"Ein Konsumraum rettet Leben": Drogenhilfe-Chef appelliert an die Stadt

Der Geschäftsführer des Drogennotdienstes Prop Marco Stürmer fordert die Stadt auf, mehr sichere Aufenthaltsräume für Drogenabhängige im Bahnhofsviertel zu schaffen. Bis Ende 2027 sei die Finanzierung seiner Einrichtung gesichert, doch danach droht eine Lücke.
von  Christina Hertel
In anderen Städten gibt es bereits Konsumräume, in denen drogenabhängige Menschen sicher konsumieren können. Dort steht bei Bedarf medizinisches Personal bereit, und die Besucher erhalten saubere Spritzen. Hier ein Konsumraum in Essen.
In anderen Städten gibt es bereits Konsumräume, in denen drogenabhängige Menschen sicher konsumieren können. Dort steht bei Bedarf medizinisches Personal bereit, und die Besucher erhalten saubere Spritzen. Hier ein Konsumraum in Essen. © KerstinxKokoska (www.imago-images.de)

An der Landwehrstraße gibt es eine Notschlafstelle für drogenabhängige Menschen und einen Kontaktladen, wo sie saubere Spritzen, Eistee, Wasser, Snacks und an Wochenenden und Feiertagen ein warmes Mittagessen bekommen. Der Verein Prop betreibt ihn. Dem Geschäftsführer Marco Stürmer ist wichtig, dass die Menschen wissen: "Eine Abhängigkeit ist eine gravierende, chronische Erkrankung."

Stürmer hat das Gefühl, dass die Stadt weiß, wie wichtig der Beitrag der Sozialen Arbeit ist, die Probleme im Bahnhofsviertel zu lösen. Sein Wunsch für die nächste Legislatur ist, dass dieses Bewusstsein bleibt – auch in Zeiten, in denen das Geld im Rathaus knapp ist.

Chef des Drogennotdienstes wünscht sich mehr Aufenthaltsräume

Bis Ende 2027 sei seine Einrichtung finanziell abgesichert. Doch ab 2028 breche ein Teil der Finanzierung weg. „Dafür suchen wir noch nach Optionen“, sagt Stürmer.

Und was wünscht er sich sonst? "Es wäre wichtig, dass die Stadt im Bahnhofsviertel über Möglichkeiten nachdenkt, Aufenthaltsräume zu schaffen, wo betroffene Menschen tagsüber bleiben können“, sagt er. Zürich habe ein großes Hilfezentrum mit Tagesaufenthalt geschaffen.

Marco Stürmer ist der Geschäftsführer des Drogennotdienstes Prop. Er hofft auf einen Drogenkonsumraum.
Marco Stürmer ist der Geschäftsführer des Drogennotdienstes Prop. Er hofft auf einen Drogenkonsumraum. © Christina Hertel

Außerdem wünscht er sich einen Drogenkonsumraum, integriert in eine bestehende Einrichtung. Eignen würde sich aus seiner Sicht die Notschlafstelle. Drogenkonsum ist hier verboten, doch der verborgene Konsum lasse sich nicht immer verhindern.

"Letztes Jahr hatten wir 63 Notarzteinsätze, in 30 Fällen wegen einer Überdosierung. Alle 30 Menschen konnten gerettet werden", sagt er. Für die Mitarbeiter eine extrem hohe Belastung. Gleichzeitig sei im öffentlichen Raum die Gefahr noch größer, dass die Drogenkonsumenten sterben. "Ein Drogenkonsumraum kann Menschenleben retten."

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