Warum Zinners Fastenpredigt nicht durchgehend zündete

Söder-Double, Kabarettist, Musiker, Schauspieler, Eberhofer-Star, TV-Pfarrer und jetzt auf dem Münchner Olymp. Gute Ausgangslage für den neuen Salavtorredner, zumal der versprochen hatte, bewusst keine moralinsauer überhöhte Predigt zu halten. Hoffnungsfrohe Vorzeichen nach der derbleckerischen Diaspora der letzten Jahre.
Und, hat’s geklappt?
Hinterfotzig, spontan, interaktiv – die oberbayerische Rampensau hat gezeigt, wie derblecken grundsätzlich gehen kann. Seine Bühnenpräsenz ist gut, sei es stimmlich, mimisch oder sprachlich, bei der er instinktsicher (und unfallfrei) zwischen Hochdeutsch und Altbairisch und gerne auch mal das Tempo wechselt. Und die Politiker nicht mehr duzt, sondern endlich wieder siezt. Welch Wohltat.
Ein bisserl arg aufgeregt war er bei seiner Premiere.
Und, war’s witzig? Ein paar Passagen waren echt lustig und herrlich sinnfreie Blödeleien waren dabei (leider zu wenig), die beiden Zwischenspiele nicht unkomisch. Und wenn er singt, rockt er den Saal mit Leichtigkeit. Ein Feuerwerk, bei dem Saalkracher auf Schenkelklopfer folgte, war’s freilich nicht.
Der erhobene Zeigefinger kam doch noch
Wenn die Rede Längen hatte, und die hatte sie wahrlich, dann in den Passagen, wo Zinner das Derblecken verließ, um ein bisserl zu pathetisch Polit-, Gerechtigkeits- oder Diskurs-Kultur anzumahnen. Da war er dann wieder der erhobene Zeigefinger, der bekanntlich nie lustig ist.
Stephan Zinner (und Co-Autor Martin Zeltner) müssen das schon beim Schreiben der Rede geahnt haben. Denn wie meinte Zinner so treffend: „Wenn ich so daherred, sollte ich mir lieber das Pfarrersgwand ausm Fundus holen...“
Und, das Fazit? Ein bisserl weniger eingedrechselte, wohlfeile Meta-Ebene, ein bisserl mehr Derbleckerei. Und dann: Gerne nächstes Jahr wieder! Die Mönchskutte darf er auch getrost im Schrank lassen.