Einzelhandel gegen Verschleierungs-Verbot

Hoteliers und Händler in München profitieren von Touristen aus arabischen Ländern – sie zu verprellen, schade dem Umsatz und dem Image der Stadt, entgegnen sie Ministerin Ilse Aigner (CSU).
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Längere Aufenthaltsdauer und höhere Ausgaben: Arabische Touristen in München bringen reichlich Umsatz.
dpa Längere Aufenthaltsdauer und höhere Ausgaben: Arabische Touristen in München bringen reichlich Umsatz.

München - „Marketing- und imagemäßig wäre das eindeutig ein Eigentor“, sagt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, der AZ. Er ist empört über den Vorstoß der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). „Ausgerechnet die Wirtschaftsministerin.“

Sie hatte sich beim Parteitag für ein Verschleierungsverbot ausgesprochen. Das solle auch für Touristinnen gelten, bekräftigte Aigner anschließend in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“: Bei ihrem Besuch in Iran habe sie sich schließlich auch den Gepflogenheiten des Landes angepasst und ein Kopftuch getragen.

Beim Handelsverband fürchtet man, dass ein solches Verbot die Touristen aus den arabischen Golfstaaten abschrecken könnte – mit fatalen wirtschaftlichen Folgen. Denn die Besucher bescheren dem Einzelhandel einen großen Teil ihres Umsatzes – Tendenz steigend: 367 Euro gibt ein arabischer Kunde bei seinem Aufenthalt im Durchschnitt täglich im Münchner Einzelhandel aus. 34 Prozent mehr als noch vor drei Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie zum Einkaufsverhalten arabischer Gäste in München der BBE Handelsberatung.

Und von den finanzstarken Touristen profitieren längst nicht mehr nur die Edelboutiquen entlang der Maximilianstraße. Auch die Läden in der Fußgängerzone verdienen an den arabischen Gästen, die insbesondere die gute Qualität der Produkte und die große Auswahl schätzen – und das typische „Einkaufsflair“ der Stadt.

Ohlmann meint: „Die Gäste kommen, weil München eine tolerante Stadt ist und sie hier mit offenen Armen empfangen werden. Das ist unsere Visitenkarte.“ Dass ausgerechnet das Wirtschaftsministerium nun einen Vorschlag unterstütze, der genau diesem Image schaden könnte, kann er nicht verstehen: „Die Suppe, die uns Frau Aigner einbrockt, müssen wir dann auslöffeln – und schmecken wird sie uns bestimmt nicht.“ Nicht nur bei den Einzelhändlern regt sich Widerstand. Auch Gastronomen und Hoteliers fürchten, dass eine ihrer Hauptzielgruppen sich dann andere Ziele suchen könnte.

Touristen aus den arabischen Golfstaaten belegen bei den Übernachtungszahlen in München mittlerweile den zweiten Platz, gleich hinter den Gästen aus den USA. Conrad Mayer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands in München und selbst Hotelier: „Eine halbe Million Übernachtungen, da kann man doch nicht einfach reingrätschen.“

Zu einer offenen und toleranten Stadt gehöre eben auch, dass jeder so herumlaufen könne, wie er wolle.

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