Ein Stück Rathaus für daheim? Diese Idee könnte bald umgesetzt werden

SPD-Stadträtin Julia Schmitt-Thiel darf sich über ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk freuen: über einen Ziegel vom Rathausdach. Genauer gesagt: einen Biberschwanz, süddeutsche Ausführung. So erklärt es der ÖDPler Johann Sauerer in der Sitzung, bevor er seiner SPD-Kollegin die Schindel überreicht. Er schlich sich dafür "illegalerweise" auf das Dach des Rathauses.
Was ist da denn los, im Münchner Stadtrat? Tatsächlich hat die Aktion einen ernst gemeinten Hintergrund. Also der Reihe nach: Die Stadt saniert gerade das Rathausdach. Die Schindeln sollen ausgetauscht werden. Die Stadt plant, sie zu zermahlen und auf Tennisplätzen zu verstreuen.
Andenken für Zuhause?
"Ein Wahnsinn ist das", findet Sauerer. Der ÖDPler stellte deshalb vor ein paar Tagen den Antrag, dass die Stadt die Schindeln sichern solle. Gut erhaltene könnte die Stadt dann verkaufen, schlug die ÖDP vor. So bekämen die Münchner ein Andenken ihres Rathauses und die Stadtkasse Geld für soziale Projekte.

Abgestimmt hat der Stadtrat über den Antrag nicht. Laut Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer (Grüne) ist es jetzt auch nicht möglich, die Schindeln zu sichern, ohne die Sanierung zu verzögern.
Doch sie hatte für die ÖDP eine gute Nachricht: Nächstes Jahr soll auch das Dach über der Juristischen Bibliothek im Rathaus erneuert werden. "Dann würden wir Ihren Antrag aufgreifen", kündigte sie an. Womöglich können die Münchner also bald doch ein Stück Rathaus kaufen.