Einziges seiner Art: Münchner Ledigenheim bekommt dringend nötige Modernisierung
Das Ledigenheim für Männer im Westend ist das letzte seiner Art in Europa. Vor 100 Jahren haben es sozial engagierte Bürger für alleinstehende Männer in Not gebaut. 382 möblierte Zimmer gibt es dort, sieben bis acht Quadratmeter groß, mit Bett, Tisch, Stuhl, Wandschrank und Waschbecken – und bis heute für eine sehr niedrigen Miete.
Den imposanten Backsteinbau in der Bergmannstraße 35 hat der Architekt und Stadtplaner Theodor Fischer (1862-1938) in den 1920er-Jahren im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfen.
Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer
Was das Haus schon bei der Gründung besonders machte: Der Verein Ledigenheim München e. V. wollte die alleinstehenden jungen Männer menschenwürdig unterbringen. Jeder Bewohner erhielt ein eigenes Zimmer mit fließendem Wasser – das war damals nicht üblich. In jedem Stock befinden sich Toiletten und Gemeinschaftsduschen. In einer Gemeinschaftsküche können die Bewohner selbst kochen. In der Eingangshalle und den großen, hellen Aufenthaltsräumen trifft man sich zum Ratschen. Zusammen mit der Auferstehungskirche, die gleich daneben gebaut wurde, steht der Backsteinbau unter Denkmalschutz.
Pforte, Zimmerreinigung, Wäschewechsel
Heute leben 382 Männer aus 52 Nationen im Ledigenheim, das seinen Namen nie geändert hat. Wie in den Anfangszeiten wird es wie eine Pension geführt: Die Pforte ist rund um die Uhr besetzt, die Zimmer werden täglich gereinigt, Bettwäsche und Handtücher regelmäßig gewechselt.
"So bleiben wir in engem Austausch mit unseren Bewohnern und kriegen auch mit, wenn es jemandem nicht gut geht", sagt Claudia Bethcke (63), die das Haus seit 16 Jahren leitet. Die Bewohner seien 20 bis über 80 Jahre alt. "Die Mehrheit ist berufstätig, auch Azubis und Studenten sind dabei."
Die Miete inklusive Nebenkosten und Reinigung liegt bei 300 Euro. Für ein Zimmer mit Toilette zahlen Bewohner etwas mehr. Kein Wunder also, dass die Warteliste lang ist. "Wir haben ganze Ordner voll mit Bewerbungen", sagt Bethcke.

50.000 Euro an Spenden
Nun muss das historische Foyer saniert werden. Es braucht frische Farbe, außerdem muss beim Brandschutz nachgerüstet werden. Und das Speisezimmer, das schon vor einer Weile renoviert worden ist, wird mit einem Wanddurchbruch mit der Empfangshalle verbunden.
Möglich macht die Arbeiten eine Spende über 50.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Sie setzt sich als private Initiative seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein und sammelt dafür Spenden.

"Herausragendes Beispiel aus den 1920er-Jahren"
Das Ledigenheim sei "ein herausragendes Beispiel des Neuen Bauens der 1920er-Jahre", teilt die Stiftung mit. Fischer habe alles bis ins letzte Detail entworfen, von den Bewohnerzimmern in den Obergeschossen bis zu den Türgriffen. "Der streng proportionierte Bau mit klaren, kubischen Formen aus hartgebranntem Backstein folgt dabei in modernen Formen der altbayerischen Ziegeltradition."
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat nach eigenen Angaben bislang 7500 Denkmale in Deutschland mit einer Dreiviertelmilliarde Euro unterstützt. Das Ledigenheim gehört nun zu den über 680 geförderten Denkmalen in Bayern.
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