Einmal tief durchatmen: Sechs schöne Wald-Ausflüge in und um München
Der Geruch von feuchtem Moos, ein Rascheln in der Ferne, Sonnenlicht, das sich durch die Wipfel kämpft: Ein Waldspaziergang strotzt nur so vor Sinneseindrücken. Und doch: Statt Stress verursacht so ein Ausflug in den Wald innere Ruhe. Ob für Wiesn-Geschädigte oder Erholungssuchende: Ein Ausflug ins Grüne ist wohltuend für Körper und Geist.
Nach den traumhaft sonnigen Herbsttagen der vergangenen Wochen wird das Wetter zwar verhältnismäßig etwas grauer und kühler. Am Samstagvormittag könnte es noch regnen, gegen Nachmittag sollte sich das Wetter aber perfekt für einen Waldspaziergang eignen. Und der Duft von nassem Wald ist ohnehin ein Traum.
Raus in die Natur: Warum sich ein Waldspaziergang jetzt besonders lohnt
Sonntag hingegen wird es etwas freundlicher. Wer also lieber auf Nummer sicher gehen möchte, marschiert am letzten Tag der Woche los. Bei einigen Tipps hat die AZ-Redaktion außerdem Möglichkeiten zum Einkehren mit aufgelistet. Also am besten warm einpacken und vielleicht noch ein letztes Mal in den Biergarten setzen.
Wer davon für dieses Jahr genug hat, kann sich stattdessen mit der Flora und Fauna in den Münchner Wäldern beschäftigen. Neben den bekannten Säugetieren wie Biber, Eichhörnchen, Dachs, Fuchs und Igel leben derzeit auch etwa 100 verschiedene Vogelarten in München. Zum Beispiel ist immer wieder auch der inzwischen selten gewordene Kiebitz mit etwas Glück zu beobachten.
Von seltenen Vögeln bis zu Schwammerln: Das gibt es in Münchens Wäldern zu entdecken
Der Herbst steht freilich auch ganz im Zeichen der Schwammerl. Das ist für viele Menschen ein Anlass, am Wochenende in den Wald zu gehen. Wichtig dabei: Pilze sollten nur erfahrene Sucher sammeln und zubereiten. Immer wieder kommt es zu Verwechslungen. Das kann gefährlich werden.
Wer dabei auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich Unterstützung bei der Pilzberatung im Rathaus (oder im Rathaus in Pasing) holen. Bis einschließlich 19. Oktober prüfen Experten montags (10 bis 13 Uhr und 16.30 bis 18 Uhr) die mitgebrachten Schwammerl.
Der Münchner Wald hat also allerhand zu bieten. Egal ob zum Entspannen, zum Beobachten, Schwammerlsuchen oder einfach nur Spazieren. Und kaum irgendwo zeigt der Herbst so schöne Seiten wie im Wald. Trotz ein bisschen Regen.
Die AZ wünscht Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spaß beim Waldbaden!
Walderlebniszentrum Grünwald: Wildschweine zum Anschauen
Die "Sauschütt“ ist immer einen Besuch wert. Ob man den Wildschweinfamilien beim Herumspazieren und Fressen zuschaut, sich im historischen Pavillon die interaktive Ausstellung zur Biodiversität anschaut oder einen Erlebnispfad begeht: Es ist ein stadtnaher Ausflug in die Natur, der sich auf jeden Fall lohnt.
Der Walderlebnispfad ist ganze 2,8 Kilometer lang, kann auch abgekürzt werden und ist mit Rollstuhl oder Kinderwagen zugänglich. Dazu gibt es noch den Sinnespfad (besonders empfehlenswert) und die Ameisen- und Biotop-Pfade.

Eine Stärkung gibt es in der Regel an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Wald-Café. An diesem Sonntag (11. Oktober) um 14 Uhr erklärt außerdem die Waldpädagogin Elisabeth Niebler bei einer kleinen Wanderung das kleine Einmaleins des Waldes. Eine Anmeldung ist dafür nicht nötig.
Anfahrt mit dem Auto: Tölzer Straße 45 ins Navi eingeben und den Wegweisern zum Parkplatz folgen. Öffentlich mit der S7 bis Höllriegelskreuth und dann per Bus 271 zur Haltestelle Grünwald Friedhof. Von da sind es noch zehn Minuten zu Fuß.
Schwarzhölzl: Das verkannte Naturschutzgebiet
Das verkannte Naturschutzgebiet liegt im Norden von München. Das Relikt des östlichen Dachauer Mooses – ein herrlicher Ort, um dort Ruhe zu finden.
Los geht’s mit dem Ausflug am S-Bahnhof Feldmoching. Praktischerweise kommt man auch mit der U-Bahn hin. Wer es gemütlich mag, oder nicht an der Hauptstraße laufen möchte, kann noch mit dem Bus 1,5 Kilometer bis zur Haltestelle Schwarzhölzlstraße fahren. Von dort geht es über die Äcker Richtung Schwarzhölzl und über den Karlsfelder See in den gleichnamigen Ort und zur dortigen S-Bahnstation.

Mit knapp 14 Kilometern ist die Tour gut geeignet, um zu entspannen, ohne sich dabei groß anstrengen zu müssen. Mit Sonne dürfte es am Wochenende schlecht ausschauen. Das Schwarzhölzl ist nicht sonderlich groß, man kann ruhig kreuz und quer laufen, verirren kann man sich eigentlich nicht.
Perlacher Forst: Zweimal einkehren
Durch den Perlacher Forst führt wohl die bekannteste Rennrad-Strecke Münchens: fast fünf Kilometer schnurgeradeaus die Oberbiberger Straße entlang. An einem Sommertag düsen hier Tausende entlang. Jetzt, wo die Temperaturen kälter und der Wind stärker werden, dürfte weniger los sein. Also: Rauf aufs Rad!
Die Strecke kann man auch gemütlich angehen, schließlich lässt es sich gleich zweimal einkehren. Als Erstes bei der Nussbaumranch, ein Kiosk mit kleinem Biergarten. Es gibt auch Wiener, Currywurst und Leberkäs. Etwa eineinhalb Kilometer weiter südlich liegt die Kugler Alm. Angeblich wurde hier das Radler erfunden.

Bekannt ist der Biergarten außerdem für seine Schmalznudeln und seine Ochsensemmeln. Das Fleisch stammt vom Städtischen Gut Karlshof. Mit den Öffis erreicht man die Kugler Alm mit der S3 (Furth). Dann steigt man in den Bus 224 oder geht zu Fuß etwa 20 Minuten.
Allacher Forst: Heimat für über 1000 Arten
So weit aus der trubeligen Stadt muss man gar nicht fahren, um mitten in die grüne Natur einzutauchen. Das ist auch im Nordwesten der Stadt im Allacher Forst gut möglich. Nördlich vom großen Rangierbahnhof gibt es weitläufige Wälder, ein Paradies für Pilzsammler und auch einen kleinen See (Obacht, Baden verboten!). Im Norden begrenzt ihn die A99, im Osten die Dachauer Straße.
Der Allacher Forst ist ein Naturschutzgebiet, viele der Pflanzenarten, die dort vorkommen, sind gefährdet. Zum Beispiel die Türkenbund-Lilie oder der Fransenzenzian. Und auch viele Tiere sind im Allacher Forst zuhause, laut Stadt sind es weit über 1000 Arten, zum Beispiel auch seltene wie der Hermelin, Grau- und Grünspecht oder die Wechselkröte.

Den Allacher Wald gibt es schon sehr lange, im Jahr 1770 war er der nördlichste Endpunkt eines geschlossenen Waldgürtels, der nahezu genau entlang der Nord-Süd-Achse verlief. Für eine städtische Bebauung und die Landwirtschaft wurde später viel davon gerodet.
Mit dem Auto erreicht man den Allacher Forst am besten über die Dachauer Straße.
Per Bus zum Beispiel mit der Linie 176 an die Ferchenbachstraße oder den Storchenweg (X36).
Aubinger Lohe: Spazieren und sporteln
Ziegeleiweiher, Teufelsberg und herbstfarbener Wald: Durch die Aubinger Lohe am westlichen Stadtrand von München führen schöne Wege. Starten kann man zum Beispiel an der S-Bahn-Haltestelle Lochhausen. Die Ziegeleistraße führt zu einem Fitnessparcours, danach geht es tiefer in die Lohe hinein zu zwei Teichen und dann hinauf zum Teufelsberg. Dort steht eine Parkbank, auf der man rasten kann.

Wieder unten am Fuß des Hügels kann man eine Runde um die Keltenschanze machen. Oder dem Kiesweg folgen bis zur Bienenheimstraße – und in der Waldwirtschaft Bienenheim einkehren (geöffnet Fr 17-22 Uhr, Sa/So/Feiertag 12-22 Uhr).
Forst Kasten: Wald mit viel Geschichte
Zwischen Neuried, Gauting und Planegg liegt Forst Kasten – manchen vielleicht ein Begriff wegen der Proteste samt Baumbesetzungen gegen Kiesabbau 2021. Doch dieser Wald hat mehr als Kiesgruben und Fichtenmonokultur. Letztere wird schon seit den 90er-Jahren umgestaltet, und so kann man kreuz und quer durch den Forst Kasten wunderbar spazieren oder teils auch radeln.
Immerhin führt auch ein komfortabel ausgebauter Radweg entlang der Straße nach Gauting und vorbei am Forsthaus Kasten mit seinem wunderbaren Biergarten. Jetzt im Herbst sollte man aber tagesaktuell prüfen, ob geöffnet ist (forsthaus-kasten.de). Der Forst hat viel Geschichte: 1308 erwarb ihn das Münchner Heilig-Geist-Spital, der daraus entstandenen Stiftung gehört er heute noch.

Im 18. Jahrhundert war er Teil des kurfürstlichen Hirschjagdparks. Aus der Zeit stammt die Preysingsäule, die Kurfürst Karl Albrecht aus Dankbarkeit für die Genesung seines Großkanzlers Max Emmanuel von Preysing an der Stelle errichten ließ, an der dieser schwer gestürzt war.
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