Erste Nockherberg-Fastenpredigt von Stephan Zinner: Was seine Vorgänger sagen
Mit dem Nockherberg ist es wie mit der Nationalmannschaft: Jeder hat eine Meinung dazu, fühlt sich als Bundestrainer, hätte dieses und jenes ganz anders gemacht – oder haargenau so.
Wen also fragt man, wie gelungen Fastenrede und Singspiel denn nun waren? Warum nicht ganz oben anfangen, bei Gott? Anruf bei Caro Matzko, die in einem der wunderbar theatralischen Momente von Stephan Zinners Premiere als Derblecker ein paar Fragen aus höchster Warte beantwortet – nachdem sich dieser von dem Schock erholt hatte, dass Gott also doch eine Frau ist.
Göttliche Stimme von Caro Matzko: "Bewundere ihn total"

Vorab hatte er sich bei Matzko erkundigt, ob aus feministischer Sicht überhaupt in Ordnung sei, dass Gott eine weibliche Stimme hat. Matzko: „Wenn das jemand als Blasphemie auslegen würde, wäre das ja frauenfeindlich.“ So ist während der Rede nach Blitz und Donnerschlag plötzlich ihre Stimme zu hören. „Freunde im Publikum haben mich dann gefragt: Warst das gerade du?“, erzählt sie am Tag danach und lacht ihr schallendes Lachen.
Bei der Beurteilung von Zinners Auftritt sei sie „als göttliche Partnerin natürlich befangen“, sagt aber: „Ich finde, dass er das sehr ordentlich gemacht hat. Ich bewundere ihn total. Die Chuzpe, sich da hinzustellen, musst du erst mal haben! Am Nockherberg ist er ja ein alter Hase, aber es ist schon ein Unterschied, ob du da mit einem Ensemble in einer Rolle bist, oder alleine als du selbst dastehst und den Raum füllen musst.“
Maxi Schafroth zu Zinners erster Fastenpredigt: "Hat sich sehr klar positioniert"

Zinners Vorgänger Maxi Schafroth, mit dem Matzko am Tisch saß, und der wie auch Hannes Ringlstetter und Marcus Rosenmüller mitfieberte, habe im Vorjahr „total aufs Dach bekommen“, weshalb „der Zinner ein bisschen vorsichtig war“. Wobei er „schon ordentlich ausgeteilt“ habe: „Er hat sich sehr klar positioniert, und deswegen verstehe ich nicht, dass manche nun sagen, sie fänden es zu lasch und hätten sich mehr Schärfe erhofft - das war ja genau das, was zuvor kritisiert wurde. Nicht abrechnen, sondern ausgleichen! Ich finde, dass Stephan die absolut richtige Person dafür ist, weil er etwas Vereinendes hat, und genau das brauchen wir. Das war sein erstes Mal, und ich glaube, er hat verstanden, was für eine Relevanz das in Bayern hat, was für einen Wumms. Dass man sich sehr angreifbar macht.“
"Mama Bavaria" Luise Kinseher: "Saal hat wieder mal nicht reagiert"

Davon kann auch Luise Kinseher alias Mama Bavaria ein Lied singen. „Mir ist auch immer vorgeworfen worden, dass ich zu fad bin“, sagte sie nach der Rede, die sie „wirklich ganz respektierlich und gut“ fand: „Die Gratwanderung am Nockherberg ist wahnsinnig schwierig: Man muss die Mischung finden, wo die Leute in einer bierseligen Heiterkeit sich zuprosten können, aber zu flach und oberflächlich darf es auch nicht werden.“
Es sei schon wichtig, „dass man sich traut, eine gewisse moralische Einordnung zu finden, in einer Zeit, in der wir alle ein bisschen Sorge haben, dass der Anstand komplett flöten geht angesichts des Weltgeschehens“. Ein wenig Mitleid mit dem Nach-Nachfolger hat sie auch: „Der Saal hat wieder mal nicht reagiert. Da merkt man, wie schwierig das Publikum ist - ich kenn das noch von früher. Wenn der Stephan das vor seinem angestammten Publikum macht, gibt’s noch mal andere Reaktionen.“
Sigi Zimmerschied: "Eisblock, gegen den du da spielst"

Respekt zollt dem Neuen auch einer, der vor vielen Jahren als Fastenredner angefragt worden war, aber abgelehnt hatte: Sigi Zimmerschied. „Ich könnte das nicht“, sagt er beim Bier, spricht von „einem Eisblock, gegen den du da spielst“ und meint damit die ersten, von Politikern besetzten Zuschauerreihen. Da erfreue er sich lieber am Spiel von Neffe David, der wieder einen grandiosen Friedrich Merz gegeben habe, aber nun froh sei, dessen verspannte Körperhaltung wieder ablegen zu können.
„Sonst brauch ich danach immer Physiotherapie, diesmal hab ich’s mit Akupunktur versucht“, sagt David Zimmerschied, bevor er sich Richtung „Eiskeller“ verabschiedet, wo die After-Party steigt. Ohne den Derblecker, sagt Caro Matzko: „Ich glaub, er war dann ganz froh, als er gehen konnte. Da prasselt so viel auf einen ein.“
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