein Viertel der befragten Frauen angegeben, sich vor allem nachts in Bus und Bahn nicht sicher zu fühlen und auch regelmäßig sexuell belästigt worden zu sein. Möglicherweise ist die Quattro-Streife auch eine Antwort auf dieses ernüchternde Ergebnis aus dem vergangenen Jahr, ohne dass hier ein Zusammenhang hergestellt wurde.

Bis zu 450.000 Fahrgäste hat der Münchner Hauptbahnhof täglich. Die Routine zwischen den Sicherheitsinstitutionen sei ohnehin schon groß, "gerade am Wochenende, wenn Fußballspiele stattfinden", sagt Rainer Cohrs, Geschäftsführer der Münchner U-Bahnbewachungsgesellschaft. Die Quattro-Streife sei sozusagen der nächste logische Schritt im Sicherheitskonzept des Hauptbahnhofs.

Erstmals laufen in Bayern vier verschiedene Institutionen gemeinsam Streife

Ähnlich fasst es auch Torsten Malt zusammen, Geschäftsführer bei der DB Sicherheit. Die Quattro-Streifen seien eine sehr gute Ergänzung zur bisherigen engen Zusammenarbeit der vier Kooperationspartner am Münchner Verkehrsknoten. "Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe von Polizei, DB und Stadt", sagt er.

In anderen deutschen Städten gibt es bereits die Quattro-Streife. Auch die positive Erfahrung mit dem Konzept aus anderen Bundesländern sei ein Grund dafür gewesen, die Quattro-Streife in München einzuführen, sagen alle Gesprächspartner. Sie sei eine Ergänzung zu den bisherigen Sicherheitskonzepten und kein Schwerpunkt, wird in der Presseinfo betont.

Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof

Reisen, einen Snack kaufen, Gepäck lagern, shoppen, einmal quer hindurch oder zu den U- und S-Bahnen laufen: Ein zentraler Ort wie der Hauptbahnhof erfordere bei der hohen Frequenz an Menschen schnelle Absprachen, betont man in der Presseerklärung. In Bayern wird die "Quattro-Streife" erstmals eingesetzt und könnte künftig eine Blaupause für andere bayerische Städte und deren Bahnhöfe werden.

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