"Entzieht Normalverdienern die Lebensgrundlage": Was man in München für 1000 Euro noch an Wohnraum bekommt

In München und anderen Großstädten bekommen Menschen für 1000 Euro weniger Quadratmeter als noch vor vier Jahren. Wie groß der Kaufkraftverlust ist und was die Gründe dafür sind.
Maximilian Neumair
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Fassaden von Wohnhäusern in der Innenstadt. Wer nur ein Budget von 1000 Euro für die Miete hat, muss mit weniger Quadratmetern zurechtkommen.
Fassaden von Wohnhäusern in der Innenstadt. Wer nur ein Budget von 1000 Euro für die Miete hat, muss mit weniger Quadratmetern zurechtkommen. © Peter Kneffel (dpa)

Es ist mittlerweile leider ein Klassiker: Die Miete steigt, auch in München. Wobei die Stadt wegen ihres sowieso schon hohen Mietpreisniveaus zumindest nicht den größten Anstieg verzeichnet.

Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse von Immowelt hervor. Darin geht es jedoch nicht um die gestiegenen Quadratmeterpreise an sich, sondern um den Kaufkraftverlust. Das heißt: Was kann ich mir für 1000 Euro heute noch als Kaltmiete leisten im Vergleich zu 2022?

13 Prozent weniger Wohnfläche in München

Das sind gerade mal vier Jahre und trotzdem sind die Unterschiede eklatant: In München bekommen Mieter für dasselbe Geld sieben Quadratmeter weniger Fläche (minus 13 Prozent) – der Wohnraum ist also von 55 auf 48 Quadratmeter geschrumpft. Familientaugliche Wohnungen sind für ein Budget von 1000 Euro also schlichtweg nicht mehr zu finden.

In Hamburg sind es zwölf Quadratmeter weniger (minus 14 Prozent), in Berlin sogar 16 Quadratmeter (minus 19 Prozent). In der Hauptstadt erhielt man im Schnitt für 1000 Euro rund 86 Quadratmeter, heute kann man sich über 70 Quadratmeter glücklich schätzen.

Immowelt-CEO Theo Mseka sagt: "Wenn in Berlin für 1000 Euro binnen vier Jahren die Fläche eines Zimmers wegbricht und in München für dasselbe Geld nicht einmal mehr 50 Quadratmeter übrigbleiben, entzieht das Normalverdienern die Lebensgrundlage."

Leben in München: Kaltmiete frisst ein Drittel des Einkommens

Um das einzuordnen: Das mittlere monatliche Haushaltsnettoeinkommen (Median) in Deutschland liegt laut dem Statistischen Bundesamt bei 3176 Euro – das heißt, die Miete macht rund ein Drittel des Einkommens aus. Strom, Heizkosten und dergleichen sind bei den 1000 Euro wohlgemerkt ausgeklammert.

Im Ruhrgebiet sind die Mietpreise in mehreren Städten – Metropolen wie Köln und Düsseldorf ausgeklammert – im Vergleich zwar günstiger, aber dafür nehmen diese die größten Flächenverluste hin. In Gelsenkirchen bekommt man für 1000 Euro knapp 30 Quadratmeter weniger Wohnfläche, in Duisburg sind es 24.

Baupreis steigt und Kredite werden teurer

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor sind etwa die steigenden Baukosten und Handwerkerpreise. Allein der Baupreis stieg laut dem Statistischen Bundesamt seit Anfang 2022 um knapp 26 Prozent – mit fatalen Folgen: Der dringend benötigte Neubau liegt brach, weil sich viele Projekte für Investoren nicht mehr lohnen. Zugleich wird die Instandhaltung teurer. Der Effekt auf die Mieter: Wohnungskonzerne und private Vermieter geben die gestiegenen Kosten für Modernisierung und Instandhaltung weiter.

Hinzu kommt die Zinswende ab 2022. Der Traum des Eigenheims ist deshalb für viele Familien der Mittelschicht geplatzt, weil sie sich die Kredite nicht leisten können. Die Konsequenz: Sie bleiben als Mieter auf dem Markt, weshalb es keine Entlastung bei der Nachfrage gibt.

Menschen flüchten aus teuren Metropolen in Nachbarstädte

Ein Preistreiber ist auch der sogenannte Überlauf-Effekt aus teuren Metropolen. Städte wie Düsseldorf und Köln sind etwa teurer geworden, Wohnungssuchende weichen daher zunehmend auf günstigere Regionen und umliegende Städte wie Krefeld oder Hagen aus.

Diese plötzliche Nachfragewelle trifft dort auf ein viel zu geringes Angebot – und zack, steigen die Preise. Und dann wäre da noch der Nachholeffekt: Städte wie Oberhausen, Duisburg oder Gelsenkirchen, die jahrelang ein vergleichsweise niedriges Mietniveau hatten (sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter), müssen bei jeder absoluten Erhöhung der Preise große prozentuale Sprünge bei den Kosten hinnehmen.

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