Nass, gut gelaunt und ab in die Tram: Münchens Eisbach-Tradition boomt

Seit Wochen ächzt München unter der Hitze. Wie wäre es mit Abkühlung? Der Eisbach verspricht mit seinem Namen genau das. Seit Jahrzehnten ist es eine Tradition, sich hinter der Eisbachwelle am Nationalmuseum von der Strömung bis zur Tivolibrücke treiben zu lassen – und das, obwohl das Baden eigentlich verboten ist. Doch was machen die Schwimmer im Anschluss? Sie warten an der Haltestelle nebenan auf die Tram und lassen sich von einem 37 Meter langen Koloss zum Nationalmuseum zurückchauffieren.

Sogar Ältere zählen zu den Eisbachschwimmern
Nicht mal zwei Minuten nach Abfahrt einer Tram sieht man an der Haltestelle Tivolistraße lauter freizügig bekleidete Eisbach-Schwimmer, die komplett nass sind und auf die nächste Tram warten. Die Stimmung unter den Leuten ist ausgelassen. Mehrheitlich sind es junge Schwimmer, aber auch Ältere mischen sich unter sie. Zu denen gehört der 63-jährige Jochen, der mit seiner Tochter Leni (18) just das erste Mal aus dem Eisbach kletterte. "Das ist ein öffentliches Freibad", sagt Jochen und schmunzelt, "es war ein kleines Abenteuer, ein wahres Naturerlebnis. Meine Tochter hat mir Tipps gegeben."
Leni ist jedenfalls ein Eisbachprofi. "Mit zwölf Jahren war ich das erste Mal im Eisbach. Sogar an Silvester war ich drinnen", sagt Leni. Da kommt auch schon die nächste Tram eingefahren. Acht Türen öffnen sich gleichzeitig, unzählige Schwimmer strömen in das Fahrzeug. Kaum ist der 16er Richtung Innenstadt weg, da klettern schon die nächsten aus dem Eisbach raus.

Eine nie dagewesene Bekanntheit durch soziale Medien
Viele Menschen haben diesen Sommertraum gerade erst für sich entdeckt. Kein Wunder: In den sozialen Medien erhalten Posts über dieses Münchner Phänomen Zehntausende Likes. Luis (24) und André (26) sind noch Neulinge dieser Tradition. "Ich wohne erst seit Mai hier in München. Das war jetzt mein fünftes Mal im Eisbach", sagt Luis. Das Wasser ist aus seiner Sicht angenehm frisch. "Ein paar Klimmzüge an der Brücke sind auch drinnen." Der Eisbach ist somit auch ein freies Fitnesscenter.

Die Fahrt mit der Tram ist für André, zu Besuch aus Niedersachsen, ein wahres Erlebnis. "Jeder hat Bock drauf", sagt André. "Das ist eine Party in der Tram, man ist unter Gleichgesinnten." Wo wir bei der Tram sind: Da kommt schon die nächste angerollt.
"Surfer" auf der Tram sorgen für Radau
Die Situation zwischen Tivolistraße und Nationalmuseum ist wahrlich herausfordernd. Beim AZ-Besuch am Montagnachmittag stehen manche Straßenbahnen bis zu zwei Minuten an der Haltestelle. Viele Schwimmer stürmen noch in die schon stehende Tram und blockieren das Schließen der Türen. Ebenfalls sind junge Leute zu beobachten, die sich im Gleis aufhalten.
Zudem gibt es diesen Sommer brisante Vorfälle: In den sozialen Medien waren Videos zu sehen mit Jugendlichen, die auf der Tram "surften". Schwimmerin Leni hat das ebenfalls schon beobachtet: "Hier ist oft großer Radau. Manche setzen sich sogar hinten auf die Tram drauf." Teilweise leitete die MVG die Linie 16 daher schon um.
Vollbekleidete Fahrgäste haben auch ihren Spaß
Und dann wären da noch diejenigen, die nichts mit dem Schwimmspaß zu tun haben und einfach nur mit der Tram von A nach B wollen. Doch selbst bei denen ist das Stimmungsbild positiv: "Für die jungen Leute ist es doch schön", sagt eine gerade ausgestiegene ältere Frau, "die haben ja sonst keine Möglichkeit, zurückzufahren."
Dominique Bouyneau ist als Tourist mit seiner Familie aus Frankreich hier. Von der Eisbachtradition habe er erst am selben Tag erfahren. "Aber es stört mich nicht, das ist doch etwas Großartiges", sagt Bouyneau. Trotz mancher Querelen ist die Fahrt mit der Tram ein Spaßgarant.

MVG mahnt zu Rücksicht
Dennoch gelten gewisse Regeln: Eigentlich brauchen die Schwimmer ein Ticket für die Fahrt. Offensichtlich setzt die MVG dies aber nicht durch. Die MVG bittet jedoch die Eisbachschwimmer auf Facebook: "Nicht mit nassen Badesachen hinsetzen." Na dann, gute Fahrt!