Er ist das Opfer eines S-Bahn-Schubsers
Am Bahnhof Donnersbergerbrücke wird ein 72-Jähriger von einem fremden Mann ins Gleis gestoßen. Der Täter steht jetzt vor Gericht.
München - Siegfried G. hat Riesenglück gehabt. Im Unglück.
Dem 72-Jährigen ist der Albtraum wohl jedes Bahnreisenden passiert: Er wurde von einem völlig Fremden ins Gleis geschubst. Mutige Männer sprangen sofort hinterher und zogen den bewusstlosen Mann vom Gleis. Siegfried G. überlebte.
„An den Stoß und an den Sturz kann ich mich nicht erinnern“, berichtet Siegfried G. vor Gericht. Sein Angreifer ist schizophren, hatte an diesem Tag acht Halbe getrunken und seine Impulse nicht unter Kontrolle. Die Staatsanwaltschaft will Christian B. (39) dauerhaft in der Psychiatrie unterbringen. Sie fürchtet, der Mann ist weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit.
Das ist geschehen: Am 30. August vergangenen Jahres war Christian B. in der S-Bahn unterwegs. Ein Mann habe ihn angerempelt, berichtet er. Als er wenig später auf dem Bahnsteig der Haltestelle Donnersbergerbrücke ankommt, läuft er ziellos umher, stößt Drohungen und Verwünschungen aus. „Ich bringe dich um“, ruft er. Und: „Ich schlag dich tot.“ Damit meint er zunächst niemand bestimmten.
Das ändert sich, als er plötzlich glaubt, den Mann wiedererkannt zu haben, der ihn angerempelt hatte. Siegfried G. soll das gewesen sein. Ein Irrtum, wie der Angeklagte heute weiß.
Christian G. schubst den 72-Jährigen leicht an der rechten Schulter und stößt ihn dann kräftig mit beiden Händen vor die Brust. Siegfried G. stürzt und fällt ins Gleisbett. Er bleibt ohnmächtig liegen.
Die Retter ziehen ihn vom Gleis, langsam kommt das Opfer wieder zu sich. Vor Gericht berichtet er: „Ich erinnere mich erst wieder daran, wie ich von den Sanitätern in den Rettungswagen geschoben werde.“
Siegfried G. trägt Platz- und Schürfwunden und eine schmerzende Schulter davon. „Heute ist alles verheilt“, sagt er. Auch psychisch sei nichts zurückgeblieben. „Haben Sie Angst, mit der S-Bahn zu fahren?“, fragt ihn der Vorsitzende Richter Anton Winkler. „Nein“, antwortet das Opfer des S-Bahn-Schubsers.
Der Täter machte keine Anstalten zu fliehen, ließ sich widerstandslos festnehmen. Er ist seit dem Vorfall in der Psychiatrie untergebracht. Vor Gericht nutzt er die Gelegenheit, sich noch einmal zu entschuldigen. Der Prozess wird fortgesetzt.
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