Ein Jahr Homeoffice: Was Arbeitnehmer und Betriebe sagen

Ein Jahr Homeoffice: Dieser Tage steht für viele Münchner ein Jubiläum an, mit dem vor einem Jahr keiner gerechnet hätte. Was Arbeitnehmer und Betriebe sagen.
| Daniel von Loeper
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Projektmanager Julian Gallus (24) sieht Homeoffice zu Hause oder wie hier am Gärtnerplatz als gute Ergänzung zum ins Büro gehen.
Projektmanager Julian Gallus (24) sieht Homeoffice zu Hause oder wie hier am Gärtnerplatz als gute Ergänzung zum ins Büro gehen. © Daniel von Loeper

München - Entspannt sieht es aus, wie Julian Gallus da auf den Stufen vor dem Brunnen am Gärtnerplatz sitzt. Der 24-jährige Projektmanager genießt hier nicht etwa seine Freizeit. Sondern: er arbeitet.

Homeoffice - auch im Freien möglich

Gallus macht es wie viele Münchner. Er arbeitet nicht mehr im Büro. Sondern daheim. Oder eben auch, an schönen Tagen: draußen am Platz. Vor einem Jahr haben viele Unternehmen von einem Tag auf den anderen ihre Präsenzpflicht aufgehoben - oder sogar komplett auf Homeoffice umgestellt. Und wie läuft es, Herr Gallus? "Homeoffice ist meiner Meinung nach eine gute Ergänzung zum ins Büro Gehen", sagt der Mann mit dem Laptop auf den Brunnen-Stufen. "Es bietet Möglichkeiten, ungestörter zu arbeiten, spart Zeit für die Anreise." Soziale Kontakte, räumt er ein, fehlten ihm allerdings schon.

Das Problem mit den Abständen

Dabei gehört Gallus noch zu jener Büro-Menschen-Minderheit, die noch regelmäßig Kollegen sieht. "Ich arbeite seit Beginn der Pandemie drei Tage im Büro und zwei zu Hause", sagt er. Mit dieser Lösung lassen sich bei ihm im Betrieb Abstandsregeln einhalten. Denn das Problem mit den Abständen, das haben offenbar viele Unternehmen. Fast alle größeren haben Homeoffice-Regelungen, wie kürzlich eine Umfrage der AZ ergab. Viele wollen nicht mehr zurück zum alten Präsenzbetrieb.

Studium ohne Präsenzveranstaltungen

Und wie ist es an den Hochschulen? "Ich vermisse Vorlesungen in der LMU", sagt Studentin Anna (23): "Ich frage mich schon, wie sinnvoll es wirklich ist, ein Studium ohne Präsenzveranstaltungen zu machen." Der neue Alltag sei für " Kopf und für meine Augen anstrengend." In ihrer WG sei "immer jemand am Zoomen", erzählt sie. Und wie geht es weiter nach einem Jahr Homeoffice? Studentin Anna will zurück in die Uni. Gallus, der Mann von den Brunnen-Stufen, ist ganz zufrieden, wie es ist. Er sagt, er fände eine "Mischform aus beiden Varianten am besten". Also durchaus gelegentlich noch Kollegen im Büro zu sehen. Aber eben auch mal am Gärtnerplatz zu sitzen. Nicht um zu feiern. Sondern um am Brunnen den Laptop aufzuklappen und zu arbeiten.

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So machen es die großen Münchner Arbeitgeber

Viele Münchner Unternehmen ermöglichen ihren Angestellten, aus dem Homeoffice zu arbeiten - wenn es die Arbeit zulässt. Manche auch erst, nachdem die Bundesregierung im zweiten Lockdown noch einmal dringlich appelliert hat. Bei anderen ist Homeoffice schon länger möglich, etwa bei BMW. Von rund 40.000 Mitarbeitern an den Münchner Standorten würden zwei Drittel "anteilig oder ganztägig Mobilarbeit nutzen", sagte Sprecherin Angela Konert der AZ. Bei der Stadt sind es noch mehr: Über 80 Prozent der Angestellten, bei denen es möglich ist, arbeiten im Homeoffice, davon 18,6 Prozent vollständig, der Rest teilweise. Manche könnten vertrauliche Daten nicht nach Hause mitnehmen. Rund 22 000 Menschen können nicht daheim arbeiten, darunter Müllwerker, Erzieherinnen und diejenigen mit Kundenkontakt, etwa im KVR oder Bürgerbüros.

 

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