Energiewende: Mit Elefantenmist gegen den Klimawandel

Bei ihrer Ökostrom-Offensive setzen die Stadtwerke nicht nur auf riesige Windparks, sondern auch auf kleine Anlagen. Sogar die Tiere im Münchner Tierpark tragen ihren Teil bei.
| Florian Zick
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Um die 150 Kilogramm Mist macht ein Elefant am Tag. In Hellabrunn werden die Hinterlassenschaften zu Strom vergoren.
Marcus Schlaf/SWM Um die 150 Kilogramm Mist macht ein Elefant am Tag. In Hellabrunn werden die Hinterlassenschaften zu Strom vergoren.

München Wahnsinn, wie viel Mist so ein Elefant am Tag produziert – um die 150 Kilogramm. Und Wahnsinn, was die Münchner Stadtwerke daraus machen – eine ganze Menge Energie nämlich.

Am Elefantengehege im Tierpark Hellabrunn betreiben die Stadtwerke München (SWM) eine Biogasanlage, die mit Futterresten und mit den Exkrementen von Pflanzenfressern betrieben wird. Aus Scheiße Gold machen, das funktioniert normalerweise zwar nur sprichwörtlich, in diesem Fall gelingt es aber tatsächlich: Bei der Vergärung der tierischen Hinterlassenschaften entsteht Methan, das wiederum treibt einen Stromgenerator an. Aus rund 2000 Tonnen Bioabfall entstehen auf diese Weise jährlich 240 000 Kilowattstunden elektrischer Energie – genug, um damit etwa hundert Münchner Haushalte zu versorgen.

Die Biogasanlage im Zoo gehört zu den kleineren Anlagen der Stadtwerke. Die Windparks und Wasserkraftwerke, die den SWM in Bayern und in ganz Europa gehören oder an denen sie zumindest beteiligt sind, erzeugen freilich viel mehr Strom. Aber wie es in diesem Zusammenhang eben richtig heißt: Kleinvieh macht auch Mist.

Neben der Hellabrunner Biogasanlage gibt es in München und der Region noch eine ganze Reihe weiterer Kraftwerke, die allesamt ihren Beitrag dazu leisten, dass den SWM Stadtwerken die Energiewende gelingt.

Lesen Sie hier: Windkraftwerke der SWM - wo es in München Strom in die Steckdosen bläst

Dieser Tage ist bereits der Punkt erreicht, an dem die Stadtwerke zumindest schon mal alle Münchner Privathaushalte und den öffentlichen Nahverkehr mit Ökostrom versorgen können. Bis 2025 wollen die Stadtwerke allerdings dann den Strombedarf der gesamten Stadt mit erneuerbaren Energien decken können. Auch in Zukunft wird also jedes weitere Kilowatt gebraucht.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke sind deshalb fleißig dabei, alle Münchner daraufhin zu scannen, ob dort Photovoltaikanlagen angebracht werden können. Die Verhandlungen mit den Hauseigentümern sind aber oft zäh – und so richtig viel Strom werfen solche kleinen Solaranlagen auch nicht ab. Ertragreicher sind andere Anlagen.

Die Geothermie-Anlage in Sauerlach zum Beispiel: Die erzeugt Strom für 16 000 Haushalte, beheizt gleichzeitig viele Sauerlacher Küchen und Wohnzimmer und spart im Jahr so 35 000 Tonnen Kohlendioxid ein.

Die Geothermie Sauerlach wird allerdings ein Einzelfall im Energieportfolio der Stadtwerke bleiben. In den furiosen Anfangsjahren des Erneuerbare-Energien-Ausbaus haben die SWM alle Techniken wild durchgetestet. Die Geothermie erwies sich für die Stromerzeugung dabei als ebenso unbrauchbar wie Biomasse und die sehr teure Solarthermie. Als Schlüsseltechnologie setzen die Stadtwerke als Ergänzung zu Wind und Wasser deshalb mittlerweile vor allem auf große Solarparks.

Bei Rothenburg in der Oberlausitz sind die SWM mit 40 Prozent an einem riesigen Sonnenpark beteiligt. Im schwäbischen Lauingen steht ein zweiter, der den Stadtwerken knapp zur Hälfte gehört. Gemeinsam versorgen diese Anlagen 5200 Münchner Haushalte mit Solarenergie.

Die Stadtwerke wollen auch in Zukunft vor allem im Raum München investieren – auch wenn es da immer nur in kleinen Schritten vorwärts gehen kann. Windräder sind in der Region politisch schwer durchsetzbar, die Wasserkraft ist nahezu ausgeschöpft. Da bleibt fast nur die Photovoltaik – und natürlich die Hoffnung, dass die Elefanten in Hellabrunn weiter zuverlässig die Biogasanlage beliefern. Denn: Der Strom aus dem Misthaufen reicht auch immerhin für hundert Münchner Haushalte.

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