Ein Münchner Viertel erfindet sich neu: "Früher ging es hier wild zu"

Der Stadtspaziergänger kennt das Westend, wie der Münchner sagt, sehr gut. Es verändert sich gerade viel in dem Viertel.
von  Sigi Müller
Das Ende der Schwanthalerstraße an der Kreuzung zur Sonnenstraße. Verkehrstechnisch herrscht hier eigentlich immer Ausnahmezustand.
Das Ende der Schwanthalerstraße an der Kreuzung zur Sonnenstraße. Verkehrstechnisch herrscht hier eigentlich immer Ausnahmezustand. © Sigi Müller

Sie beginnt an der Ganghoferstraße. Also da, wo das Westend endet und die Schwanthalerhöhe anfängt. Und ich kann mich gut erinnern, dass es hier früher, sagen wir mal, recht wild zuging. Ich spreche von der Schwanthalerstraße, und gerade der obere Teil gehörte nicht unbedingt zu den Nobelvierteln.

Im Laufe der Jahre hat sich die Gegend aber sehr zu ihrem Vorteil verändert. Schön finde ich auch, dass man dabei eher behutsam vorgegangen ist, so findet sich auch noch vieles von damals, zumindest die Fassaden.

Früher stand hier das "Döner-macht-schöner“-Haus

"Strümpfe, Bänder, Spitzen“ steht an den alten Schaukästen, die an der Fassade des Gebäudes Parkstraße, Ecke Schwanthalerstraße hängen. Hans Mier steht über der Eingangstür. Heute ist es ein schönes Café, wo es auch allerlei Antiquitäten zu Kaufen gibt.

Schräg gegenüber entdecke ich einen kleinen Buddha in einem Schaufenster, der, obwohl Weihnachten ja längst vorbei ist, eine Nikolausmütze trägt. Der Inhaber Hamid Qamar erzählt mir, dass seine Enkelin diese Mütze gebastelt hat.

Ein Buddha mit Nikolausmütze hat die Weihnachtszeit überdauert.
Ein Buddha mit Nikolausmütze hat die Weihnachtszeit überdauert. © Sigi Müller

Wir kommen weiter ins Gespräch, er zeigt mir seine Galerie, die auch ein Geschäft für Sichtschutzfolien ist. Seit 1989 wohnt und arbeitet er hier, hatte erst ein Geschäft in der Ganghoferstraße, gleich ums Eck. Er kennt fast jeden und lebt gerne hier.

Mischung zwischen Alt und Neu: Im Viertel wird viel gebaut

Weiter die Straße entlang: ein modernes Hotel. Viele Jahre stand hier das berühmte "Döner-macht-schöner“-Haus. Verfallen und eigentlich nur noch eine Ruine war es zuletzt ein Schandfleck für die Straße.

Ich gehe den Berg hinunter. Auch hier mischt sich alt und neu und es wird viel gebaut. "Dunkle Zeiten, helles Bier“, steht auf einer Tafel am Gasthaus "Zur Festwiese“ – vielleicht nicht die ultimative Lösung für diese unruhigen und aufgeregten Zeiten, aber sicherlich hin und wieder auch mal eine Lösung.

Das Gasthaus zur Schwalbe: Mit Biergarten – und Kegelbahn seit 1939.
Das Gasthaus zur Schwalbe: Mit Biergarten – und Kegelbahn seit 1939. © Sigi Müller

Wie wird die Schwanthalerstraße aussehen, wenn alles fertig ist? 

Ich kann mich fast nicht mehr daran erinnern, dass in der Schwanthalerstraße einmal nicht gebaut wurde. Seit Jahrzehnten wird man als Fußgänger, Radler oder Autofahrer ständig umgelenkt – Spurwechsel, weiß rote Leitwege. Heute anders als gestern. Wie wird die Straße aussehen, wenn alles tatsächlich fertig sein wird? Oder wird sie das nie? Was bleibt vom alten Kiez, wie wird der Neue? Ich bin gespannt.

In diesem Sinne eine schöne Woche

Ihr

Sigi Müller

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