Eisbachwelle in München: "Dann droht eine Überschwemmung"

Für Freitag war ein weiterer Vorversuch zur Wiederherstellung der Welle geplant. Doch der ist abgesagt. Weil sich ein Ast an den Eisbachkaskaden verfangen hat? Der Surf Club München fordert, "das Stöckchen am Wehr unverzüglich zu beseitigen".
von  Irene Kleber
Dieser Ast blockiert am Freitagmorgen das Dammbalkenwehr etwa 200 Meter unterhalb der Eisbachwelle.
Dieser Ast blockiert am Freitagmorgen das Dammbalkenwehr etwa 200 Meter unterhalb der Eisbachwelle. © Surf Club München

Schon wieder Ärger an der Eisbachwelle. Am heutigen Freitag (6.3.) hätte der nächste von der Stadt genehmigte Vorversuch starten sollen, um die kaputte Surferwelle wieder in Gang zu bringen. Das Team rund um den Versuchsleiter und Strömungsexperten Robert Meier-Staude hat den Vorversuch aber nun absagen müssen, teilt der Surf Club München mit.

Es fließt nämlich zu wenig Wasser im Eisbach. Das Wasserwirtschaftsamt lässt den Zulauf aus der Isar auch nach dem Hochwasser von letzter Woche weiter gedrosselt. Gerade mal 107 Zentimeter misst der Pegel an der Eisbachbrücke. Für den Versuch – und zum Surfen – braucht es aber 145 bis 150 Zentimeter.

"Man könnte den Ast ganz einfach vom Ufer aus mit der Hand herausziehen", heißt es vom Surf Club München, "dafür braucht es kein schweres Gerät".
"Man könnte den Ast ganz einfach vom Ufer aus mit der Hand herausziehen", heißt es vom Surf Club München, "dafür braucht es kein schweres Gerät". © Surf Club München

Eisbachwelle in München: "Der Ast ist dünner als ein Arm"

Der Grund dafür, dass nicht mehr Wasser eingeleitet werde, schreibt der Surf Club München, sei ein Ast, der etwa 200 Meter unterhalb der Welle an den Eisbachkaskaden ein Dammbalken-Wehr blockiert. An dem sogenannten Verteilerbauwerk verzweigt sich der Eisbach in den Schwabinger Bach – das Bauwerk regelt den Wasserzulauf in beide Bäche.

"Der Auslöser ist ebenso banal wie bezeichnend", ärgert sich Surf-Club-Präsident Martin Grün. "Der Ast ist vielleicht eineinhalb Meter lang und dünner als ein Arm", erklärt er der AZ. Mehrere erfahrene Surfer hätten die Lage vor Ort begutachtet. "Man könnte den Ast ganz einfach vom Ufer aus mit der Hand herausziehen."

Stadt soll "das Stöckchen unverzüglich beseitigen"

Was die Surfer ebenfalls aufregt: "In über 30 Jahren Eisbach-Surfen wurde der Wasserstand im Eisbach nie wegen Hochwasser abgesenkt", heißt es in der Mitteilung. "Nur ein einziges Mal – beim Jahrhunderthochwasser 2005 mit Warnstufe 4 an der Isar." Dazu komme, dass das Kreisverwaltungsreferat zur großen Surfer-Demo vom vergangenen Sonntag den Veranstaltern zusätzliche Auflagen erteilt hatte: Sie hätten ausdrücklich auf ein absolutes Surfverbot hinweisen und Durchsagen machen müssen, "da sonst persönliche Haftungsrisiken bestanden hätten".

Dass dieses Surfverbot auch praktisch durchgesetzt wird, das habe der weiter abgesenkte Wasserstand sichergestellt. Nun werde dieser Ast ins Feld geführt, um das Wasser weiter niedrig zu belassen. Der Surf Club fordern nun die Stadt auf, "das Stöckchen am Wehr unverzüglich zu beseitigen und die genehmigten Versuche endlich durchführen zu lassen."

Zuletzt hatte das Team um den Strömungsexperten Robert Meier-Staude am 19. Februar einen Vorversuch gemacht. Und mit einem Gitter kurzfristig eine surfbare Welle hergestellt.
Zuletzt hatte das Team um den Strömungsexperten Robert Meier-Staude am 19. Februar einen Vorversuch gemacht. Und mit einem Gitter kurzfristig eine surfbare Welle hergestellt. © privat

Amtsleiter: "Der Ast ist nicht der Grund"

Die AZ hat beim Wasserwirtschaftsamt nachgefragt, das für das Verteilerbauwerk zuständig ist. Und dort klingt die Geschichte komplizierter. "Der Ast ist nicht der Grund für den niedrigen Wasserstand", sagt Amtsleiter Stefan Homilius. Man habe vor dem Hochwasser, als noch extremes Niedrigwasser herrschte, am Bauwerk Dammbalken angehoben, um sicherzustellen, dass der Schwabinger Bach mit all seinen Fischen genug Wasser bekommt. Dann sei am 22. Februar das Hochwasser gekommen. Um Überschwemmungen zu vermeiden, habe man den Zufluss aus der Isar "auf ein verträgliches Niveau begrenzt."

Eisbachwelle in München: "Dann droht eine Überschwemmung"

Nun sei das Hochwasser vorbei, an den Eisbachkaskaden hätten sich aber Äste verhängt. "Die sind für den Abfluss zwar nicht relevant, müssen aber entfernt werden, um die Dammbalken wieder abzusenken", sagt Homilius. "Solange sie nicht wieder abgesenkt sind, können wir kein zusätzliches Wasser zuleiten, weil sonst im Schwabinger Bach zu viel ankommt. Dann droht eine Überschwemmung."

Für die Arbeiten an den Dammbalken sei ein Schreitbagger erforderlich, aber nicht nur das. Es seien auch "weitere Steuerungsmaßnahmen im gesamten Gewässersystem des Englischen Gartens" nötig. Wann denn nun der Umbau stattfinden soll? "Die Abstimmungsmaßnahmen laufen", sagt Homilius. Die Mitarbeiter der Flussmeisterstelle München werden voraussichtlich "nächste oder übernächste Woche" mit dem Umbau loslegen. Bis dahin brauchen das Versuchsteam und auch die Surferinnen und Surfer wohl Geduld.

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