Er schrieb fast jeden Tag einen Leserbrief – AZ nimmt Abschied von Uli Schäfer

Ganz abseits von den vielen negativen Schnellschuss-Kommentaren im Internet waren die vielen, liebevoll von Hand geschriebenen Leserbriefe des Haidhausers Uli Schäfer in den vergangenen Jahren eine Konstante im Alltag der AZ-Redaktion, auf die sich Redakteure verlassen konnten. Es waren Hunderte Briefe jedes Jahr, bewusst auf umweltfreundlichem Recyclingpapier geschrieben, das Format so zugeschnitten, dass es das Papier möglichst effizient ausnutzte.
Mal waren es kürzere Kommentare zu einem Artikel, mal ein längerer Text geschmückt mit persönlichen Anekdoten aus dem Leben Uli Schäfers. Manchmal kritisch, manchmal voll des Lobs. Immer waren sie freundlich, zugewandt und auch voller Humor.
Treuer AZ-Leser nach Krankheit verstorben
Vor zwei Jahren hat eine AZ-Redakteurin sich mit Schäfer in seinem Lieblingslokal in Haidhausen getroffen, um herauszufinden, wer hinter den vielen Leserbriefen steckt und dem treuen "AZ-Leser seit 1971", wie er selber gerne schrieb.
Uli Schäfer war ein glühender Antifaschist und bei jeder Demo gegen Rechts in der ersten Reihe. Immer hilfsbereit, bescheiden und großzügig. Er arbeitete 25 Jahre lang im Buchhandel, bis ihm gekündigt wurde und er trotz seiner Bemühungen nie wieder einen Job gefunden hat. Schäfer hat jede Jobcenter-Maßnahme mitgemacht, war Postbote, hat den Gastrowagen im Regionalzug betreut, hat beim Weißen Raben gearbeitet und vieles, vieles mehr.
Jeden Tag ein Brief – so lebte Uli Schäfer
Für die AZ-Redaktion war er eine freundliche Stimme, die den Alltag hier lange begleitet hat. Seit etwa zwei Wochen erreichen die AZ keine Leserbriefe von Uli Schäfer mehr. Er ist vergangene Woche im Alter von 70 Jahren nach kurzer Krankheit im Krankenhaus gestorben. Die Beerdigung findet im familiären Kreis statt.