Eines der wichtigsten Bauwerke der Stadt steht unter Beobachtung

Täglich passieren bis zu 120.000 Fahrzeuge dieses Münchner Nadelöhr. Wie und warum mit der JFK-Brücke eine der zentralsten Isar-Querungen jetzt überwacht wird, erfahren Sie hier bei der AZ.
Lutz Bäucker |
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Auf der JFK-Brücke sind Sensoren und Kameras eingebaut. Warum diese Brücke jetzt abgehört wird.
Auf der JFK-Brücke sind Sensoren und Kameras eingebaut. Warum diese Brücke jetzt abgehört wird. © Lutz Bäucker

Der Verkehr rauscht ohne Unterlass über diese Brücke – Pkw, schwere Lastwagen, die Busse der MVG. Sogar nachts kommt die "JFK" nicht zur Ruhe. Ihr inneres Skelett ist inzwischen in die Jahre gekommen und wird jetzt mit Hightech-Maßnahmen überwacht. 

Seit dem 18. Dezember 1963, also seit bald 63 Jahren, verbindet das schmucklose, nüchterne Funktionsbauwerk Bogenhausen und Schwabing. "John F. Kennedy" verrichtet auf vier Spuren klaglos seinen Dienst für Pendler, ÖPNV und die Münchner Wirtschaft, Fußgänger und Radler nutzen die Brücke nur, wenn sie unbedingt müssen, zu laut brummen und röhren die Motoren.

Doch nun hat die Stadt diese Brücke in ihr "Bauwerkserhaltungsprogramm Brücken" aufgenommen und sie wie einen Patienten an diverse Überwachungsmaßnahmen angeschlossen. "Hier wird gerade überwacht – ganz legal!" steht auf einem auffällig blauen Transparent am Brückengeländer. "Ja, wir beobachten sie, die Brücke" auf einem anderen. Und ein drittes weist darauf hin: "Diese Brücke hat mehr Sensoren als Ihr Auto."

Warum diese Brücke überwacht wird

Der Grund für die Präventivmaßnahmen: "JFK" ist mit sogenanntem "Sigma-Oval-Spannstahl" errichtet worden, damals Anfang der Sechzigerjahre der letzte Schrei im Brückenbau. Leider hat der Stoff einen großen Haken: "Er ist spannungsrisskorrosionsgefährdet", erklärt das zuständige Münchner Baureferat auf Nachfrage der AZ. Klingt umständlich, ist aber eindeutig: Die im Brückenbeton verbauten Spanndrähte können ganz plötzlich reißen und das Bauwerk stürzt ein. So wie vor knapp zwei Jahren die "Carolabrücke" in Dresden.

Wie die Brücke "spricht"

Die entstehenden Risse im Stahl sind so fein, dass sie bei der Prüfung mit bloßem Auge zu spät erkannt werden. Die jetzt in "JFK" installierten speziellen Sensoren, Dehnungsmesser und Schall-Empfangsgeräte sind hochsensibel und melden etwaige gefährliche Veränderungen im Inneren des Riesenbauwerkes (hoffentlich) rechtzeitig.

"Pssst … diese Brücke spricht, wir hören zu!", verspricht auch ein viertes Transparent. Ein hochpräzises Sensornetzwerk lauscht gewissermaßen ins Innere der Brücke und registriert minimalste Schallwellen. Die Brücke "spricht" durch Risse, Korrosion oder Spannungen. Der Vorteil dieses sogenannten "Schallemissionsanalysemonitorings": Schäden werden so früh entdeckt, dass man entsprechende Maßnahmen wie Reparaturen oder Sperrungen ergreifen kann.

Nicht die einzige überwachte Brücke in München

Die "JFK-Brücke" ist nicht das einzige Münchner Bauwerk, das so überwacht wird. Auch im Altstadtringtunnel und an der Unterführung Heckenstaller-/Brudermühlstraße auf Höhe Plinganserstraße wird ganz legal abgehört und überwacht. Und auch die Kreuzhofbrücke war bis zu ihrem Abbruch vollgepackt mit Sensoren. Damit hat die Landeshauptstadt laut Baureferat eine Vorreiterrolle in Süddeutschland inne.

Für den Einbau des Sensorennetzwerks in die "JFK" hat der Stadtrat knapp eine Million Euro genehmigt. Von außen sieht man übrigens wenig von der Technik: Eine Überwachungskamera steht auf der Brücke, an den Seitenwänden sind ein paar schwarze Kabel verlegt. Unspektakulär, aber hoffentlich wirksam.

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