Einer, den alle geschätzt haben: Ehemaliger Stadtkämmerer Klaus Jungfer gestorben

Zum Tod des ehemaligen Stadtkämmerers Klaus Jungfer, der mit 80 Jahren gestorben ist.
| Felix Müller
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Beim traditionellen Geldbeutelwaschen am Fischbrunnen: Kämmerer Klaus Jungfer (r.) mit OB Christian Ude im Jahr 2000.
Beim traditionellen Geldbeutelwaschen am Fischbrunnen: Kämmerer Klaus Jungfer (r.) mit OB Christian Ude im Jahr 2000. © picture-alliance / dpa

München - Christian Ude habe Dieter Reiter entdeckt. So lautet die Legende. Das stimmt aber nicht. Aus den Tiefen der Verwaltung holte ihn einst ein anderer: Klaus Jungfer, der Kämmerer, dessen Büroleiter und Pressesprecher Reiter wurde.

Klaus Jungfer war ab 1993 Stadtkämmerer unter Christian Ude

Ab 1993 war Jungfer Kämmerer unter Christian Ude gewesen, in schweren Jahren mit einer sehr schlechten Finanzsituation. Jungfer und Ude investierten trotzdem weiter und machten Schulden. "Sie haben dafür viel Kritik einstecken müssen", erinnert sich der langjährige AZ-Rathausreporter Willi Bock. "Aber am Ende haben sie recht behalten, die Gewerbesteuereinnahmen stiegen wieder."

Jungfer galt als sehr korrekter, fairer Mann

 Der Kämmerer, der einst als Staatsanwalt für Waffengeschäfte zuständig gewesen war, fiel aber durchaus auch mal mit kreativen Ideen auf. So, als er vorschlug, das Rathaus an eine Stiftung zu verkaufen, 50 Millionen Mark könne die Stadt so sparen. AZ-Schlagzeile: "Ude verkauft das Rathaus". Es habe einen "Riesen-Aufschrei gegeben", erinnert sich Reporter Bock, schließlich stoppte die Staatsregierung das Vorhaben. Jungfers Plan war gescheitert. "Ich bin ihm im Rathaus tagelang aus dem Weg gegangen", sagt Bock. Dabei habe sich Jungfer nie etwas anmerken lassen.

Überhaupt: Bock erinnert sich an den ungewöhnlich fairen Umgang des Ude-Vertrauten. "Jungfer hat uns nie reingelegt", sagt Bock über den langjährigen Kämmerer.

Jungfer saß ab 1972 im Rathaus

Zuvor war er schon ewig Stadtrat gewesen, 1972 als Mitglied der Generation Peter Gauweiler ins Rathaus eingezogen. Um 1990, Jungfer war noch finanzpolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, habe er in einer Debatte zu einer Schulhaussanierung gefragt: "Herr Stadtschulrat, unter welchen Kriterien haben Sie diese Schule ausgesucht?" Antwort: "Danach, wer am lautesten schreit."

Jungfer selbst, sagt Bock, sei später nie so gewesen. Wer am lautesten schreit, habe für ihn keine Rolle gespielt. Bis zu seiner Pensionierung 2004 hatte er das Amt des Kämmeres inne.

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Dieter Reiter blieb er stets verbunden, der OB reiste sogar privat in Jungfers Ferienhaus auf Kreta. Reiter würdigt Jungfers Wirken in einer Amtszeit "geprägt von Phasen des Sparens", aber auch seine Arbeit als "moderne Führungskraft, die sehr beliebt war".

Letzte Woche ist Klaus Junger, der allseits geschätzte Kämmerer, mit 80 Jahren gestorben.

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