Willy Heides Herzenswunsch lebt vor der Wiesn in München weiter
Nur noch wenige Tage, dann heißt’s wieder "Ozapft is!" Mit dem traditionsreichen Anzapfritual im Schottenhamelzelt wird Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) die Wiesn 2026 am 19. September offiziell eröffnen.
Heuer zum ersten Mal mit Festkonzert für den guten Zweck
Eine andere gute alte, eher stille und besinnliche Wiesn-Tradition findet bereits diese Woche am Sonntag statt: die Kerzensegnung, bei der die Wiesnwirte für eine friedliche Wiesn bitten. Erstmals findet dieses Ritual heuer im Rahmen eines Festkonzerts statt. Am 13. September lädt der Brauchtumsverein "Festring München", der auch für den großen Trachten- und Schützenzug sorgt, zu einem Benefizkonzert in die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt ein. Unter der Leitung des vielfach preisgekrönten Kirchenmusikers Hans Berger singen und musizieren sein großes Ensemble, der Montini-Chor sowie diverse Gäste. Der Reinerlös der Spenden geht an die BR-Sternstunden.

Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr, doch zunächst nicht musikalisch. Erst wird Pfarrer Daniel Lerch 16 Kerzen weihen: je eine Kerze für jedes der 15 großen Festzelte auf der Wiesn. Die 16. Kerze bleibt bis zum Oktoberfest-Ende am Altar von Heilig Geist.
Zwischendurch sah es so aus, als würde die Tradition langsam untergehen
In den letzten Jahren trafen sich die Wiesnwirte zur Kerzensegnung meist bei einem Gottesdienst in der Paulskirche. Mal gab’s für alle eine gemeinsame große Kerze, mal für jedes Festzelt eine kleine. Zwischenzeitlich sah es auch so aus, als würde die Tradition der Kerzensegnung aufgegeben werden.
Doch Katharina Inselkammer, die Festwirtin des Armbrustschützenzelts, hält sie hoch: Auch heuer gestaltet sie wieder selbst die Kerzen und organisiert deren Segnung im Kreis der Wirte-Kollegen und -Kolleginnen. "Diese Tradition ist eine Herzensangelegenheit", sagt Katharina Inselkammer und spricht damit fraglos auch für den unvergessenen Wiesnwirt Willy Heide (†).

Der große Wirt von kleiner Statur (legendär seine selbst genannte Größe von "1,56 Meter ohne meinen Gamsbart") hat das Kerzen-Ritual vor der Wiesn dereinst begründet. Das war 1985, gleich nach seiner Wahl zum Wiesn-Wirtesprecher – in Erinnerung an das Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980.
Die Fortführung der Tradition – ein Herzenswunsch von Willy Heide
Jahr für Jahr pilgerte Willy Heide, der ehemalige Wiesnwirt der Bräurosl, mit einer Riesenkerze zur Wallfahrtskirche Maria Eich nach Planegg, wo auch seine damalige Großgaststätte Heide Volm war. Seine kunstvollen Kerzen waren einmalig: stets mindestens einen halben Meter hoch und über 25 Kilo schwer! Insgesamt 26 Jahre lang machte sich Heide vor der Wiesn mit einer Kerze auf den Weg nach Maria Eich, um gemeinsam mit Kollegen, Gästen und Weggefährten den Schutz der Heiligen Maria zu erbitten. Im September 2010 sollte es die letzte kleine Wallfahrt des inzwischen 90-jährigen Kerzenstifters sein. Am 13. August 2011 starb Willy Heide, dieses beliebte Wiesn-Urgestein.
Sein Herzenswunsch war es, dass die von ihm begründete Tradition auch nach seinem Tod fortgeführt wird, was letztlich auch passiert ist. Alles fällt bescheidener aus als zu Zeiten Willy Heides. Doch auch 2026 findet eine Kerzensegnung statt, bei der die Wiesnwirte für eine friedliche Wiesn bitten – heuer beim Festkonzert in Heilig Geist.
