Einbrecher-Saison in München startet: Diese Objekte ziehen Täter besonders an
Wenn es draußen früh dunkel wird, steigen sie besonders häufig ein – die Dämmerungseinbrecher. Mehr als 1000 Wohnungseinbrüche wurden im vergangenen Jahr in München verübt. Der Schaden beläuft sich auf insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro und ist damit die höchste Summe seit zehn Jahren.
Sobald es dunkel wird, schlagen die Täter zu
Die meisten Einbrüche werden laut Statistik in den Nachmittags- und frühen Abendstunden zwischen 16 und 20 Uhr verübt. Etwa ein Viertel entfällt auf die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr. Es gibt offenbar keine besonders oft betroffenen Stadtviertel oder Gegenden in München. "Eingebrochen wird überall, egal ob in Grünwald, Bogenhausen, Harlaching oder im Hasenbergl", sagt Kriminalhauptkommissar Michael Rasp. Er ist beim Kommissariat 105 Spezialist für Prävention.
Wohnungstür und Fenster immer abschließen
Oft ist es Leichtsinn, der den Tätern in die Hände spielt: Eine Wohnungstür, die nur ins Schloss gezogen wird und nicht abgeschlossen ist, ist für einen Profi kein Hindernis. "Immer den Schlüssel mindestens einmal im Schloss umdrehen", rät daher Michael Rasp. Ähnliches gilt für Fenster. Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster, warnt der Kriminaler. Profis brauchen nur Sekunden, um die Mechanik auszuhebeln, und haben dann freie Bahn. Selbst wenn man die Wohnung oder das Haus nur kurz verlässt, sollten Türen und Fenster fest verschlossen sein.
Manche Opfer waren gerade einmal eine halbe Stunde oder eine Stunde weg. Bei der Rückkehr war dann die Wohnung leer geräumt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man zur Miete in einem Mehrfamilienhaus lebt oder im eigenen Haus. Die Täter, oft sind es gut organisierte, reisende Banden, haben ein Auge dafür, wo es sich lohnt einzusteigen. Viele Täter reisen laut Statistik aus dem Ausland an, beispielsweise aus Staaten Ost- oder Südosteuropas. Manche reisen extra aus Südamerika an.

Einbrecherbanden aus Südamerika
Über Monate machten beispielsweise Banden aus Chile München unsicher. Ermittler der Kripo nahmen im April 2026 drei Frauen und einen Mann fest. Der Tipp kam aus Österreich. Das kriminelle Quartett sitzt derzeit in Auslieferungshaft. Die Chilenen sollen sich in Österreich vor Gericht verantworten. Hinter ähnlichen Taten stecken auch kriminelle Netzwerke aus Südamerika.
Laut der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2025 in München 1008 Wohnungseinbrüche verübt. Ein Plus von fast 15 Prozent. Obwohl im Zehnjahresvergleich die Zahl der Wohnungseinbrüche gesunken ist, wie das Polizeipräsidium München betont, ist die Schadenshöhe geradezu explodiert. 12,35 Millionen Euro waren es 2025.
Darum horten die Münchner Geld zu Hause
Warum die Münchner so viel Geld, Gold und Schmuck zu Hause haben, ist schwer zu erklären. Kriminalhauptkommissar Rasp hat eine eigene Theorie: "Es dürfte den aktuellen Krisen in der Welt und der Verunsicherung vieler Menschen geschuldet sein, dass sie Geld und Wertgegenstände in ihren Wohnungen horten." Andere trauen vielleicht den elektronischen Bezahlmöglichkeiten nicht, vermutet Rasp. Wieder andere fürchten vermutlich den großen Blackout, einen großflächigen, mehrere Tage andauernden Stromausfall, infolge dessen weder Bankautomaten noch elektronische Kassen in den Supermärkten funktionieren würden. Das ist zwar bisher noch nie eingetreten, doch Ängste sind oft irrational.

Einbrecher kennen alle gängigen Verstecke
Viele glauben zudem, dass ihre Wertgegenstände in den Wohnungen sicher sind. Ein Irrtum, warnt der Kriminaler von K 105. "Es gibt keine sicheren Verstecke, jedenfalls keines, das ein Profi nicht kennt oder finden würde." Wenn man Michael Rasp nach einigen der schlechtesten Verstecke fragt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: unter der Matratze, im Kleiderschrank, im Bücherregal oder in Küchenschränken in Haushaltsdosen für Reis, Mehl oder Kaffee. "Das sind die Orte, an denen die Profis zuerst nachsehen", betont Michael Rasp.

Niemals den Helden spielen
Einbrecher sind meist scheue Zeitgenossen. Erfahrungsgemäß gehen sie Konfrontationen aus dem Weg, sagen erfahrene Kriminaler. Was nicht heißt, dass man Einbrecher stellen und den Helden spielen sollte. "Davon kann ich nur abraten", betont Michael Rasp.
Besser ist, sich in ein Zimmer einzuschließen und den Polizeinotruf zu verständigen. Sofern kein Telefon oder Handy greifbar ist, ein Fenster öffnen und laut um Hilfe rufen. Der Hilferuf sollte mit einer klaren Botschaft verbunden sein, rät der Kriminalhauptkommissar: "Schreien Sie, dass bei Ihnen gerade eingebrochen wird. Fordern Sie laut, man solle den Polizeinotruf 110 verständigen."
So in der Art reagierte kürzlich ein Ehepaar in Grünwald. Als es abends im Bett lag, bemerkte es zwei maskierte Männer, die draußen am Eingang der Villa versuchten, die Säulen hoch ins erste Obergeschoss zu klettern, um von dort aus einzusteigen. Die Eheleute machten Licht und riefen laut um Hilfe. Beide Täter traten augenblicklich die Flucht an. Etwa jeder zweite Einbruchsversuch scheitert, wie die Zahlen der Münchner Kriminalstatistik belegen. Je länger ein Täter braucht, um irgendwo einzusteigen, umso mehr steigt das Risiko, erwischt zu werden.
Diese Objekte ziehen Täter besonders an
Daher lieben Einbrecher vor allem zugewachsene Gartengrundstücke, bei denen man sich über die Rückseite unbeobachtet an die Terrasse heranschleichen kann. Oder die Anonymität von großen Wohnsiedlungen, in denen ein fremdes Gesicht nicht sofort das Misstrauen von Nachbarn weckt. "Manche Täter schlagen in den oberen Stockwerken zu, weil sie sich da unbeobachtet fühlen", sagt Michael Rasp. Es gibt aber auch Einbrecher, die die unteren Stockwerke bevorzugen, weil dort die Fluchtwege kürzer sind. Die Theorie, dass Banden gerne in Wohngebieten mit guter Verkehrsanbindung zuschlagen, mit Schnellstraßen oder Autobahnen in der Nähe, scheint überholt. "Die Fälle der letzten Jahre belegen das nicht", sagt der Mann von K 105.
Wie nachrüsten und was die Maßnahmen kosten
Wer Wohnung oder Haus absichern will, muss kein Vermögen investieren. Abschließbare Fenster- und Terrassentürgriffe sind effektiv und lassen sich leicht nachrüsten. Dasselbe gilt für die Mechanik, Metallhalterungen und Sicherungszapfen, die bei Fenstern und Türen eingebaut sind. "Auch sie lassen sich ohne großen Aufwand nachrüsten und verstärken", so der Experte.

Ein paar Zeitschaltuhren, die an Lampen oder am Fernseher angeschlossen sind, wirken wahre Wunder. Dadurch entstehe der Eindruck, die Wohnung sei nicht verlassen, sagt Michael Rasp. Auch Jalousien lassen sich so bewegen. Wichtig ist jetzt im Herbst, dass kein Laub im Eingangsbereich oder in der Zufahrt liegt. Denn das deutet darauf hin, dass die Bewohner verreist sind. Die Postkästen sollten regelmäßig geleert werden. "Da fragt man am besten einen Nachbarn, einen Freund oder Verwandten, ob er das übernimmt", rät Michael Rasp.
Vorsicht bei Posts auf Social Media
Vorsichtig sollte man mit Social Media sein. Wer sein Privatleben via Instagram, Snapchat & Co. mit dem Rest der Welt teilt, der informiert dabei möglicherweise auch Kriminelle. Wer also jetzt in den Urlaub fährt, sollte seine Selfies und Schnappschüsse besser erst posten, wenn er wieder zurück in München ist, so der Fachmann für Prävention. Das gilt auch für den Besuch beim Lieblingsitaliener. Wer von dort aus seine Pizza im Internet postet, verrät, dass er nicht zu Hause ist und damit auch, dass man als Einbrecher freie Bahn hat.
- Themen:
- München
- Polizei
- Polizeipräsidium München
