Erster Verhandlungstag: 32-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Malik L. (Name geändert) soll Kinder und Jugendliche auf Snapchat angeschrieben und einen 13-Jährigen mehrfach zu sexuellen Handlungen gebracht haben. Nun steht der 32-Jährige vor Gericht. Der erste Verhandlungstag gerät ins Stocken – die Verständigung im Gerichtssaal erfordert besondere Abläufe.
Sophia Willibald
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Am Donnerstag hat vor dem Landgericht I die Verhandlung in einem Fall schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen begonnen.
Am Donnerstag hat vor dem Landgericht I die Verhandlung in einem Fall schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen begonnen. © dpa/Lukas Barth

Malik L. (Name geändert) kauert mit gebeugtem Rücken auf der Anklagebank, verborgen unter einem großen, schwarzen Daunenmantel. Nur seine dünnen Beine ragen darunter hervor.

Während die Anklageschrift verlesen wird, blickt er angestrengt nach vorn – nicht zur Staatsanwältin, sondern zu seinen beiden Dolmetschern. Eine Frau und ein Mann übersetzen für Malik L. das Gesprochene in Gebärdensprache.

32-Jähriger wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem jungen Mann vor, zwischen 2020 und 2023 mehrere Kinder, beziehungsweise Jugendliche über die Nachrichten-App Snapchat kontaktiert und von ihnen kinderpornografische Inhalte gefordert zu haben.

Außerdem soll er einen Jungen vor und nach seinem 14. Geburtstag zu sexuellen Handlungen gebracht haben, obwohl er dessen Alter kannte. Auch ungeschützten Analverkehr soll der Angeklagte mit ihm gehabt haben. Dafür habe er ihm laut Anklage auch Geld geboten.

Immer wieder hält die Staatsanwältin inne, damit die Dolmetscher Zeit haben, für Malik L. zu übersetzen. Ihre Hände und Finger wirbeln durch die Luft, übertragen das Gesprochene ins Visuelle – währenddessen liegt Stille im Gerichtssaal. Kaum etwas ist zu hören – nur das Tippen der Gerichtsschreiber und das Knarzen der alten Bänke im Saal A 208 des Strafjustizzentrums.

Richter am ersten Verhandlungstag: "Wir haben gar nicht so viele Fragen"

Eine ganze Stunde vergeht, bis die Staatsanwältin alle bedrückenden Details der Anklage verlesen hat und die Dolmetscher sie in Gebärdensprache übersetzt haben.

Dann beginnt der Anwalt des Angeklagten mit einer einleitenden Erklärung seines Mandanten.

Malik L. könne sich nicht daran erinnern, über das Alter des Jungen Bescheid gewusst zu haben, als er sich mit dem 13-Jährigen in einem Hotel traf, um dort mit ihm sexuelle Handlungen zu vollziehen. Auch zum Analverkehr soll es nicht gekommen sein. Er habe es zwar versucht, doch abgebrochen, als es nicht gelang.

Nach der Erklärung des Verteidigers schaltet sich der Richter ein: "Wir haben gar nicht so viele Fragen", sagt er. Denn bereits Chatverläufe, die dem Gericht vorlägen, stellten den Sachverhalt anders dar, als der Angeklagte behaupte.

Malik L. verzieht das Gesicht und schüttelt energisch den Kopf

Der Junge habe dem Angeklagten nach dem Hotelbesuch geschrieben, dass er nach den sexuellen Handlungen Schmerzen verspürt habe. Der Richter fragt Malik L. noch einmal, ob es doch zu einem Eindringen gekommen sei. Der Angeklagte verzieht das Gesicht und schüttelt energisch den Kopf.

Seit dem 12. März 2025 sitzt Malik L. in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim. Inwieweit das Gericht dem Angeklagten und seiner Version Glauben schenken wird, wird sich zeigen. Vier Termine hat das Landgericht insgesamt angesetzt. Am Freitag, dem 6. Februar, folgt der nächste.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit zeigt das Gericht am Ende des ersten Verhandlungstags noch ein Video der richterlichen Vernehmung des Jungen.

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